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Max Raabe in der Arena Leipzig: Emotionen in gedämpften Tönen

Max Raabe in der Arena Leipzig: Emotionen in gedämpften Tönen

"Ich bin nur gut, wenn keiner guckt", singt Max Raabe zum Auftakt seines aktuellen Programms am Samstagabend in Leipzig und hat schon in dieser ersten Minute ein bedeutendes Problem: Die Arena ist so gefüllt, dass sich die unbeobachtete Höchstleistung ins Gegenteil zu kehren droht, schließlich blicken einige Tausend Zuschauer erwartungsvoll auf den Berliner Bariton und sein Palast Orchester.

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Max Raabe singt in der Arena Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Entwarnung aber in der anschließenden Begrüßung, so richtig Spaß habe man dann doch nur vor Publikum, erklärt der 50-jährige.

Adrett herausgeputzt, in Frack und Fliege, die Haare streng zum Scheitel gezogen, steht er am Großmembranmikrofon, dreht die Zeit um 80 Jahre zurück und lässt für zwei Stunden die großen Schlager und Revue-Nummern der Zwanziger und frühen Dreißiger in beispielloser Authentizität auferstehen. Kurt Weill, Friedrich Hollaender, die Comedian Harmonists und Dutzende andere bettet Raabe in einen fast vergessenen Klang, der sich nur durch das Fehlen der Schellack-Knackser von den Originalen unterscheidet. Tango, Rumba, Foxtrott, Paso Doble und eigene Stücke des aktuellen Albums "Für Frauen ist das kein Problem" sind allesamt dem Gesamtkonzept sotto voce verschrieben - der Kunst, Zurückhaltung zum Höhepunkt des Ausdrucks zu machen. Nie lärmt das Orchester, nie drängt der Sänger, alles fließt in natürlichem Raumklang in den Saal.

Die Künstler sitzen dabei nicht nur auf der Bühne, sondern auch am Mischpult. Dazu immer wieder diese Ironie, dieser subtile Humor, diese leichten Pointen, die Raabe mit seiner sanften Stimme charmant und sympathisch darzubieten weiß: "In unserem Programm werden Sie keine Antworten auf die großen Fragen des Lebens erhalten. Wenngleich die Texte unserer Lieder erahnen lassen, dass es Antworten auf diese Fragen geben könnte."

Erweitert werden die Titel durch ein unterhaltsames Spiel mit Attitüden: Witz-Einlagen (der Schlagzeuger soliert mit Kastagnetten, das Ensemble wackelt mit Kuhglocken) karikieren die disziplinierte Sitzordnung und den Benimm der Musiker, Raabes hochgezogene Augenbrauen kommentieren so manche Ernsthaftigkeit, Programmpunkte wie ein nur auf Weingläsern gespieltes "Somewhere Over the Rainbow" unterlaufen den Charakter einer zugeknöpften Ballveranstaltung.

Das alles macht den Anachronisten Raabe zum eben nicht altmodischen, sondern zeitwidrigen Entertainer, der es versteht, mit Gelassenheit und leisen Tönen Bedeutsamkeit zu vermitteln. Denn da, wo Popmusik heute zur Pompmusik wird und musikalisches Talent hinter Show und Schein zurückbleibt, verdeutlicht er auf der Arena-Bühne den Gegenentwurf: Musik wieder als Kunst zu begreifen, die nicht übersteigern muss, sondern Inhalt und Emotion auch in gedämpften Tönen zu vermitteln vermag.

Das gut gemischte Leipziger Publikum nimmt Raabes dezente Virtuosität mit Begeisterung auf: Drei Mal muss das dreizehnköpfige Ensemble unter tosendem Applaus zur Zugabe zurück auf die Bühne. Tobias Ossyra

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.03.2013

Tobias Ossyra

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