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Mehr als ein Verkehrszeichen: Das Ampelmännchen wird 50 Jahre alt

Mehr als ein Verkehrszeichen: Das Ampelmännchen wird 50 Jahre alt

50 Jahre hauptberufliches Stehen und Gehen lassen das Männchen in der Ampel nicht alt aussehen - im Gegenteil: Der flotte Fußgängerhelfer mit Hut ist mehr als ein Verkehrszeichen: Identitätsstifter, Verkaufsschlager und ein Gewinner der Einheit.

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Karl Peglau hat einst die Ampelmännchens erfunden.

Quelle: dpa

Berlin. Kultstatus hatte Karl Peglau nicht im Visier, als er den kleinen grünen „Geher“ und den roten „Steher“ entwarf.

Peglau war Psychologe im Medizinischen Dienst des Verkehrswesens der DDR  - und er sorgte sich um die Fußgänger. Der rasant anwachsende Verkehr Ende der 1950er Jahre überforderte die Menschen - vor allem zum Leidwesen der Passanten. „Mein Mann war sicher: Nur, wenn die Fußgänger das Verkehrssymbol mögen und verstehen, werden sie ihm folgen“, erinnert sich die Witwe des Erfinders, Hildegard Peglau. In seiner Freizeit erschuf ihr Mann sein „Männekin“. Es sollte mehr sein als ein Strich in der Landschaft wie das West-Berliner Pendant aus dem Jahr 1957, menschlich und mit starkem Signal.

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Berlin. 50 Jahre hauptberufliches Stehen und Gehen lassen das Männchen in der Ampel nicht alt aussehen - im Gegenteil: Der flotte Fußgängerhelfer mit Hut ist mehr als ein Verkehrszeichen: Identitätsstifter, Verkaufsschlager und ein Gewinner der Einheit. Kultstatus hatte Karl Peglau nicht im Visier, als er den kleinen grünen „Geher“ und den roten „Steher“ entwarf.

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Schnell war das pummelig-agile Kerlchen mit viel Fläche für grünes und rotes Licht entworfen. Als Politikum entpuppte sich dagegen die Gestaltung der Kopfpartie, erinnert sich Hildegard Peglau: Ein Seitenscheitel? Nicht antifaschistisch genug! Ein prägnanter Lockenkopf? Zu südländisch! Die Lösung lächelte an einem Sommertag in die Kameras des Staatsfernsehens: Die Sonne schien, die Hitze brannte und Erich Honecker trug einen Strohhut.

"Straßenleitfigur" leuchtete zuerst in Berlin

Am 13. Oktober 1961 präsentierte Karl Peglau seine „Straßenleitfigur“ im DDR-Verkehrsministerium. Das Ampelmännchen war geboren. Die gemächlichen Mühlen der Bürokratie mahlten aber noch acht Jahre, bis das erste grüne Männchen in Berlin-Mitte seinen Platz in einer Ampel fand.

Die Deutsche Einheit war eigentlich zum siechen Ende des Hutträger bestimmt. Nach und nach wurden ab 1994 die Verkehrsanlagen erneuert, das Ost-Ampelmännchen wurde gegen den Westkollegen ausgewechselt. Vor der Abwicklung bewahrte ihn aber ausgerechnet ein Schwabe.

Markus Heckhausen ist der Designer, der aus dem Männchen eine Kultmarke machte. „Ich fand es unsäglich, so eine charakteristische, sympathische Figur einfach auszutauschen“, erzählt der Tübinger. Er ist selber so alt wie der Mann in der Ampel, Anfang der Neunziger kam er als Studienabsolvent in die Künstlerszene im Ostteil Berlins. Er sammelte die bereits abmontierten dunklen Blenden von Fußgängerampeln und fertigte daraus seine ersten Produkte: Eine grüne und eine rote Leuchte mit Zackenkranz. Das war 1996.

Amplemännchen als Touristen-Schnäppchen

Heute verkauft Heckhausen die Leuchten immer noch, für knapp 80 Euro das Stück. Mit ihnen und anderen Ampelmann-Produkten setzte seine Firma 2010 sieben Millionen Euro um. In seinen vier Berliner Shops tummeln sich Touristen zwischen Ampelmann-Vasen, -Badeschwämmen und -Nudeln. Für Ostdeutsche sei der Ampelmann ein Symbol gegen die Abwicklung der Identität, sagt der Geschäftsmann. Für die Touristen sind es Mitbringsel aus der verrückten deutschen Hauptstadt.

„Ohne Heckhausen und seine Firma hätte das Ampelmännchen nicht überlebt“, ist die 86-jährige Witwe von Karl Peglau überzeugt. Erst sei ihr Mann skeptisch gewesen, als sich Ampelmännchen-Urheber und -Designer 1996 kennenlernten. Sein Verkehrssymbol, auf Tassen und Shirts? Doch Heckhausen überzeugte, holte Peglau in die Firma, beteiligte ihn am Gewinn. Ein väterlicher Geist sei Peglau für die Firma gewesen, sagt der Designer, bis zu seinem Tod 2009.

Die beiden hielten auch in einem Rechtsstreit vor Gericht zusammen, in dem Heckhausen seinen Anspruch an der Marke gegen den langjährigen Hersteller der Ampelscheiben aus Sachsen verteidigte.

In Dresden ist auch die Ampelfrau im Einsatz

Die Produkte stärkten die Popularität des Ampelmännchens - und beflügelten die Proteste gegen sein Verschwinden aus dem Verkehr. Seit 1997 ersetzen wieder neue Ost-Männchen altersschwache Kollegen - zuweilen sogar im Westen. In Städten wie Köln oder Dresden ist zudem die Ampelfrau mit Rock und Zopf im Dienst.

Vor Landesgrenzen machen „Geher“ und „Steher“ aber nicht Halt. Als Souvenir wird der Ampelmann bereits in Asien verkauft. Besonders die Japaner seien verrückt danach, sagt Heckhausen. Sie liebten dessen Geschichte, „weil der so niedlich ist und aus der Ampel kommt.“ Der Designer plant einen Ampelmann-Song. Demnächst soll es eine App fürs Handy geben. Hollywood, sagt Heckhausen, hat auch schon angerufen.

dpa

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