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Manfred Krug liest & s(w)ingt mit Uschi Brüning in Leipzig

Jazz-Konzert Manfred Krug liest & s(w)ingt mit Uschi Brüning in Leipzig

Er ist Schauspieler, Sänger und Autor: Manfred Krug. Für sein aktuelles Programm „liest & s(w)ingt“ er gemeinsam mit Uschi Brüning sowie einer, wie er sagt, „Zonenband“. Und beschert so dem deutschen Jazzschlager im Gewandhaus ein Revival. Etwas weniger (N)ostalgie hätte es allerdings sein dürfen.

Manfred Krug und Uschi Brüning im Gewandhaus in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dieser Mann ist alles auf einmal: ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, ein kleiner Junge voller Begeisterung, ein in die Jahre gekommener Publikumsliebling ... Mit seinem Programm „Manfred Krug liest & s(w)ingt“ beschert er dem deutschen Jazzschlager im Gewandhaus noch einmal ein Revival.

Das Urgestein des deutschen Fernsehens hat für das Konzert nicht nur die Leipziger Jazzsängerin Uschi Brüning mitgebracht, sondern auch, wie er sagt, „eine Zonenband“. Die besteht aus Matthias Bätzel (Klavier), Wolfgang „Zicke“ Schneider (Schlagzeug), Tom Götze (Bass) und Andreas Bicking (Saxofon, Keyboards) und sorgt dafür, dass Blues, Bossa und Swing den richtigen Drive bekommen. Raum für Soli ist ebenfalls dabei, und so kann man Bassist Götze in Aktion erleben, der in seinem Körper sichtbar jede Note mitfühlt.

Krug und Brüning kennen sich nicht erst seit gestern, sondern stehen schon seit Anfang der 70er Jahre immer wieder gemeinsam auf der Bühne. Zwei lange Karrieren im schnelllebigen Showgeschäft. Das aktuellste gemeinsame Album entstand 2014. Inzwischen ist der Schauspieler, Sänger und Autor 78 Jahre alt, die Stimme nicht mehr so samten und wandlungsfähig wie früher, aber immer noch volltönend – jedenfalls für jemanden, der das Singen neben dem Schauspielern zu seinen Nebenbeschäftigungen zählt.

Mit den Duetten ist es dann aber doch so eine Sache, wenn Krug mit gesenktem Kopf in den Notenständer singt und den Text abliest, während Brünings Blicke und musikalische Kontaktversuche an ihm abprallen. Da fehlt es an Ausstrahlung und Miteinander. Auch der wiederholte Trennungsschmerz und selbst die abgeklärteste Liebe in den Songtexten könnte live wenigstens ein bisschen Interaktion vertragen.

Beim Lesen wirkt Krug viel lebendiger, sprüht wie ein Kind vor Enthusiasmus und dosiert seine Ironie geschickt. Während der erste Text, aus seiner eigenen Feder, in der DDR-Zeit spielt, hat der zweite einen Funkspruchwechsel zum Thema – in Krugs gelassen-witzigem Vortrag ungeheuer komisch. Auch wenn Konzert und Lesung keinen roten Faden haben, setzt er hier doch gekonnt unterhaltsame Schlaglichter als Kontrast zur Musik.

Uschi Brüning hingegen, zehn Jahre jünger als Krug, lässt ihre nuancenreiche Stimme in den Solonummern aufblühen und ist im Gegensatz zu Krug eine musikalische Explosion. Zwischen mädchenhaften, glockenhellen Tönen und tiefer Rockröhre ist an Abstufungen alles dabei – und das in perfektem Maß. Im kraftvollen „Son of a Preacher Man“ ist Brüning genauso in ihrem Element wie in der bluesigen Ballade „Black Coffee“, wo ihre Stimme in Erwartung des Liebsten (der natürlich nicht kommt) abwechselnd klagt und hofft.

In den gemeinsam mit Krug gesungenen Titeln nimmt sie sich zurück, und nur so bleiben „Alright, Okay, You Win“ oder „All Of Me“, der Standard der Standards, im Gleichgewicht. Zum Programm gehören auch Evergreens in deutscher Übersetzung oder Umtextung, etwa ein entspanntes „Quando, Quando, Quando“ im Latin-Feel oder „Baby, It’s Cold Outside“. Selbst der Frosch aus der Sesamstraße meldet sich im Großen Saal des Gewandhauses zu Wort, denn: „Es ist nicht leicht, so grün zu sein“. Die verträumte Ballade nimmt Krug solo mit viel Ruhe und Einfühlungsvermögen in die Gefühlswelt des kolorierten Hüpfers.

Krugs Karriere zwischen Ost und West begann bereits 1957, und so haben auffallend viele der Zuhörer im gesetzteren Alter am Samstagabend ein Elternteil dabei. Der stete DDR-Bezug in den Moderation mag bei vielen Besuchern zur Identifikation beitragen, wirkt auf jüngere Generationen als (N)ostalgie im Jahr 2016 aber eher eigenwillig. Wenn es dann nach einem langen Programm heißt „Alles geht einmal zu Ende“ und „Ade“, kommt eine Dame noch schnell zur Bühne, um sich Krugs Autogramm auf einem Plattencover zu sichern. Und schon sind der Publikumsliebling, Brüning und die Zonen-Band von der Bühne verschwunden.

Von Anja Jaskowski

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