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Lot, Kafka Tamura, The Micronaut und Emily’s Giant und ihre Hommage an Leipzig

„Der Große Preis 2015“ Lot, Kafka Tamura, The Micronaut und Emily’s Giant und ihre Hommage an Leipzig

Zuletzt schwächelte der traditionsreiche Leipziger Bandwettbewerb „Der Große Preis“ ein wenig. Doch der Jahrgang 2015 hat die Besuchermassen wieder in Richtung Werk 2 bewegt. Am Wochenende haben dort vor 450 Zuschauern die Künstler Lot, Kafka Tamura, The Micronaut und Emily’s Giant ihre Trophäen gekriegt.

Lothar Robert Hansen alias Lot und Band in Halle D des Werk 2.

Quelle: Kempner

Leipzig. Diesmal sind die Veranstalter sozusagen auf Nummer sicher gegangen. „Es ist der Wahnsinn“, schwärmt per Videoschalte Michel Petzold am Roten Teppich vor Halle D des Werk 2, „wer alles da ist“. Der Oberbürgermeister samt Frau, der Ministerpräsident, Stars der internationalen Show-Branche: Sebastian Krumbiegel, Andreas Bourani, Anna Loos, Robert de Niro sogar. Nur Til Schweiger sei an der Waffenkontrolle gescheitert. Er wüte bereits auf Facebook.

Zurecht. Denn auch, wenn der Außenreporter große Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Thorsten Giese aufweist und sein „Live-Bericht“ fraglos vorproduziert ist: Es stimmt, dass Schweiger am Freitagabend nicht bei der Gala zum „Großen Preis 2015“ war. Und dass er einen tollen Abend verpasst hat, an dem sich die Leipziger Musikszene von ihrer Schokoladenseite präsentierte.

Die Veranstalter aus der Moritzbastei hätten überdies zum Glück gar nicht mit der inszenierten Schalte auf Nummer sicher gehen müssen: Anders als vor einem Jahr, als nur zwei der vier Preisträger auftraten und sich 120 Zuschauer im Saal etwas verloren vorkamen, war die 450 Menschen fassende Halle D diesmal ausverkauft. Vielleicht auch, weil sich keiner der Leipziger Musiker des Jahres 2015 die Ehrung entgehen ließ. Im Herbst hatte eine Jury von rund 150 Auskennern Lot, Kafka Tamura und The Micronaut aufs Treppchen gehievt. Das Duo Emily’s Giant ist dank einer Online-Abstimmung ebenfalls Preisträger.

„Geil, oder?“ – „Yeah!“

„Geil, oder?“, fragt Raschid D. Sidgi das Publikum – und er wird diese Formulierung im Laufe der fast dreistündigen Show noch etliche Male wählen. „Yeah!“, antworten die Gäste fast freiwillig und werden dem überaus charmanten und schlagfertigen Moderator der Gala den Gefallen weiterhin tun. „Geil, oder?“, dass das Trio Safi den Abend als Leipziger Band des Jahres 2007 nicht nur eröffnet, sondern auch erklärtermaßen mittlerweile nicht die Lust darauf verloren hat, „Krachsituationen“ herzustellen. „Yeah!“

„Geil, oder?“, dass Emily’s-Giant-Sänger Robert Groos der Versammlung zur Preisverleihung den Stinkefinger zeigt. „Yeah!“, denn er meint die Nazi-Idioten, erklärt er, die einige Tage zuvor ein paar Meter weiter gewütet haben. In seinem Auftritt demonstriert das Duo, das 2014 aus Gießen nach Leipzig zog, warum die Online-Wähler eine ausgezeichnete Entscheidung gefällt haben. Fantastisch fettes Stimmvolumen, mitreißender Wandergitarren-Folk und dazu ein Hardcore-Punk-Schlagzeug – einmalig. „Zwei sehr geile Typen“, findet nicht nur Sidgi.

Auch Stefan Streck alias The Micronaut, der seine Auszeichnung als nächstes entgegennimmt, hat seine musikalischen Wurzeln erstaunlicherweise im Hard- und Grindcore – und macht ebenso etwas ganz Anderes daraus: elektronische Musik orchestralen Ausmaßes, die 2014 bereits zweifach mit der Goldenen Yvonne prämiert wurde. Es ist ein Jammer, dass die Show des Regler-Drehers und Rock-Gitarristen schlicht zu aufwendig ist, um auf einer Bühne Platz zu finden, auf der am selben Abend drei weitere Bands auftreten. Immerhin darf The Micronaut im Anschluss an die Gala als DJ andeuten, warum er so viele Juroren begeistert hat. „Geil, oder? – Yeah!“

Ein Leipziger Vorort namens Southampton

„Geil, oder?“, dass es Patrick Bongers und Gabriel Häuser jetzt geschafft haben, einer Leipziger Band des Jahres anzugehören, die sich nicht zwischen Bekanntgabe und Preisübergabe auflöst. Vor zwei Jahren gewannen sie als Teil der Gruppe Long Voyage zwar ebenfalls die Trophäe, nahmen sie aber selbst nicht mehr entgegen. Kafka Tamura, ihrem jetzigen Projekt, ist hoffentlich ein längerer Atem vergönnt.

Sängerin Emma Dawkins lebt übrigens nicht direkt in der Innenstadt, sondern in einem Leipziger Vorort namens Southampton, wie Laudator Torsten Reitler von der Moritzbastei witzelt. Die Engländerin mit der hinreißenden Stimme hat aber längst wesentliche deutsche Sätze gelernt, um als Leipziger Pop-Hoffnung durchzugehen. „Ich habe ein Kaninchen“, erzählt sie, um ihre sprachlichen Fertigkeiten zu demonstrieren. „Mein Kaninchen heißt Alfi. Er ist fett.“ Und als alle lachen: „Äh, süß“ sei er, wollte sie gesagt haben. „Yeah!“

Wenn es aber gilt, im Leipziger Musikjahr 2015 einen Künstler der Stadt herauszugreifen, fällt fraglos nur ein kurzer Name: Lot. Die Tatsache, dass das bei Chimperator erschienene Debütalbum „200 Tage“ immerhin Platz 100 der Charts erreichte und Lothar Robert Hansen, wie Lot in lang heißt, kürzlich für den „New Music Award“ nominiert war, sind da noch die unwichtigsten Indizien. Vor allem sammelte der 31-Jährige 2015 durch unentwegtes Touren – etwa im Vorprogramm der Chimperator-Kollegen – landauf landab Anhänger und Klicks.

„Lot hat hier die größte Fanbase“, mutmaßt Sidgi, „und spielt nicht zufällig zum Schluss“. Ein packender Auftritt einer saustarken Band um einen Sänger folgt, der seine charismatische Stimme mit enormem Rhythmusgefühl einsetzt. Fast, als wäre er Rapper. Beinahe jedes Lied darf man zudem als Leipzig-Hommage deuten. „Geil, oder? – Yeah!“

Vor einem Jahr rückte Lot wegen des Mangels an auftrittswilligen Gewinnern nachträglich ins Programm. Diesmal hatte er entscheidenden Anteil daran, der Gala ihren alten Glanz zu verleihen. Noch einen Flopp wie 2014 hätte der „Große Preis“ vermutlich nicht überlebt, vielleicht nicht einmal 25 Jahre nach der Premiere von 1991. Die großen Politiker und die internationalen Show-Stars – beim Jubiläumsjahrgang 2016 dürfen sie den Roten Teppich also liebend gern säumen.

Von Mathias Wöbking

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