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Max von Wegen präsentiert Debüt-Album

Freitag im Musikhaus Kietz Max von Wegen präsentiert Debüt-Album

Mal klingt er rockig, mal countryesk und mal nach Indiepop: Musiker Max von Wegen ist immer für einen Wandel und eine Überraschung gut. Am Freitag stellt der im Burgenlandkreis geborene Wahl-Leipziger im Musikhaus Kietz sein erstes Album vor. „Kelbra“ heißt es.

Das weite Land am Ende der Welt: Musiker Max von Wegen.

Quelle: Michael Bomke

Leipzig. Wie der einsame Junge mit Gitarre klingt Max von Wegen auf seinem Debüt nicht. Dafür hat er wohl zu viele Kumpels. In einem Leipziger Café erzählt er von der Produktion und den zahllosen Gastmusikern, die an dem Album mitgewirkt haben. Ein Netzwerk des Singer-Songwriter-Pop breitet sich aus. Dieser Gitarrist hat auch schon mit jenem Violinisten gespielt, die Bläser bei der Band, dieser Musiker war einst von Wegens Mitbewohner und zugleich mit eben jener Gruppe auf Tour. Wollte man all die Personen nennen, müssten die Kollegen in der Druckerei die Seite verlängern.

Ein Name ist so wichtig, dass er auch in einem Dreizeiler über die Platte nicht fehlen dürfte. Charlie Paschen dreht während der gesamten Produktion die Regler, nimmt weit über den Sound hinaus Einfluss. Einen Track stellt er regelrecht vom Kopf auf die Füße. Zu einem Gitarrenstück spielt er harte Drums – allein der Song will nicht, gefällt weder dem Produzenten noch dem Schöpfer so recht. „Also machen wir alles leise und jammen zu den Drum-Spuren, Charlie an der Orgel und ich an der Gitarre“, erinnert sich von Wegen. Über Nacht wächst das Ding zu einem komplett neuen Stück – mit neuem Text. „Guys Are Hopeful“ wird die rockigste Nummer auf dem Album, erinnert ein wenig an den frühen Bruce Springsteen.

Für das hitverdächtige „Believe In Dance“ zaubert Produzent Paschen mittels Manipulation an der analogen Bandmaschine einen Phaser-Effekt in die Gitarrenlinie – es klingt, als ob Eric Clapton sich ins Electric Light Orchestra geschlichen hätte. Kurioserweise mutet der Song gerade durch den Siebziger-Sound wie ein absolut aktueller Indie-Pop-Song an. Ein witziges Video zum Smasher gibt’s auf den einschlägigen Videoplattformen.

Mit zunehmender Laufzeit wird das Album countryesker. Die Poesie des weiten Landes am Ende der Welt liegt Max von Wegen im Blut, schließlich stammt der Wahl-Leipziger aus Balgstädt am Rande des Naturschutzgebietes „Tote Täler“ im Süden Sachsen-Anhalts. Den Albumtitel „Kelbra“ möchte er in diesem Sinne metaphorisch verstanden wissen. Die Talsperre Kelbra am Fuße des Kyffhäusers zog in den Achtzigern Massen von Badegästen an. „Das sieht man noch heute“, berichtet von Wegen, „die Gegend wirkt skurril – verlassen, aber immer noch schön“. Derartige Poesie spiegelt sich auch in den Texten, etwa wenn von Wegen seine Mutter („Mama“) besingt, oder die Liebe im sanften „The First Time“. Feine Bilder malt er mit eigenen Worten – in „Homesick“ zum Beispiel: „I hope that you see me/ homeless on a frozen sea“.

Im echten Leben sieht der Sänger sich eher als nüchternen Typen. „In den Songs lass ich die Emotionen dann richtig raus.“ Ja, klar – Kitsch ist da nicht weit. „Aber wenn es drauf ankommt, ist Coolness unwichtig.“ Und überhaupt sei das Ding mit dem Kitsch immer eine Geschmacksache. Und eine der Interpretation, des Interpreten.

Im Gegensatz zu seinen Songs nimmt Max von Wegen sich selbst augenscheinlich nicht über die Maße ernst. Das wird gerade klar, wenn er von den ernsten Seiten des Künstlerlebens erzählt. Davon, wie er nach der ersten Idee oft mit den Worten ringt, sich Texte geradezu erarbeitet. Wenn er von seinem neuen, kleinen Homestudio berichtet, in dem er Songideen akribisch ausfeilt. „Manchmal“, sagt er grinsend, „komme ich mir inzwischen vor, als hätte ich einen Bürojob.“

Auch das Drumherum läuft immer professioneller. Label, Vertrieb, Promo- und Booking-Agentur – Geschäftspartner aus ganz Deutschland, manche kennt der Musiker nur vom Telefon oder vom Mail-Verkehr. Live will er flexibel bleiben. Max von Wegen gibt’s als Solo-Künstler, im Duo, im Trio. Im Herbst will er mit der großen Besetzung auf Tour gehen, das Album in seiner ganzen Pracht auf die Bühne bringen. Ganz sicher findet er auch als Musiker mit Platte, Label usw. genug Kumpels, die dabei sind.

Max von Wegen – „Kelbra“ (Off The Road Records), Release-Konzert am Freitag um 19 Uhr im Musikhaus Kietz – Klangkombinat, danach Party im Café Cantona. Mehr Infos auf www.maxvonwegen.com

Von Uwe Schimunek

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