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Lofft und Tanztheater bald obdachlos? Der Plan für ein Theaterzentrum West ist gefährdet

Lofft und Tanztheater bald obdachlos? Der Plan für ein Theaterzentrum West ist gefährdet

Die Leipziger Stadtverwaltung arbeitet gemächlich. Schließlich ist sie ein Amt, und die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam - und manchmal geraten sie ganz ins Stocken.

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Karl-Heine-Straße gegenüber der Schaubühne Lindenfels: Hier soll bis 2015 das Theaterzentrum West entstehen - oder doch Privatwohnungen?

Quelle: Wolfgang Zeyen

So wie im Fall des geplanten Theaterzentrums im Leipziger Westen. Nach zähen Verhandlungen mit der Stadt erwägt der Investor, seine Pläne zu ändern. Werden aus dem Theaterhaus bald Wohnungen? Noch ist nichts entschieden.

Das Problem: Seit 2007 sucht die Stadt eine neue gemeinsame Spielstätte für Lofft, Schaubühne Lindenfels, Westflügel und Leipziger Tanztheater. Denn das Tanztheater und das Lofft brauchen neue Räume. Ersteres residiert seit sechs Jahren in einer Notunterkunft, letzteres nutzt Räume des Theaters der Jungen Welt. Das braucht den Platz aber selbst, spätestens 2014 muss das Lofft ausziehen. Es werden Pläne gemacht - und wieder verworfen. Schließlich findet die Stadt 2011 ein Haus für die freien Theater gegenüber der Schaubühne Lindenfels in der Karl-Heine-Straße. Geplanter Einzugstermin: 2015.

Als Investor tritt die Leipziger Stadtbau AG auf. Sie hat die Immobilie seit August 2011 für das Vorhaben reserviert. Doch die Verhandlungen mit der Stadt stagnieren. Noch immer hat die Verwaltung keine Beschlussvorlage über das Projekt vorgelegt. Verwaltungsspitze und Stadtrat haben über den Beschluss bisher nicht abgestimmt. Nachdem über ein Jahr nichts passiert, wird die Stadtbau AG langsam unruhig. Inzwischen sei man verunsichert, heißt es. "Wir müssen ein mögliches Scheitern des Projekts in Betracht ziehen." Vorsorglich hat der Investor deshalb einen Bauantrag für Wohnungen bei der Stadt gestellt. An dem Theaterzentrum sei man weiter interessiert, prüfe aber "alternative Optionen."

Stadträtin Skadi Jennicke von den Linken versteht die Entscheidung der Stadtbau AG. Im Kulturausschuss verfolgt sie das Theaterhaus-Vorhaben seit Jahren und ist verärgert. "Es ist bedrückend, wie die Stadt die Akteure am ausgestreckten Arm verhungern lässt." Schließlich habe man versprochen, ein neues Haus zu finden. Ihr Vertrauen in derartige Ankündigungen sei "aktuell eher gering". Das Tanztheater werde ja "schon zum dritten Mal im Regen stehen gelassen." Dabei hätten die Theater stets kooperiert und alle nötige Informationen erbracht, sagt Jennicke.

Kulturbürgermeister Michael Faber bleibt indes gelassen. Dass der Investor der Stadt mit dem neuen Bauantrag quasi das Messer auf die Brust setzt, stimme ihn "nicht übellaunig". Die Ankündigung solle den Prozess in der Stadtverwaltung beschleunigen. Und das sei "nur fair." Im April ist nun eine Dienstberatung beim Oberbürgermeister angesetzt, noch im Mai soll der Stadtrat eine Entscheidung treffen. "Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass die Stadt sich gelangweilt zurücklehnt", betont Faber und ist sich sicher, dass der Stadtrat für das Projekt stimmt. "Es gibt gute Gründe, an dem Vorhaben festzuhalten und es nun ins Finale zu bringen."

Größtes Problem der bisherigen Verhandlungen: die Förderdauer seitens der Stadt. Die Stadtbau AG will das Haus zwar in Vorleistung umbauen, verlangt aber eine zehnjährige Fördergarantie. Üblich sind drei Jahre. In Ausnahmefällen können auch fünf Jahre vereinbart werden. "Das wäre jedenfalls denkbar", sagt Michael Faber. Wie viel die Stadt zuschießen müsste, ist allerdings noch unklar. Es hängt auch davon ab, ob sie Mieter oder Käufer des Objekts ist. Faber spricht von einer Summe, die wohl im siebenstelligen Bereich liegen wird. Offen ist bisher auch, in welcher Form die Theater eine Dachgesellschaft gründen, die dann als juristisch ansprechbare Person mit der Stadt verhandelt.

Die beteiligten Theater verfolgen das Gezerre um das Zentrum derzeit mit Sorge, wollen sich angesichts der sensiblen Lage aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Dirk Förster, Leiter des Lofft, lässt diplomatisch verlauten: "Ich gehe davon aus, dass die Stadtbau AG immer noch an dem Projekt interessiert ist." Auch René Reinhardt von der Schaubühne zeigt Verständnis für "die Ungeduld des Investors" und schlägt vorsichtig optimistische Töne an: "Bis jetzt glaube ich noch an das Projekt." Reinhardt weist aber noch auf eine andere Tatsache hin: Man könnte zwar auf ein nebenstehendes Objekt des Investors ausweichen. "Aber eine andere Alternative gibt es nicht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.04.2013

Gina Apitz

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