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Männer, die auf Instrumenten spielen: The Cure in der ausverkauften Arena Leipzig

Rückkehr nach 20 Jahren Männer, die auf Instrumenten spielen: The Cure in der ausverkauften Arena Leipzig

Innerhalb weniger Wochen war die Arena Leipzig ausverkauft. Am Dienstagabend spielten The Cure vor 12100 Zuschauern ihre Hits. Das Faszinierende ist, dass Robert Smith im Grunde seit 40 Jahren das Gleiche tut: Stehen, spielen, unverwechselbar aussehen. Nicht einmal die Stimme scheint ernsthaft gealtert zu sein.

The Cure beherrschen die Kunst, trotz Nicht-Performance Bühnenpräsenz zu erzeugen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Placebo war für viele letzten Samstag wohl so etwas wie das Warm Up für The Cure am Dienstag. Neben Überschneidungen bekommt man aber bei letzteren von fast allem mehr: Es ist voller, es dauert länger, der Altersdurchschnitt auf Bühne und im Publikum ist höher, die Klamotten sind schwärzer, die Haare toupierter. Sogar mehr Equipment haben sie mitgebracht, auch wenn man es der Bühne später nicht ansehen wird: Wer einen Blick auf den Arena-Ladeplatz erhascht, den das abfallende Herbstlaub freigibt, zählt zehn LKWs, bei Placebo waren es sechs.

Apropos Herbst: Ausgerechnet am bisher kältesten Tag kommt es zur Einlassverzögerung. Bei feuchten drei Grad öffnet die sonst minutenpünktliche Arena erst knapp 40 Minuten nach dem avisierten Zeitpunkt ihre Türen, einige stehen schon mittags an den Kontrollgittern in froher Erwartung. Vorfreude ist ohnehin ein nicht unbedeutender Aspekt für dieses Konzert: Innerhalb weniger Wochen bereits im letzten Jahr ausverkauft, freut man sich zum Teil schon seit Monaten, frei werdende Karten wurden im Internet hoch gehandelt. Entsprechend andächtig findet das gespannte Aufwärmen in der Halle statt. Umso lauter der Jubel, der The Cure später als Intro reicht, als sie unprätentiös die Bühne betreten.

Die Erwartungen sind hoch, aber was erwartet man eigentlich? Das Faszinierende ist, dass Robert Smith im Grunde seit 40 Jahren das Gleiche tut: Stehen, spielen, unverwechselbar aussehen. Nicht einmal die Stimme scheint ernsthaft mit dem 57- Jährigen gealtert zu sein und ist, wie der gesamte Sound, glockenhell und lupenrein ausgepegelt.

Darum geht es: Musik pur

Aber genau um dieses immer gleiche geht es: Musik pur. Jedes Lied wird simpel per Schlagzeug eingezählt, gelegentlich mit einer fast schüchternen Miniansage Smiths. Ansonsten: Männer, die auf Instrumenten spielen, während einer singt. The Cure beherrschen die Kunst, trotz Nicht-Performance Bühnenpräsenz zu erzeugen. Smiths Erscheinung allein mag etwas von einem alternden traurigen Clown haben, zusammen mit seinen Songs wird er zum heiligen Clown des schwermütigen Rock. Ein alter Witz ist irgendwann zu oft gehört und wird lahm, ein guter alter Song niemals.

Ob nun längere, depressive Passagen, Evergreen, Melancholie-Zirkus oder gar funkige und orientalischen Riffs: Jeder Cure-Song klingt doch unverwechselbar nach The Cure, auf aufgeblasene Variationen wird verzichtet. Oft bricht das Publikum mit dem ersten Ton in lauten Jubel aus, nicht selten gepaart mit Gänsehaut.

Das Unprätentiöse trägt bis in die Bühnensituation: Sicher braucht so eine Tour ein gut organisiertes Team neben und hinter der Bühne. Aber Smith hat seine Instrumente bereitgestellt und bedient sich selbst, einzig Gitarrist Reeves Gabrels lässt sich hin und wieder Wechselgitarren per Roadie anreichen.

Von Scheinwerfern in dreistelliger Zahl abgesehen, wirkt die überschaubare Bühneneinrichtung fast wie ein erweiterter Proberaum. Nicht einmal die oberen Podeste für die Verstärker sind abgehangen, die Band stimmt sich kurz ab und spielt ihre Lieder. Es ist nicht nichts, was da auf der Bühne passiert, es ist ganz viel, denn es berührt.

Andächtige Musikmesse

Hat man von den Sitzrängen einen freien Blick auf die Bühne und ein geschlossenes Meer aus Köpfen (und einige störenden wie vor die Köpfe geschraubten Displays), fühlt man sich unten in diesem Meer wie in einer andächtigen Musikmesse in der beständigen Hoffnung, einen Blick auf den toupierten Heilsbringer zu erhaschen.

Ja – es gibt auch Songs zum Bierholen und Bierentsorgen in diesem fast dreistündigen Set, aber diese sind individuell verteilt und längst nicht auf die langen, meditativen Nummern beschränkt. Denn gerade diese dienen vielen zur sanft wiegenden Einkehr, besser als jede Kamin-DVD mit Waalgesängen.

Die Hits sind im Wesentlichen auf das erste Konzertdrittel und den letzten Zugabenblock verteilt. Aber ein Teil der eingeschworenen Fans findet ohnehin, dass diese nur wenig repräsentativ für das Gesamtschaffen der Band sind. Dennoch gab es wohl selten einen lauteren spontanen Glücksaufschrei als beim Startakkord von „Friday, I’m In Love.“

Mit Gesten der Rührung dankt Smith am Ende seinem Publikum. Ob ihm dabei tatsächlich Tränen in die Augen schießen oder er sich nur den Schweiß aus dem Gesicht wischt, das mag jeder zu seiner persönlichen Legende machen.

Von Karsten Kriesel

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