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"Liebende sind schrecklich redselig" - Gontscharows Briefe ins Deutsche übersetzt

"Liebende sind schrecklich redselig" - Gontscharows Briefe ins Deutsche übersetzt

Von Iwan Gontscharow (1812-1891) wissen viele nur, dass er Auor des berühmten Romans "Oblomow" war. Was niemand kennen konnte, sind seine Liebesbriefe an Jelisaweta Tolstaja.

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Iwan Gontscharow: Herrlichste, beste, erste aller Frauen. Eine Liebe in Briefen. Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Vera Bischitzky. Aufbau Verlag; 205 Seiten; 16,99 Euro

Quelle: Aufbau Verlag

Leipzig. Die hat Vera Bischitzky jetzt erstmals in Deutsche übersetzt. Eines so faszinierende wie schmerzhafte Lektüre.

Eigentlich dürften wir sie gar nicht lesen. Drei Jahre vor seinem Tod hatte Iwan Gontscharow (1812-1891) darum gebeten, sämtliche seiner Briefe zurückzugeben oder zu vernichten. Viele Adressaten haben sich daran gehalten, von Tausenden sind nur etwa 1800 Korrespondenzen erhalten. 32 davon hat Übersetzerin Vera Bischitzky zusammen mit kurzen Notizen zum ersten Mal auf Deutsch in einem Büchlein versammelt, das außen vor allem schön ist. Und innen im Grunde bitter. Vor- und Nachwort der Herausgeberin ordnen Werk und Autor ein, erhellen die Umstände und erzählen, was nicht in den Briefen steht.

In "Herrlichste, beste, erste aller Frauen" öffnet sich die Gefühlswelt des private Details betreffend eher zurückhaltenden Gontscharow, Zeitgenosse Puschkins, Gogols, Turgenjews. Er ist den meisten nur als Autor des berühmten Romans "Oblomow" bekannt. Jenes Klassikers, den Vera Bischitzky im vergangenen Jahr in einer feinfühligen Neuübersetzung bei Hanser herausgebracht hat (840 Seiten, 34,90 Euro). Auch im "Oblomow" finden sich Spuren des tatsächlich Erlebten.

Die Briefe, geschrieben zwischen August 1855 und Februar 1856, gelten der 28-Jährigen Jelisaweta Tolstaja, die Gontscharow im Salon der St. Petersburger Familie Maikow kennenlernte. Den ewigen und überzeugten Junggesellen, selbst Mitte 40, hat es, wie man heute sagt, voll erwischt. Immer länger werden seine immer weniger maskierten Geständnisse. "Liebende sind schrecklich redselig" heißt es später in "Oblomow".

Doch wie seine Liebe bleiben auch die Briefe unerwidert, laufen fast alle ins Leere. Als es doch mal eine knappe Antwort gibt, spottet Gontscharow: "Noch mehr danke ich Ihnen für den homöopathischen Brief. Sie veranlassen mich, auch an die Homöopathie zu glauben: eine derart kleine Dosis, aber wie wunderbar sie wirkt!" In den 32 Schreiben zählt Bischitzky 28 Mal das Wort "schweigen". Es bleiben mehr oder weniger Selbstgespräche - schwermütig, ironisch, poetisch, schwärmend und (an)klagend.

Im heutigen Wissen um das Ausbleiben jeder Erfüllung, die Tolstaja wird 1857 ihren Cousin heiraten, steht neben aller Leidenschaft und Sprachgewalt ein Schmerz der Trostlosigkeit. Nicht selten ist Weltliteratur genau daraus entstanden. Gontscharow zieht sich, gesundheitlich angeschlagen, zurück und schreibt innerhalb nur eines Monats fast den ganzen "Oblomow" nieder. Sein lethargischer Titelheld seufzt: "Gott verhüte, wenn die eine Seite Freundschaft empfindet, die andere aber Liebe."

Iwan Gontscharow: Herrlichste, beste, erste aller Frauen. Eine Liebe in Briefen. Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Vera Bischitzky. Aufbau Verlag; 205 Seiten; 16,99 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.12.2013

Janina Fleischer

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