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Malerei von Shaima Sobhy in Leipzig

Galerie Potemka Malerei von Shaima Sobhy in Leipzig

Die starre Frontalität erinnert an altägyptische Mumien, doch es sind heutige „Women of Cairo“ in Shaima Sobhys Bildserie. Die Malerin eckt an in der ägyptischen Gesellschaft. Derzeit sind ihre Bilder in der Leipziger Galerie Potemka zu sehen.

Bilder von Shaima Sobhy sind in der Galerie Potemka zu sehen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die starre Frontalität erinnert an altägyptische Mumien. Doch es sind heutige „Women of Cairo“ in Shaima Sobhys Bildserie.  Fast immer sind die Gesichter verschleiert, wie es die orthodoxen Interpreten des Islam wünschen. Doch unter den Gewändern stecken lebendige Körper mit Gefühlen und Begehren. Die Künstlerin illustriert nicht, deutet mehr an. Hände sind zu sehen an verschiedenen Stellen, auch Augen, und Geschlechtsorgane. Es sind keine erotischen Bilder, doch sie fordern das Recht auf Erotik ein. Allerdings auch das Pendant, Thanatos ist anwesend. Hier haben die Figuren selbst unter der Hülle keine Gesichter mehr, das Umwickeln mit konservierenden Binden hat begonnen.

Shaima Sobhy eckt an in der ägyptischen Gesellschaft, welcher der „Arabische Frühling“ keine Liberalisierung gebracht hat. Von der Familie wurde ihr untersagt, Malerei zu studieren. Also wurde sie Grafikdesignerin, eignete sich das künstlerische Handwerk selbst an. An der Hochschule, an der sie einen Lehrauftrag bekam, wurden zuerst die Aktzeichenkurse verboten, dann ihre eigene Ausstellung abgesagt. Das Land zu verlassen war folgerichtig. Nach einem Stipendium des Kulturfestivals „Begehungen“ in Chemnitz hat sie gerade ein Aufbaustudium an der Bauhaus-Universität Weimar begonnen.

Skeptischer Blick

Mehrfach stellt sich Shaima Sobhy selbst dar. Auf einem Bild erscheint sie als Isis, begleitet von anderen frühen Gottheiten. Sie erinnert sanft daran, dass ägyptische Kultur wesentlich älter und reicher ist als die arabische Periode. Doch ihr Blick mit den geweiteten Augen ist eher skeptisch als hoheitlich. Dennoch erkennt man eine selbstbewusste, moderne junge Frau mit Make-up, aber ohne Kopftuch und Schleier. Dass sie mit ihren offenen Haaren die Männer zu Übergriffen animiere, wurde ihr häufig gesagt. Also trug sie ein Tuch. Und wurde ebenso angemacht.

Auf einem anderen Bild ist sie im wahrsten Wortsinn körperlich und seelisch gebrochen. Ein schwarzes Gewand stürzt zu Boden. Ganz oben sieht man einen Kofferstapel, ein eindeutiges Symbol, keiner Übersetzung bedürfend.

Im mitteleuropäischen Kontext wirken die Bilder nicht direkt politisch. Doch in einem islamisch geprägten Land müssen sie es sein. Eine junge Frau kämpft mit künstlerischen Mitteln für die Selbstbestimmung über den Körper und ihren Geist. Ein Skandal für konservative Muslime, doch auch eine Ohrfeige für die seltsame Interpretation von Toleranz mancher Europäer. Sie wurde 1984 in Dubai geboren und wuchs dort auf, einem im Vergleich mit anderen arabischen Staaten weltoffenen, multikulturellen Land. Der Umzug ihrer Eltern nach Ägypten musste also ein Kulturschock sein. Die Bigotterie stellt sie in ihren Bildern dar. Ein Schlüsselerlebnis war, als sie am Strand ein Paar beim Sex erwischte, wobei die Frau vom Kopf bis zum Bauch voll verhüllt war, unten nackt. Diese verlogene Doppeldeutigkeit zieht sich durch Sobhys Schaffen.

Hohes Niveau der künstlerischen Verarbeitung

Wenigen Arbeiten sieht man an, dass sie aus der Angewandten Kunst kommt, so die Bilder von Nikabträgerinnen, die versuchen, Fast Food zu sich zu nehmen. Doch ihre Leidenschaft für die Malerei in der Tradition der europäischen Moderne überwiegt. Bei all den brandaktuellen gesellschaftlichen Anliegen überzeugt das hohe Niveau der künstlerischen Verarbeitung, allzu glatte Aussagen werden vermieden.

Shaima Sobhy: Female Reconfiguration; is 1. Juni, geöffnet Mittwoch bis Samstag 15 bis 20 Uhr; Galerie Potemka, Aurelienstraße 41 in Leipzig

Von Jens Kassner

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