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Live-Musik zum Stummfilm-Klassiker

Aufführung im UT Connewitz Live-Musik zum Stummfilm-Klassiker

Der Stummfilm „Menschen am Sonntag“ stammt von Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder. Das Werk aus dem Jahr 1930, das in Berlin und Umgebung spielt, gehört zu den späten Vertretern der Neuen Sachlichkeit. Die isländische Band Múm vertont den Film am Freitag live im UT Connewitz Leipzig.

Stummfilm-Klassiker aus dem Jahr 1930: „Menschen am Sonntag“.

Quelle: Verleih

Leipzig. An einem heißen Sonntag im Sommer des Jahres 1929 herrscht in Berlin emsiger Trubel: Pferdekutschen, Automobile und elektrische Straßenbahnen durchqueren die Metropole, während eine riesige Menschenmenge auf der Siegesallee durch den Tiergarten flaniert und unzählige Hauptstädter von der Hitze an den Wannsee getrieben werden. Dorthin hat es auch vier junge Erwachsene verschlagen, die in der Sonne dösen, Schellack-Platten auf einem tragbaren Grammophon hören, Tretboot fahren und miteinander flirten. Schnappschussartig zeichnet der 1930 uraufgeführte Stummfilm „Menschen am Sonntag” von Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder mit der Verknüpfung von Spielszenen und dokumentarischen Aufnahmen ein unbeschwertes Bild des Alltags im Vorkriegsdeutschland. Freitagabend wird er im UT Connewitz aufgeführt – mit Live-Vertonung des Projekts Múm.

Für Bandmitglied Örvar Þóreyjarson Smárason ist die Idylle im Film allerdings trügerisch. „Er wirkt federleicht, aber unter seiner Oberfläche brodelt es. Nicht nur wegen seines historischen Kontextes, sondern auch durch die Art, wie Geschlechterbeziehungen dargestellt werden.” Örvar muss es wissen. Er hat „Menschen am Sonntag” bereits dutzende Male gesehen. Zunächst als Student an Filmhochschulen in Prag und Reykjavík, an denen er sich auf das deutsche Kino der 1920er und 30er Jahre spezialisierte – und nun regelmäßig als Musiker auf der Bühne. Mit seinem Kollegen Gunnar Örn Tynes tourt er derzeit durch Europa, um das aktuelle „Electronic Silent Film Project” ihrer Band Múm zu präsentieren.

Die Isländer sorgen seit dem im Jahr 2000 erschienenen Debüt „Yesterday Was Dramatic – Today Is Okay” mit zauberhaft verhuschten Songskizzen zwischen experimentellem Ambient und leichtfüßigem Elektropop international für Furore. Am Anfang ihrer Karriere vertonten sie schon einmal Klassiker wie Sergej Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin” aus dem Jahr 1925. In Verbindung mit dessen Bildgewalt „wirkte unser Soundtrack aber viel zu zwergenhaft”, gesteht Örvar rückblickend. „Daraus haben wir gelernt, dass wir uns Filme aussuchen müssen, die relaxter sind und damit besser zu uns passen”.

Bei ihrer musikalischen Umsetzung von „Menschen am Sonntag” greifen Múm ein zentrales Gestaltungsmerkmal des Films auf. Die beteiligten Laiendarsteller agierten damals auf der losen Vorlage des Drehbuchs weitgehend spontan. Gunnar und Örvar besitzen ebenfalls ein grobes Grundkonzept, das ihnen aber viel Freiraum für Improvisationen mit einem Klavier, Synthesizern und mehreren kleinen Percussion-Elementen lässt.

Was die Besucher des UT Connewitz am Freitag also bei dem ersten Leipzig-Gastspiel von Múm seit der im letzten Sommer erfolgten Aufführung ihres Kollaborationswerkes „Drowning” mit dem Pianisten Hauschka und dem MDR-Sinfonieorchester erwartet, ist daher selbst für Örvar kaum vorhersagbar:„Ich hoffe, dass ich mich selbst überraschen werde, damit ich auch die Zuhörer verblüffen kann“, sagt er, „ich spiele einfach, und dann entstehen automatisch Verbindungen zwischen der Musik und den projizierten Bildern. Wenn die beiden zueinanderfinden, passiert immer etwas Magisches.”

Freitag um 21 Uhr im UT Connewitz, Karten gibt es noch bei Culton im Peterssteinweg, Restkarten an der Abendkasse.

Von Conrad Pohlmann

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