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Liebe auf den ersten Lindenauer Blick

Musikalische Komödie Liebe auf den ersten Lindenauer Blick

Opern-Intendant Ulf Schimer stellt das neue Leitungs-Trio der Musikalsichen Komödie vor. Der neue Anbau, der das Haus langfristig überlebensfähig machen soll, ist nahezu fertig.

Betriebsdirektor Torsten Rose, Chefdirigent Stefan Klingele, Intendant Ulf Schirmer und Chefregisseur Cusch Jung (v.l.).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Eingebung kam noch vor dem Amtsantritt. Im Flieger, 11.000 Meter über den Weiten Sibiriens, ging Ulf Schirmer, seit 2011 Generalmusikdirektor und Intendant der Oper Leipzig, ein Licht auf: „Die MuKo“, erkannte er damals, „ist eine eigene Entität, die quasi subsidiär funktionieren muss“.

Diese Worte stauben mehr als nur ein wenig professoral durch die künftige Caféteria im neuen Funktionsgebäude der Musikalischen Komödie. Aber Schirmer hat es geschafft: Nach Jahrzehnten als fünftes Rad am Opernwagen, zwischen Schließungsplänen und mehr oder weniger halbherzigen Lippenbekenntnissen ist die Operetten- und Musical-Kuh aus Lindenau offenkundig vom Eis. Dafür steht der fast fertige Funktionsbau mit den Garderoben und Probensälen, die endlich ein menschenwürdiges Arbeiten ermöglichen – und dafür steht das Leitungsteam, das Schirmer gestern darin vorstellte.

Torsten Rose (Jahrgang 1970) als Betriebdirektor, Cusch Jung (geboren 1958) als Chefregisseur und Stefan Klingele (geboren 1967) als Chefdirigent und Musikdirektor sollen also in den nächsten Jahren die Musikalische Komödie weiter nach vorn bringen. Die Basis sei geschaffen, nun sollte dieses „Triumvirat selbstständig funktionieren. Die drei können selber denken, selber diskutieren, selber streiten“, schreibt Schirmer ihnen ins Pflichtenheft.

Nach Streit indes wirkt das Zusammenspiel der Drei nicht, offensichtlich hat man sich lieb. Und sie alle sind auch keine MuKo-Novizen: Rose begann bereits 1991 als Tänzer am Haus, 2001 wurde er Chefdisponent, 2008 Künstlerischer Produktionsleiter, 2014 bereits Betriebdirektor.

Der aus Kaiserslautern stammende Cusch Jung erlebte sein MuKo-Debüt vor ziemlich genau fünf Jahren, als er hier das Musical „Jekyll & Hyde“ inszenierte – mit so großem Erfolg, dass er gleich den „Graf von Monte Christo“ nachschob, worin er als Abbé Farina auch mitspielte. In der letzten Saison war er in Bernsteins „West Side Story“ auf der Bühne des großen Hauses zu sehen, derzeit gibt er im Spiegelzelt in „Charleys Tante“ sehr sehenswert den Butler. Seinen Einstand als Chefregisseur gibt er im April mit „Dracula“.
Der Ingolstädter Stefan Klingele schließlich absolvierte die professionelle Ochsentour des Theater-Dirigenten, vom Repetitor arbeitete er sich bis zum Interims-Chefdirigenten der Bremer Oper hoch und gastierte in halb Europa, bevor es ihn 2013 erstmals nach Lindenau verschlug, wo er die sehr wohlgeratene Ballettproduktion „Romeo und Julia“ musikalisch leitet.

Beide, der in der klassischen Wolle gefärbte Kapellmeister und der Regisseur, der vom Musical kommt, erlebten in der Musikalischen Komödie so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Cusch Jung: „Ich habe mich in diesem Haus vom ersten Moment an wohlgefühlt, weil hier noch handgemachtes Theater gemacht wird, die Mitarbeiter der MuKo, und zwar alle, vor Leidenschaft brennen, die Produktion auch nach Jahren noch aussehen wie am ersten Tag.“ Klingele gibt zu Protokoll: „Die besondere Atmosphäre des Theaterraumes, der familiäre Zusammenhalt und besonders das hohe künstlerische Niveau aller Beteiligten waren für mich Gründe, an der Musikalischen Komödie als Musikdirektor und Chefdirigent zu beginnen.“ Aus ihren entgegengesetzten Ecken, der Oper und dem Musical, heraus sollen die beiden nun die MuKo weiter entwickeln – was keine leichte Aufgabe wird, angesichts der 81 Prozent Auslastung, die das Haus im letzten Jahr erreichte.

Dabei sieht Jung sich klar dem Publikum verpflichtet: „Ich inszeniere“, sagt er, „gerne für Erstzuschauer, die das Stück noch nie gesehen haben. Die müssen einfach reingehen können, berührt werden und überwältigt, lachen, weinen – und hinterher fröhlich oder sogar glücklich das Theater verlassen.“ Und dabei will er seine Musical-Erfahrungen nutzen, um die Operette behutsam zu erneuern: „Man kann eine Geschichte durchaus in der Zeit spielen lassen, in der sie spielen soll – und doch modernes Theater machen, das sich den veränderten Seh- und Hörweisen auch eines jüngeren Publikums stellt.“ Dass er das kann, hat er in seinen bisherigen Leipziger Arbeiten eindrucksvoll gezeigt. Und dass er mit Klingele kann, das zeigte bereits die Revue zur Spielzeiteröffnung. Apropos Revue: Diesem Genre wollen die beiden sich künftig intensiver widmen.

Derweil blickt Torsten Rose wohlgefällig auf seine beiden künstlerischen Triumvirats-Kollegen, freut sich über den Neubau, der 2,1 Millionen Euro kostete, wovon die Stadt nur 300.000 habe tragen müssen, weil der Rest aus EU-Mitteln kommt, und verspricht, dass es auch an der Immobilien-Front weiter aufwärts geht: Im Jahr 2017 soll die Sanierung des Zuschauerraumes beginnen – und auf lange Sicht endlich auch der Rang wieder nutzbar gemacht werden.

www.oper-leipzig.de

Peter Korfmacher

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