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Lobgesang: Melissa Etheridge vor 1000 Fans im Clara-Zetkin-Park

Lobgesang: Melissa Etheridge vor 1000 Fans im Clara-Zetkin-Park

Es stimmt sicher, dass Künstler vom Applaus leben, wie man so sagt. Genauso wahr ist jedoch, dass sich auch das Publikum nach Anerkennung sehnt. Das gilt nicht allein für die 1000 Zuschauer am Montagabend an der Bühne im Clara-Zetkin-Park - aber ihnen hat Melissa Etheridge zwei Konzertstunden lang ganz besonders viel Liebe geschenkt.

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Kongeniales Duo auf der Parkbühne: Melissa Etheridge und Jerry Wonda.

Quelle: Wolfgang Zeyen

"Wir nehmen jeden einzelnen von euch mit", stellt die kleine Frau mit der großen Stimme in Aussicht, als gerade einmal 20 Minuten vergangen sind. "Ich könnte die ganze Nacht hindurch mit euch feiern", ruft sie kurz darauf, "dabei ist doch Montag". Ungefähr zur Halbzeit lobt sie: "Wow, ihr erkennt das Lied gleich an der ersten Note!", nachdem Jubel den Auftaktakkord des mit einem Grammy ausgezeichneten "Come To My Window" verschluckt hat. "Kommt alle mit mir in die Schweiz!", wird sie am Ende vorschlagen, dort setzt sie ihre "This Is M.E."-Tour heute fort.

Auch dort wird Etheridge vielleicht wie in Leipzig schon ins Mikrofon lachen, bevor überhaupt zum ersten Mal ihr kraftvoller Gesang ertönt. Mit "If I Wanted To" hat die 54-Jährige mit ihrer Band jedenfalls auf der Parkbühne pünktlich um acht gleich enormen Druck erzeugt. Zum Glück ohne Auswirkung auf die Großwetterlage: "Es wird nicht regnen", verspricht sie, bevor auch "Chrome Plated Heart" vom 1988er Debütalbum ordentlich geradeaus rockt, und hält Wort: Das bisschen Nieselregen dann und wann geht als willkommene Abkühlung durch.

Im Studio wie auf der Bühne ist neuerdings Fugees-Bassist und Produzent Jerry Wonda ihr kongenialer Partner, "er liebt die Musik so wie ich", stellt ihn die Chefin den Anhängern vor. Die Euphorie strahlt in der Tat aus beiden Gesichtern. Wonda ist überdies ein Virtuose auf seinem Instrument: Zur Melodie trägt sein Bass ungewöhnlicherweise mindestens so viel bei wie zum stampfenden Rhythmus des erdigen Bluesrock.

Auch Etheridge baumelt die Gitarre - anders als Bruce Springsteen, von dem sie erklärter Fan und in mancher Hinsicht weibliches Pendant ist - keineswegs nur zur Zierde um den Hals. Die allermeisten Soli improvisiert sie höchstselbst spielfreudig und hörenswert. Der Bühnenroadie reicht ihr zu dem Zweck ständig neue Instrumente: zwischen den Liedern sowieso, manchmal sogar mitten im Stück. Er hat zunächst fast mehr zu tun als Rhythmusgitarrist Brandyn Porter. Bis Porter in "Meet Me In The Back" ebenfalls erstmals zeigen darf, wie mitreißend er zu solieren versteht.

Es ist eine vollendete Mischung aus wuchtigem Rock, effektvollen Kunstpausen und ansteckender Fröhlichkeit, die im Freiluft-Areal Hochstimmung hervorruft. Etheridges Lachen am Ende einer Strophe oder inmitten eines Refrains fügt sich in die Musik, als wäre es Teil der Songtexte. Auch die Tatsache, dass sie ihre Fans ausgiebig anstiftet, ihr Echo zu sein, lässt sich bald kaum mehr aus den Stücken wegdenken. "Oooh, oooh, oooh", röhrt sie, "ah, yeah!" und lobt in höchsten Tönen das Publikum, aus dem der Gesang originalgetreu widerhallt.

Vier, fünf Nummern der aktuellen Platte - wie "Ain't That Bad", zu dem sich Arden Altino sein Keyboard mal umhängt, oder "Monster", bei dem Etheridge mit Slide-Gitarre, später mit Mundharmonika groovt - fügen sich ohne Bruch ins Programm aus Hits der 80er und 90er Jahre. Die letzten 40 Minuten setzen sich dann aus lediglich drei Liedern zusammen. Nach zwölf Minuten "I'm The Only One" hält sie Abend und Gäste im Selfie für die digitale Ewigkeit fest, bevor eine 13-Minuten-Fassung von "Bring Me Some Water" den regulären Teil schließt.

Zur Zugabe schwelgt die Versammlung eine fulminante Viertelstunde lang in "Like The Way I Do" samt lagerfeuerkompatiblem Zwischenstück und Trommelduett von Schlagzeuger Brian Delaney und Etheridge. Nicht die letzte Rückkehr auf die Bühne, wenn man ihr glauben darf. "Ich muss wieder nach Lipzick kommen", erklärt sie noch. "Definitiv."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.07.2015
Mathias Wöbking

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