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Matsch, Sonne und 120 Bands: Heavy-Metal-Festival Wacken geht zu Ende

75.000 Zuschauer Matsch, Sonne und 120 Bands: Heavy-Metal-Festival Wacken geht zu Ende

Mehr als 120 Bands haben rund 75.000 Heavy-Metal-Fans ein aufregendes Musikwochenende beschert. Während am Sonntag das weltweit größte Metaler-Festival zu Ende geht, laufen schon die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Das Metal-Festival Wacken 2016 ging am Sonntag zu Ende.

Quelle: dpa

Wacken. Meistens Sonne von oben, Matsch von unten, so konnte der Metal- und Wackenfan bei überwiegend gutem Wetter bis zum Schluss in seinem Biotop gedeihen. Der Soundtrack dazu kam am Freitag von Publikumsmagneten wie den Krefelder Speed-Metallern Blind Guardian, der Industrial-Metalband Ministry, den Thrash-Urgesteinen Testament und am Sonnabendabend Twisted Sister bei ihrem letzten Konzert in Deutschland.

Mit dem Twisted „Fuckin“ Sister-Frontmann Dee Snider verlässt einer der großen Entertainer die Bühne; der Mann mit dem Knautschgesicht ist ein mit handfestem Humor gesegnetes Großmaul, dem er stimmlich immer Taten folgen lässt. „You Can`t Stop Rock`n Roll“ heißt ein Klassiker der Band, der bezeichnend für den fulminanten Auftritt ist. Höhepunkte sind das minutenlang von den Fans weitergesungene und von der Band dann wieder aufgegriffene „We`re Not Gonna Take It“ sowie das Lichtermeer zu Ehren des verstorbenen Twisted-Sister-Drummers „A. J.“ Pero, des Dio-Bassisten Jimmy Bain und natürlich Lemmy Kilmister.

Der im Dezember 2015 verstorbene Motörhead-Frontmann ist überhaupt allgegenwärtig: Sei es als metallene Statue oder durch eine Huldigung von Fans und musikalischen Weggefährten. Beim Konzert von Saxon wurde am Donnerstag ein Ballon mit einer Kamera gen Stratosphäre geschickt – vielleicht, um Lemmy ein paar Live-Bilder zukommen zu lassen; wenn er nicht ohnehin dem Treiben mit einem Glas Jack-Daniels-Cola in der Hand zugesehen hat.

Gäste aus aller Welt

Headliner sind die Fans, heißt es in Wacken, so dürfte die musikalische Auswahl in diesem Jahr nicht jede(n) vom Hocker gerissen haben, aber wiederkommen werden sie und er ohnehin. Der Wacken-Spirit des größten Dorffestes der Welt erfasst nicht nur Dinara Ben Naftali und ihre Freundin Henriette Angel aus Israel, die sich vom freundlichen und respektvollen Umgang miteinander sowie der hervorragenden Organisation, nicht nur ihrer Anreise, begeistert zeigen. Wer sich einmal erfolgreich tagelang durch den Matsch gewühlt hat und am Ende immer noch müde aber entspannt lachen kann, kommt wieder.

Bodenbedingt kann man den Spaziergang auf der Verkaufsmeile nicht gerade als Schlendern bezeichnen, doch es lohnt sich, einen Blick auf die silber-schwarze Auswahl an Schmuck und Bekleidung sowie die handgefertigten Holz-Dildos (aus dem Odenwald!) zu werfen.

Auch so eine Nachtparty im Presse- und V.I.P.-Bereich ist eine spannende Erfahrung; der Foto-Kollege fühlt sich angesichts der dunkel, aber individuell gewandeten Gestalten an die Bar „Titty Twister“ aus dem Film „From Dusk Till Dawn“ erinnert. Der Unterschied ist nur der, dass sich in Wacken der 1,97 Meter-Brecher für ein versehentliches Rempeln entschuldigt.

Sehr laut, sehr beeindruckend

Egal, ob Fans aus Israel, Spanien, Malaysia oder Deutschland, der Name Iron Maiden stand für die meisten ganz oben auf der To-See-Liste. Metalhead Charlie Büdke aus Berlin fand den Auftritt von Sänger Bruce Dickinson „stimmlich nicht ganz überzeugend“, aber Dickinsons Stimme hatte auch schon 71 Konzerte auf den Bändern . Eine halbe Million Zuschauer hat übrigens den Live-Stream des Konzerts bei arte im Internet verfolgt.

Nicht nur sehr laut, sondern auch sehr beeindruckend ist der Auftritt der US-Band Metal Church, die mit neuem alten Sänger Mike Howe von „Beyond The Black“ bis zum neuen „No Tomorrow“ durch 35 Jahre Bandgeschichte bretterte.

In der Nachmittagssonne (ent-)spannend ist auch der Auftritt der norwegischen Band Borknagar, die ihren progressiven Death-Metal in abwechslungsreiche Arrangements verpacken. Bassist und Sänger Simen Hestnæs spannt mit Klargesang weite Melodiebögen, während Andreas Hedlund gutturale Höllengrüße schickt.

Wer lieber die „Unicorn Invasion“ feiern will, bläst sein Plastikschwert auf und schwingt es zu den Power-Metalklängen von Gloryhammer und ihren Geschichten vom imaginären schottischen Kronprinzen Angus McFife. Das Genre ist bunt wie die Menschen, die es lieben und so werden auch 2017 wieder alle den Wacken Roll feiern mit Bands wie Amon Amarth, Avantasia, Kreator und Mayhem.

Kai-Peter Boysen

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