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"Mein Körper gehört mir!": Interaktives Theaterstück soll über sexuelle Gewalt aufklären

Theaterpädagogische Werkstatt Leipzig "Mein Körper gehört mir!": Interaktives Theaterstück soll über sexuelle Gewalt aufklären

Mit dem interaktiven Theaterstück "Mein Körper gehört mir!" hätten sie "das Fahrrad zwar nicht neu erfunden", meinen Katrin Büchner (36) und Markus Marx (39) von der Theaterpädagogische Werkstatt Leipzig.

Katrin Büchner und Markus Marx.

Quelle: privat

Leipzig. Mit diesem präventiv gegen sexuelle Gewalt gerichteten Projekt zögen Osnabrücker Kollegen bereits seit 1994 durch die Schulen. Nur der Osten Deutschlands sei diesbezüglich noch ein etwas weißer Fleck. Doch weil es "Kinder einfach stark macht", sind Marx und Büchner - von der Profession her Schauspieler und Theaterpädagogen - seit nunmehr fünf Jahren in Leipzig und Sachsen auch damit unterwegs.

Altersgerecht zugeschnitten sei das aus drei Teilen zu jeweils 45 Minuten bestehende Projekt "Mein Körper gehört mir!" auf Dritt- und Viertklässler, sagt Büchner. "Im ersten Teil lernen wir uns kennen, sprechen zunächst ganz allgemein über Ja- und Nein-Gefühle und spielen Szenen aus dem Alltag der Kinder. Anfangs machen wir dabei alles falsch, die Kinder können dazwischen reden, ihren Senf dazu geben. Letztlich spielen wir alles noch mal - aber ,richtig'." Spätestens beim alles verbindenden Körpersong, einem Bewegungslied, würden dann selbst die coolsten Kids auftauen und sich sängerisch voll ins Zeug legen, merkt Marx an.

Im zweiten Teil werde so peu à peu der sexuelle Missbrauch thematisiert. Zunächst durch fremde Täter. Auch, wenn solche Delikte laut Statistik "nur" zehn Prozent aller sexuellen Übergriffe ausmachten. "Wir fragen die Kinder, ob sie schon etwas davon gehört haben und erklären mit einfachen Worten, was das ist. Wir bestärken sie, wenn jemand sie anfasst oder zu etwas zwingen oder überreden will und sie ein ,Nein'-Gefühl verspüren, das auch zu sagen und mit jemandem, dem sie vertrauen, darüber zu sprechen", so Büchner. Beispiele aus dem Leben würden aufgegriffen. "Etwa, wenn sich ein Mädchen im Chat mit einem Jungen verabredet und beim Treff aber auf einen erwachsenen Mann stößt." Dass heutzutage viele Kinder schon ein Smartphone haben, lasse sich sicher nicht verhindern. "Aber man kann den sicheren Umgang damit erlernen", sagt sie.

Im dritten Teil des Stückes liege der Fokus auf sexuellem Missbrauch durch Täter aus dem unmittelbaren sozialen Nahfeld. "Der emotional schwierigste Teil", meinen Büchner und Marx. Zwei Schwerpunkte würden mit den Kindern besprochen. Zum einen, wenn der Täter, um eine sexuelle Handlung zu vertuschen, das Kind auf ein "Geheimnis" einschwört. "Wir erklären dazu, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt - und die schlechten verraten werden dürfen", so Marx. Und zum anderen, dass die Kinder nicht aufhören sollen, Hilfe zu suchen, bis sie jemanden gefunden haben, der ihnen sagt, dass er ihnen hilft und es dann auch tut. In der Geschichte wird ein Junge von seinem Bruder sexuell missbraucht. Was ist, wenn die Mutter einem nicht glaubt, der Trainer einen nicht ernst nimmt oder der Vater des besten Freundes meint, man sei selbst Schuld? In dieser Geschichte ist es die Lehrerin, die das Kind ernst nimmt, ihm glaubt und hilft. Sie sagt dem Kind auch ganz klar, dass es sich nicht vermeiden lässt, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. "Zum Abschluss bekommen die Kinder ein Kärtchen mit der 'Nummer gegen Kummer'. Falls sie mal niemanden zum Reden finden, können sie dort Hilfe finden", so Büchner.

 "Das Projekt ist in Leipzig schon einmalig", ist Marx überzeugt. "Weil es ein reines Präventivstück ist, wo wir niemanden verurteilen, sondern vielmehr Mädchen und Jungen zeigen, wie sie sich schützen können, und Lehrern und Eltern, wie sie reagieren können, wenn Kinder mit so einem Problem zu ihnen kommen. Wir zeigen Auswege, falls mal eine Situation ausweglos erscheint."

 Ihr interaktives Theaterstück hätten unter anderem bereits fünf Leipziger Grundschulen schätzen gelernt und sich wiederholt ins Haus geholt. Sei es im Rahmen von Projekttagen oder schlicht als Unterrichtseinheit. Das Gesamtprojekt, zu dem es auch Unterrichtsmaterial für Lehrkräfte gibt, kostet 258 Euro pro Klasse. Büchner und Marx möchten noch weitere Schulen von ihrem Stück begeistern. "Unser Ziel ist es, dass jedes Kind in Leipzig ,Mein Körper gehört mir!' gesehen hat", so Marx. Sponsoren oder Patenschaften für die Grundschulen seien stets willkommen. Die Stadtwerke Leipzig jedenfalls halten es auch für eine Top-Sache, halfen dem Schauspieler-Duo mit einer 500-Euro-Spende, für den 8. September um 18 Uhr in der Veranstaltungs-Tonne der Moritzbastei eine öffentliche Präsentation von "Mein Körper gehört mir!" für Eltern, Lehrer und Interessierte zu organisieren. Für sie ist diese Veranstaltung, bei der im Anschluss auch Fragen zu Inhalten und einer machbaren Finanzierung beantwortet werden, kostenlos.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2015
Angelika Raulien

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