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Magischer Ort mit modernster Technik

Magischer Ort mit modernster Technik

Es sei, sagt Ralf Wehner, der die Leipziger Ausgabe der Werke Felix Mendelssohn Bartholdys verantwortet, vorgesehen, dass sein Festvortrag doppelt so lange dauere wie die Begrüßung durch Jürgen Ernst, Direktor des Mendelssohn-Hauses.

ßung durch Jürgen Ernst, Direktor des Mendelssohn-Hauses. Im voll besetzten Mendelssohn-Saal des Gewandhauses mischen sich Amüsement und Entsetzen. Denn Ernsts Begrüßung wuchs sich von geplanten 15 auf runde 50 Minuten aus. Gottseidank fasst sich nicht nur Wehner mit seinem so instruktiven wie amüsanten Vortrag über Mendelssohn als "ganz radikalen Leipziger" kürzer. Auch die anderen Redner des Vormittags, Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Staatsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) aus Dresden, Michael Kretschmer, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Forschung, Kunst, Kultur, Medien, der Ausstellungsarchitekt Ulrich Schwarz, halten es nun knapp.

 Man kann Ernst die Ausführlichkeit nicht verdenken. Jung: "Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über." Für Ernst ging gestern ein Lebenstraum in Erfüllung, wird eine Vision Wirklichkeit. Denn dieses neue Museum, das zum gestrigen 205. Geburtstag des romantischen Universalgenies termingerecht öffnen konnte, ist ein angemessenes "Geschenk für den, dem die Geschichte so viel schuldig geblieben ist", wie Jürgen Ernst ausführt. Es ist "Termin- und Finanz-gerecht fertig geworden", bei die meiste Zeit über parallel weiterlaufendem Museums- und Konzertbetrieb überdies dergestalt, "dass jeder Raum dem entspricht, was ich mir vorgestellt habe". Da ist klar, dass nun allerlei Dank abzustatten ist: den Geldgebern von Bund, Freistaat, Stadt, Sparkasse, Sparkassenstiftung, der Stiftung "Leipzig hilft Kindern". Sie haben neben vielen kleineren und größeren Unterstützern die 1,5 Millionen Euro teure Erweiterung erst möglich gemacht.

 Besonders ausführlich würdigt Ernst die Verdienste von Spiritus Rector Kurt Masur, der in den 70ern die Mendelssohn-Renaissance einläutete, treibende Kraft hinter dem Erwerb des Hauses Goldschmidtstraße 12 war, Sorge trug, dass es erst ein schönes kleines Museum in Mendelssohns letzter Wohnung gab - und ohne den wohl auch die aktuelle Erweiterung nicht zustande gekommen wäre. Nun kann Jung mit zu Recht vor Stolz geschwellter Brust sagen: "Das Mendelssohn-Haus ist State of the art."

 Manche Details des Wiener Hauses der Musik mögen Pate gestanden haben. Aber die Präsentation des jetzt rund 900 Quadratmeter großen Mendelssohn-Museums ist einzigartig. Denn sie bringt das, was Wehner als "magischen Ort" lobpreist, "der uns den Geist des 19. Jahrhunderts empfangen lässt", in größter Selbstverständlichkeit zusammen mit den Segnungen modernster Technik.

 Dass dies so eindrucksvoll gelingen konnte, liegt vor allem an einer Trennung, die vermeiden hilft, dass aus dem Mendelssohn-Museum etwas wird wie das Mozart-Disneyland in Salzburg: "Im ersten Stock", führt Ausstellungsarchitekt Schwarz aus, "finden Sie das Gestern, im Erdgeschoss das Heute." Das Gestern bildet nach wie vor Mendelssohns Leben in den authentischen Räumen seiner Wohnung ab. Das Heute beschäftigt sich mit seiner Musik.

 In diesem Bereich ist Großes gelungen. Da schweben in der Paternoster-Vitrine Dokumente und Erinnerungsstücke am Auge des Betrachters vorbei: Notenausgaben, Manuskripte, Aquarelle, Essbestecke, die helfen, Werk und Wirkung dieses Giganten lebendig zu halten. Gegenüber laden iPads zum angeleiteten Hören, am Ende des Flures wartet das technologische Schmuckstück: Effektorium ist der Name der Rauminstallation, in der Besucher sich auf die Spuren Mendelssohns begeben können, der nicht nur einer der wichtigsten Komponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war, sondern auch als erster Dirigent im modernen Sinne die Fundamente legte für unser heutiges Musikleben. Lautsprechersäulen reagieren da feinfühlig auf die Zeichen des dirigierenden Besuchers, der versuchen kann, die Strukturen der digitalen Partitur vor seinen Augen unbeschadet zu den Ohren zu bringen. Keine leichte Aufgabe, wie auch die Pianistin Dudana Mazmanishvili feststellen muss, die zuvor mit den Thomanern den musikalischen Rahmen beim Festakt spannte.

 Aber gerade weil das Effektorium, wie der Rest des neuen und des alten Museums, bei aller spielerischen Sinnlichkeit die Würde des Gegenstandes wahrt, ist das neue Mendelssohn-Museum eine Bereicherung für die Kulturlandschaft nicht nur Leipzigs. Einerseits kann man es mit den Worten Jungs werten als späte Wiedergutmachung dafür, dass sein Werk nicht nur in der NS-Zeit, sondern bis in die 80er Jahre hinein mit latent antisemitischer Grundhaltung beurteilt worden sei. Ebenso wichtig ist, andererseits, der Eigennutz: Der Genuss, mit dem in diesem Museum Leben und Wirken eines Genies beschworen werden, bereichert vor allem Besucher.

 Das Mendelssohn-Haus in der Goldschmidtstraße 12 ist täglich von 10-18 Uhr geöffnet. www.mendelssohn-stiftung.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2014
Peter Korfmacher

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