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Mehr als 50.000 Besucher beim „Klassik Airleben“ im Leipziger Rosental

Neuer Rekord Mehr als 50.000 Besucher beim „Klassik Airleben“ im Leipziger Rosental

Menschen, soweit das Auge reicht: Mehr als 50.000 Besucher haben am Freitag und Samstag beim "Klassik Airleben" das Rosental in Leipzigs größten Open-Air-Orchestersaal verwandelt. Mit Mendelssohns "Lobgesang" feierte die Sommerkonzertreihe einen krönenden Abschluss und einen neuen Rekord.

 „Klassik Airleben“ im Leipziger Rosental: Am Samstag lauschten mehr als 30.000 Besucher den Orchesterklängen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war vom Anblick der Massen schlicht überwältigt. Und Gewandhausdirektor Andreas Schulz sprach vom "vielleicht größten Picknick der Welt". Mehr als 30.000 Besucher haben sich am Samstagabend mit Decken, Campingstühlen und Proviant auf den Weg ins Rosental gemacht, um beim "Klassik Airleben" dem Gewandhausorchester unter der Leitung von Riccardo Chailly zu lauschen. Mendelssohns monumentale "Lobgesang"-Sinfonie unter freiem Himmel, mehr als 300 Chorsänger auf der Bühne - es war zweifellos einer der Höhepunkte zum Festjahr "1000 Jahre Leipzig". Am Ende gab es für Sänger, Orchester und den Gewandhauskapellmeister minutenlangen Applaus.

21.000 Besucher sind bereits am Vorabend ins Rosental gekommen. Links berührt in glasklarem Himmel die Sonne die Wipfel der Bäume. Davor steigen von Dutzenden Grillfeuern kerzengerade Rauchfahnen auf. Und von vorn singt Olena Tokar zum Niederknien schön „Mesicku na nebi hlubokém“, das traumverlorene „Lied an den Mond“ aus Antonín Dvoráks Oper „Rusalka“.

Am Freitag ist die Sommerkonzertreihe „Klassik airleben“ in die nächste Runde gegangen. Im Leipziger Rosental lauschten tausende Besucher den Orchesterklängen.

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Im Rosental verstummen auch weiter hinten die Gespräche. Kollektive Stoßseufzer mischen sich auf der riesigen Wiese am Zoofenster mit euphorischem Vogelgezwitscher, von hinten grüßt gleißend der Uni-Riese – und die Besucher, die es sich auf der gesamten Breite zwischen Bühne und Emil-Fuchs-Straße gemütlich gemacht haben mit Wein, Wurst, Bier und Häppchen, auf Decken mit Plastikbechern oder an mitgebrachten Tafeln mit prachtvollem Festtags-Geschirr, sie eint in diesem Moment wohl vor allem ein Gedanke: Mein Gott, ist das schön hier in Leipzig.

LVZ-Fotobox

Reger Andrang herrschte in der LVZ-Fotobox, wo die Besucher ein Erinnerungsfoto schießen können. Hier gibt es die schönsten Schnappschüsse.

In einer Liga mit Central Park und Waldbühne

Tatsächlich gibt es im Jahreskreis wenige Momente, an denen die Stadt Wagners und Mendelssohns ihre musikalische Größe so kraftvoll in einem Gemeinschaftsgefühl zu bündeln vermag wie beim „Klassik Airleben“ im Rosental. Seit letztem Jahr lädt das Gewandhausorchester wieder in dieses Paradies der Hochkultur, nachdem die Rechenschieber im Rathaus zwischenzeitlich eine schmerzliche Auszeit diktiert hatten.

Doch 2014 sorgte Porsche als Hauptsponsor für eine Wiederauferstehung der Open-Air-Veranstaltung vor einer Kulisse, für die Leipzig sich vor dem Central Park oder Tanglewood, schon gar nicht vor Berlins Waldbühne verstecken muss. Und in diesem Jahr darf alles noch ein bisschen größer sein. Schließlich feiert Leipzigs Ersterwähnung 1000. Geburtstag.

Und so ist die enorme Bühne neben dem Zoofenster noch zwei Achsen tiefer und bietet sehr komfortabel Raum für Alessandro Zuppardos exzellenten Chor der Oper Leipzig beim Formulieren des Abend-Mottos: „Va, pensiero“ – Flieg, Gedanke!

Gounods „Faust“ und Bizets „Carmen“

Verdis Gefangenenchor aus seiner ersten Erfolgsoper „Nabucco“ gibt dem Abend den Namen, und er steht für ein Programm, das in grandioser Sorglosigkeit das Tafelsilber der großen Oper aufpoliert. Da steht die Juwelen-Arie aus Gounods „Faust“ (wunderbar funkelnd gesungen von Tokar) neben der rauschend pulsierenden Ouvertüre von Bizets „Carmen“ (recht brüsk beendet vor dem Todes-Thema). Da finden Walkürenritt und der Götterdämmerungs-Trauermarsch des Leipzigers Richard Wagner Platz vor einem umfänglichen Block des ebenfalls 1813 geborenen Giuseppe Verdi.

Und immer zeigt die Oper Leipzig unter der musikalischen Leitung ihres Intendanten und Chefdirigenten Ulf Schirmer auch in diesem nachgerade schamlosen Hitparaden-Umfeld, dass sie musikalisch in der Champions-League spielt. Ganz gleich, ob Tokar zu Tränen rührt oder Eun Yee You als Traviata. Ob Karin Lovelius mit ihrem vor tief empfundener Menschlichkeit bebenden warmen Mezzo als Asucena an die Seele greift oder Rudy Parks (eingesprungen für den kurzfristig erkrankten Stefano La Colla) Tenor zwischen Manricos „Di quelle pira“ und Calafs „Nessun dorma!“ die Kronjuwelen seines Fachs in bronzener Pracht poliert.

Den wunderbaren Abenden mit der Oper Leipzig am Freitag und dem Gewandhausorchester am Samstag lässt sich eigentlich nur ein Vorwurf machen: Sie hätten gerne deutlich länger dauern dürfen als die rund anderthalb Stunden. Aber auch dafür haben die Veranstalter einen Ausgleich parat: Bis tief in die Nacht sorgt ein DJ für beste Sommerlaune auf der schönsten Lichtung Leipzigs – an diesen beiden Abenden ist es die schönste Lichtung der Welt.

kfm/nöß

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