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Literatur statt Brandsätze: Leipziger Kulturschaffende starten Initiative

Autoren setzen Zeichen Literatur statt Brandsätze: Leipziger Kulturschaffende starten Initiative

„Literatur statt Brandsätze“ – unter diesem Titel entsteht derzeit in Leipzig eine ehrenamtliche Initiative Kulturschaffender. Ihr Ziel: Lesungen auch in entlegene sächsische Orte bringen. Veranstalter und Autoren sollen unkompliziert zueinander finden.

“Literatur statt Brandsätze“ heißt ein neues Leipziger Projekt, das Autoren und Veranstalter abseits der kulturellen Hochburgen zusammenbringen will. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Es war ein schönes Wochenende. Rückfahrt nach Leipzig, Autoradio an. Dann die Nachrichten über Pöbeleien und Polizeigewalt gegen Flüchtlinge in Clausnitz, der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Bautzen. „Nicht schon wieder“, war der erste Gedanke der Leipziger Autorin Anna Kaleri. Und der zweite: Verbündete finden, um „einer Spirale aus Resignation und Gewalt“ etwas Positives entgegenzusetzen.

Gemeinsam mit Susanne Tenzler-Heusler, von 2002 bis 2009 Buchmesse-Sprecherin, war schnell die Idee für das Projekt „Literatur statt Brandsätze“ geboren. Und das geht so: „Wir vermitteln Lesungen an den Orten, die kulturell wenig Möglichkeiten haben“, so Kaleri. Über die sozialen Netzwerke fanden die Initiatorinnen schnell Mitstreiter aus der Leipziger Literatur- und Kulturszene.

Mittlerweile gibt es eine eigene Facebook-Seite für das Projekt. Außerdem haben der Friedrich-Bödecker-Kreis für Kinder- und Jugendleseförderung, die Leipziger Kulturpaten sowie der Sächsische Literaturrat bereits ihre Unterstützung zugesagt. Alle, die an dem Projekt mitarbeiten, tun dies ehrenamtlich.

Egal ob in der Schule oder im Vereinsheim, im Gemeindesaal oder zur Not auch in der Kneipe: Die Autoren wollen mit ihren Werken dort lesen, wo sie angefragt werden – und dafür auch bis in die entlegenen Winkel Sachsens fahren. Über die Webseite der Initiative können sich interessierte Veranstalter melden.

Mitgefühl und Haltung

Gleichzeitig können Autoren aus Sachsen oder mit Bezug zum Freistaat, die schon mindestens ein Buch veröffentlicht haben, per Mail Kontakt aufnehmen. „Wir wollen Veranstalter und Schriftsteller zusammenbringen und Lesungen dort anbieten, wo Autoren sonst selten hingelangen“, so Kaleri.

Die ersten Künstler sind an Bord: Die gebürtige Chemnitzerin Kerstin Hensel (54), Lyrikerin und Verfasserin zahlreicher Erzählungen und Romane, Ralf Günther (48), der unter anderem lebhafte Romane zur sächsischen Geschichte veröffentlicht und der Prager Schriftsteller Jaroslav Rudiš (43), der sich ein junges Publikum erobert hat und auf deutsch liest, werden mitmachen. Die drei Autoren stünden für die Breite des Projekts, freuen sich die Initiatorinnen.

Thematisch sind die Veranstaltungen nicht festgelegt. „Wir wollen nicht konfrontieren“, stellt Autorin Kaleri klar. Aber kulturelle Teilhabe sei auch demokratische Teilhabe. Und sie ist überzeugt: In Clausnitz, Freital und Löbau, in jedem Ort in Sachsen gebe es Menschen, die Interesse an einem differenzierten Bild der Wirklichkeit haben. „Vielschichtigkeit, Mitgefühl und eigenständige Haltung, das kann Literatur im besten Fall vermitteln. Und zwar nicht mit dem Holzhammer“, sagt sie. Am besten passiere das ganz nebenbei.

Von Evelyn ter Vehn

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