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Lesefest in der Leipziger Moritzbastei

Literarischer Herbst Lesefest in der Leipziger Moritzbastei

Am vorletzten Abend des Leipziger Literarischen Herbstes öffnete die Moritzbastei am Montag drei Räume für drei Leserunden. In der Veranstaltungstonne kamen Thomas Böhme, Elmar Faber, Werner Heiduczek, Angela Krauß und Helmut Richter zu einer Art Klassentreffen zusammen und hatten reichlich Spaß an gemeinsamen Erinnerungen.

Literarischer Herbst in Leipzig: draußen Herbst, in drei Räumen der Moritzbastei Literatur.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es ist ein bisschen wie beim Klassentreffen, wo man gemeinsam über alten Fotos schwelgt und kichert. „Übrigens war ich auf Deiner Hochzeit“, sagt Werner Heiduczek zu Helfried Strauß, um dann aber gleich weiterzulesen: „Ich gebe zu, ich bin nicht frei von Elegie, wenn ich in dem Buch blättere. Ich würde meinen, es ist das Recht des Alters, von Zeit zu Zeit elegisch zu sein.“ So hat es der Schriftsteller einst für jenen Bildband geschrieben, der dem Lesefest am Montagabend in der Moritzbastei seinen Titel gab: „3 x Literarisches Weltnest“, drei Leserunden in drei Räumen. Höhepunkt des Leipzig-Fokus beim 19. Literarischen Herbst, der am Dienstagabend zu Ende ging.

Das Buch ist nicht taufrisch. Doch das sind Erinnerungen ja auch nicht. Und die prägen den Bildband „Weltnest. Literarisches Leben in Leipzig 1970–1990“, der 2007 im Mitteldeutschen Verlag erschienen ist. Die Fotos stammen von Helfried Strauß, bis 2008 Professor für Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Neben ihm auf dem Podium sitzt Mitherausgeber Peter Gosse, bis 1993 letzter Direktor am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“. Das war vor ihm Helmut Richter, der auch in der Veranstaltungstonne sitzt neben dem Autor und Verleger Elmar Faber, den Schriftstellen Angela Krauß, Thomas Böhme sowie eben Heiduczek, dem Ältesten, oder, so Gosse, Doyen dieser illustren Runde.

Illustre Runde

Illustre Runde: Werner Heiduczek, Angela Krauß, Elmar Faber und Thomas Böhme (v.l.) in der Veranstaltungstonne der Moritzbastei.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Zwischen 60 und 88 Jahre alt sind sie, über 500 Jahre Leben. Auf das der Schriftsteller mit ihrem Publikum hat Helfried Strauß über zwei Jahrzehnte seine Kamera gerichtet, dem „Zeitweiligen die Zeit auszutreiben“, sagt Gosse; „er stiftet Dauer.“ Strauß sucht die besondere Situation, erkennt die vielsagende Gebärde. Zeigt diese, wie Angela Krauß schreibt , „Achtsamkeit, diese auf den Gast hin gesammelte Vorfreude“ des Publikums. Und erzählt schon mit diesen Bildern allein Geschichten.

Den haben 25 Autoren ihre Erinnerungen an Begegnungen und Begebenheiten bei Lesungen, den Buchmessen zur Seite gestellt, Anekdoten, Würdigungen oder Liebeserklärungen. Fünf von ihnen kommen an diesem Abend selbst zu Wort. Für Erich Loest und Joachim Nowotny, die in den vergangenen Jahren gestorben sind, liest die Schriftstellerin Jacqueline Roussety. Michael „Massa“ Großwig spielt Saxophon, und Strauß projiziert seine Fotografien auf die Leinwand.

Wenn auch nebenan, in der Ratstonne und im Schwalbennest, ältere und jüngere Autoren wie Andreas Reimann und Kurt Mondaugen auf die Welt und das Schreiben blicken, während der Polizeihubschrauber wie an jedem Montag über der Innenstadt steht, kreisen die Gedanken in der Moritzbastei um das Bleibende. Heiduczek verweist auf Romane, Essays, Gedichte und sagt auch: „Vielleicht überdauert nur eine Zeile. Aber das ist doch viel. Sehr viel.“

Traudel Thalheim (l) mit Doris Mundus in der Ratstonne

Traudel Thalheim (l.) mit Doris Mundus in der Ratstonne.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Von Janina Fleischer

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