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Markus Stenz dirigiert, Solist am Klavier ist Ingolf Wunder

MDR-Zauber-der-Musik Markus Stenz dirigiert, Solist am Klavier ist Ingolf Wunder

Als Einspringer für den erkrankten Dennis Russel Davies hat am Sonntagabend im Gewandhaus Markus Stenz im „Zauber der Musik“ Werke von Debussy, Mozart und Kantscheli dirigiert. Solist in Mozarts C-Dur-Konzert KV 467: der wunderbare Ingolf Wunder

Ingolf Wunder am Klavier, Markus Stenz am Pult des MDR-Orchesters.

Quelle: kfm

Leipzig. Ingolf Wunder, 30, ist kein angeberischer Tastenlöwe, kein Virtuose, der sich am Donnern der Akkorde, am Flirren der Arpeggien, am Funkeln der Passagen berauscht. Darum gibt er im MDR-Zauber am Sonntagabend nicht Sigismund Thalbergs Funken schlagende Transkription von Vincenzo Bellinis Norma-Arie „Casta Diva“ zu, sondern verbeugt sich selbst in aller Demut und Zärtlichkeit vor der keuschen Göttin, lässt auf den Spuren des Bellini-Verehrers Chopin den Steinway sanft singen, entwickelt den entrückten Zauber dieser auch auf dem Klavier herrlichen Musik ganz aus der Schönheit der Gesangslinie heraus – und aus der Stille, von der er sich nie weiter als unbedingt nötig entfernt.

Die Musizierhaltung dieser ausdauernd herbeigejubelten Zugabe steht exemplarisch für das Klavierspiel des jungen Österreichers, der sich bei seinem Mentor, dem in Chopin-Fragen noch immer unerreichten Adam Harasiewicz, offenhörlich vor alllem die subtile Anschlagskultur abgeschaut hat. Denn mit der gleichen Delikatesse und Stilsicherheit, der gleichen skrupulösen Effekt-Vermeidung hat er zuvor in Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467 die Sterne vom Himmel gespielt.

Mozart ist kompliziert. Und je populärer er ist, desto komplizierter wird es. Dieses Klavierkonzert ist eines der populärsten. Folgerichtig ist gerade dem zauberisch schwebenden Andante schon viel Gewalt angetan worden. Sentimental klingt es oft, beinahe immer süßlich – und in der Folge meist allzu harmlos. Bei Wunder aber singt die Rechte in lauterer Innigkeit, derweil die Linke Akkord-Repetitionen zum Ereignis macht. Nichts wirkt da aufgesetzt, nichts gesucht, nichts behauptet in seiner beseelten Natürlichkeit. Was auch für eigenen Kadenzen gilt, die dieser außergewöhnliche Pianist den Eck-Sätzen mit auf den Weg gibt. Sinfonisch entwickelt sind sie, beinahe streng in ihrer kontrapunktischen Konsequenz und formalen Klugheit und musikalisch so reich, dass sie gern noch ein wenig ausführlicher ausfallen könnten. Aber dass hier überhaupt ein junger Pianist den Schritt aufs dünne Eis des eigenverantwortlichen Kadenzierens wagt, ist schon kaum genug zu preisen.

Auch hier, im Allegro maestoso wie im Allegro vivace, aus dem sich die Solo-Kadenz in schönster Selbstverständlichkeit ergibt, gilt: Für Ingolf Wunder ist Musik alles und die Technik nur (selbstverständlich wasserdichtes) Mittel zum Zweck. Willkommen auf dem Mozart-Olymp neben Buchbinder und Zacharias.

Da würde sich auch das MDR-Orchester nicht schlecht macht, das unter der Leitung des kurzfristig für den verletzten Dennis Russell Davies eingesprungenen Markus Stenz duftig und reaktionsschnell begleitet. Die Funker um Konzertmeister Andreas Hartmann nehmen bereitwillig die gestalterischen Hinweise auf, die Stenz vom Pianisten ins Tutti weiterreicht, gravieren das kostbare Gewirk der Linien mit dem Silberstift und reagieren sensibel auf Wunders wunderbares Farbspiel.

So fein gewirkt ist auch Debussys „Ibéria“ aus den „Images“ am Anfang dieses Zaubers. Auf den ersten Blick könnte es ein wenig streng wirken, wie Stenz hier zunächst die Farben vorstellt, die Düfte, die Umrisse. Aber nach wenigen Minuten rastet der Klang ein, mischen sich die Linien und Klänge, die Lichtreflexe und Rhythmen zu immer neuen Schönheiten für alle Sinne. Mit seinem präzisen Schlag trägt Stenz die betörende Wirkung dieser Musik zum Hörer, ohne das dies zu Lasten der Struktur ginge. Und das Orchester lässt keine Wünsche unerfüllt.

Was im Prinzip bei Gija Kantschelis (Jahrgang 1935) „Trauerfarbenem Land“ in der noch etwas schlechter besuchten zweiten Konzert-Halbzeit nicht anders ist. Aber das macht die übergriffige Larmoyanz dieser sehr, sehr, wirklich sehr langen halben Stunde auch nicht subtiler.

Von Peter Korfmacher

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