Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Letzter Jour fixe: Museumschef Weidinger trauert um Arno Rink

Retrospektive geplant Letzter Jour fixe: Museumschef Weidinger trauert um Arno Rink

Diese Verbindung war ungewöhnlich: Alfred Weidinger, Chef des Bildermuseums, traf sich einmal in der Woche mit Arno Rink. Für diesen Donnerstag waren sie wieder verabredet.

Trafen sich regelmäßig: Alfred Weidinger (links) und Arno Rink.

Quelle: dpa

Leipzig. In dieser Woche hätten sie sich wieder treffen wollen: Jeden Donnerstag, Punkt 16 Uhr, haben Alfred Weidinger, seit August Chef im Leipziger Bildermuseum, und Arno Rink, der Doyen der Malerei in Leipzig zum Jour fixe zusammengesessen. Nicht nur zur gemeinsamen Planung der großen Rink-Ausstellung, die der erste Paukenschlag der Ära Weidinger im Leipziger Haus werden sollte, waren diese Treffen wichtig für den neuen Museums-Chef: „Arno Rink“, sagte er am Telefon, „war meine Brücke nach Leipzig, die Brücke zur Kunst in dieser Stadt. Noch am letzten Donnerstag war er ganz frisch, wir hatten eines unserer besten Interviews. Und er hat mit tiefe Einblicke ins hiesige Kunstleben in den späten 70ern und frühen 80er Jahren gewährt.“

Fotos aus dem Leben des Leipziger Malers Arno Rink.

Zur Bildergalerie

„Die Rink-Ausstellung“, sagt Weidinger, „findet natürlich statt, diese Retrospektive war sein großer Wunsch – ich glaube, ihm war klar, dass er sie nicht mehr erleben würde. Er ging mit seinem nahenden Ende sehr offen um, war sehr gelöst. Das war ohnehin das Schönste an unseren Gesprächen: die völlige Offenheit.“ Trotz dieser Vertrautheit möchte Weidinger Arno Rink nicht als Freund bezeichnen: „Nein, das wäre vermessen, das hätte Arno Rink so nennen dürfen, ich noch nicht. Aber er war auf jeden Fall eine ganz wichtige Person für mich – nicht nur als Maler, sondern auch als Mensch.“

Die Besonderheit dieser späten Beziehung hebt auch der Leipziger Galerist Gerd „Judy“ Lybke hervor: „Dass ein Museumschef und ein Maler sich über Monate jede Woche treffen, das ist schon sehr außergewöhnlich, und es zeigt die außergewöhnliche Größe der Persönlichkeit Arno Rinks. Das hätte Herr Weidinger sicher nicht mit jedem Künstler gemacht – und Arno Rink nicht mir jedem Museumschef.“ Für Lybke war Rink „als Mensch und als Lehrer die Persönlichkeit mit der größten Bedeutung für die Malerei in Leipzig überhaupt.“ Nicht nur, weil ihre wichtigsten  Protagonisten bei ihm, dem Schüler Werner Tübkes und Bernhard Heisigs, lernten: Neben Neo Rauch, dem sicher bekanntesten unter ihnen, waren dies zum Beispiel  Michael Triegel, Christoph Ruckhäberle, Tim Eitel, David Schnell. Sondern weil er, „der Leipziger Malerei die Welt geöffnet hat. Ihm verdankt sie ihre internationale Wirkung. Die Lücke, die sein Tod reißt, wird niemand wieder füllen können. Ich bin einfach nur traurig.“

Leipzigs Kulturbürgermeisterin  Skadi Jennicke würdigte Arno Rink so: „Wir verlieren eine große Künstlerpersönlichkeit, die sich zudem als Lehrer und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst weltweit einen Namen gemacht hat. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke, sein Name wird untrennbar mit den Leipziger Schulen im ehrenden Gedächtnis bleiben.“ Und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich würdigte Rink mit den Worten, mit ihm verliere der Freistaat „eine prägende Persönlichkeit“ der Kunstszene, die „weit über ihr Schaffen hinaus gewirkt“ habe. „Er hat als Lehrer junge Künstler begleitet und ihnen geholfen, mit herausragenden Werken auch zu Botschaftern für Leipzig und Sachsen zu werden.“

Alfred Weidinger wird „nach einer pietätvollen Pause“ seinen Jour-fixe fortführen – mit Rinks Frau Christine, „die auch bisher immer dabei war. Das fortzuführen sind wir Arno Rink schuldig.“

Die Retrospektive, die er noch mitgestalten konnte und die den Namen „Arno Rink. Ich male!“ tragen wird, soll am 18. April 2018 eröffnet werden und bis zum 22. Juni zu sehen sein. Sie wird nun das Vermächtnis des großen Leipziger Malers und Lehrers werden.

Peter Korfmacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2017/2018 im Schauspiel Leipzig. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Eine Papierfabrik stellt sich vor: "Edle Papiere aus Gmund" im Druckkunstmuseum Leipzig. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr