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„Magie des Augenblicks“: Van Gogh und große Franzosen in Halle

Kunstmuseum Moritzburg „Magie des Augenblicks“: Van Gogh und große Franzosen in Halle

Im Kunstmuseum Moritzburg in Halle ist bis September die Ausstellung „Magie des Augenblicks“ mit französischen Meisterwerken des Postimpressionismus zu sehen. Unter den 160 Arbeiten sind Malerei, Drucke, Zeichnungen und Plastiken etwa von Cézanne, van Gogh, Marquet und Matisse. Die Werke stammen aus einer berühmten Schweizer Sammlung

Einer von vielen magischen Momenten in der Ausstellung in Halle: „La Blanche et la Noire“ von Félix Vallotton aus dem Jahr 1913.

Quelle: Kunstmuseum Moritzburg

Leipzig. Wenn ein Museum schließen muss, noch dazu in der nicht unbedingt verarmten Schweiz, dann schrillen nicht nur in der Kunstwelt die Alarmglocken. Es mag zynisch klingen, aber für das Kunstmuseum Moritzburg in Halle und seine Besucher ist das Problem der Villa Flora in Winterthur bei Zürich ein Segen. Gestern wurde an der Saale die fulminante Ausstellung „Magie des Augenblicks“ mit 160 Werken von 14 Künstlern, die zumeist dem Post-Impressionismus zuzurechnen sind, eröffnet – mit Werken von Van Gogh und Paul Cézanne über Pierre Bonnard, Félix Vallotton und Édouard Vuillard bis zu Albert Marquet und Henri Matisse. Eine mal wilde, mal magisch-verträumte, mal raffiniert mit Genres spielende Malerei auf dem Sprung in die Moderne.

Zwischen 1906 und 1936 hatten Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler in Winterthur eine bemerkenswerte Sammlung zeitgenössischer französischer Kunst zusammengestellt, deren Kern die Künstlergruppe der Nabis bildet – ein lockerer Zusammenschluss junger Kunststudenten, Konventionen-Überwinder, Maler der unmittelbaren Empfindung. Nach und nach eroberte die im engen freundschaftlichen Austausch mit den Künstlern entstandene Kollektion des Augenarztes und seiner kunstverständigen Frau fast die gesamte Villa. 1980 gründeten die Nachkommen eine Stiftung, in die die Hauptwerke der Sammlung überführt wurden. 1995 entstand in dem Haus ein Museum. Im April 2014 musste es nach 24 Ausstellungen schließen. Städtische Gelder blieben aus. Ob und wann es wieder öffnet, ist ungewiss.

Zuschlag für Halle

Thomas Bauer-Friedrich, Direktor des Kunstmuseums Halle, hatte frühzeitig von den „bestürzenden Nachrichten“ aus Winterthur gehört und vorsichtig gefragt, ob man die nun nicht mehr öffentlich zugänglichen Kunstwerke nicht außerhalb zeigen könne. „Es dauerte nur sechs Monate, bis wir den Zuschlag bekommen hatten“, sagte Bauer-Friedrich bei der Pressekonferenz direkt neben den in der Moritzburg gezeigten Brücke-Künstlern, für die die Franzosen eine ganz wichtige Inspiration gewesen seien. Hier kommt bis 11. September nun also zusammen, was sich unmittelbar aufeinander bezieht.

Halle ist die einzige Station der Sammlungs-Tour in Ostdeutschland. Über 134 000 Besucher hatten die Werke im vergangenen Jahr in der Hamburger Kunsthalle gesehen. In kleinerem Umfang waren sie anschließend im Musée Marmottan Monet in Paris gezeigt worden. Bauer-Friedrich hofft für Halle auf eine Besucherzahl irgendwo zwischen 50 000 und 100 000: „Wir sind ja nicht Hamburg oder Paris.“

„Wir sind sehr glücklich, hier zu sein“, sagt die Schweizerin Angelika Affentranger-Kirchrath, die die Ausstellung zusammen mit Thomas Bauer-Friedrich kuratiert hat. Man wolle gerade kein Blockbuster-Paket schnüren und abgeben, sondern auf den Ort eingehen, an dem die Kunst gezeigt wird. Erstmals sind in einem eigenen Bereich Arbeiten auf Papier der Franzosen zu sehen, sie zeigen mutiges Ausprobieren, zeichnerische Vorstudien und quasi-dokumentarische Dramatik. Präsentiert wird auch ein Film über die Vila Flora aus dem Jahr 2014.

Verträumt-verspiegelter Frauenakt

Ein Stockwerk tiefer geht es feierlicher zu. Aus erhabener Düsternis leuchten zunächst die großen Vorläufer der von den Sammlern favorisierten Franzosen auf: Cézanne, Rodin oder Van Gogh, dessen 1888 in Arles entstandener Sämann hier zu sehen ist. Es ist feiner kuratorischer Schachzug, zunächst die Superstars ins Bild zu rücken, um dann den Weg für die eigentlichen Entdeckungen frei zu machen: Etwa zu Pierre Bonnards verträumt-verspiegeltem Frauenakt oder seinen Interieurs. „Er sagte, er wolle in einem Werk einen Raum so festhalten, wie wenn man ihn das erste Mal betritt, ihn noch nicht räumlich gegliedert, noch nicht benannt und geordnet vor sich hat“, schreibt Angelika Affentranger-Kirchrath im Katalog.

Diese Sehnsucht nach Unmittelbarkeit und Selbstvergessenheit und ja, der Magie des Augenblicks, ist es, was bei vielen der gezeigten Werke fesselt. Bei Odilon Redons „Rotem Boot“, das in einer Seelenlandschaft aufzugehen scheint. Strenger, spröder aber nicht minder berückend bei Félix Vallotton. Oder bei Édouard Vuillards mit ihrer Umgebung verfließenden Figuren und Formen.

Bis 11. September im Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Friedemann-Bach-Platz 5) geöffnet Mo, Di, Do-So 10-18 Uhr; Eintritt 10/8 Euro

Von Jürgen Kleindienst

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