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"Mein Protagonist ist gestorben": Meret Becker vor ihrem Schaubühne-Konzert im Interview

"Mein Protagonist ist gestorben": Meret Becker vor ihrem Schaubühne-Konzert im Interview

Sie ist eines der bekanntesten Fernsehgesichter. Meret Becker (44) hat in kleinen und großen Rollen in unzähligen Filmen mitgespielt. In den letzten Jahren hat die gebürtige Bremerin immer mehr künstlerische Seiten entfaltet.

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Als Schauspielerin bekannt, als Sängerin eine Entdeckung: Meret Becker musiziert und erzählt am Donnerstag in der Schaubühne Lindenfels.

Quelle: Kerstin Groh

Leipzig. Mit "Deins und Done" veröffentlicht sie demnächst ihr sechstes Album. Am Donnerstag ist sie mit dem gleichnamigen Bühnenprogramm in der Schaubühne Lindenfels. Vor dem Auftritt hat Katharina Schultz mit Meret Becker über die innige Beziehung zum Publikum, ihre allmähliche Abwendung von der Schauspielerei und ihr eigenes Filmprojekt gesprochen, das sie ihrem Stiefvater Otto Sander widmen will.

Frage:

"Deins und Done" heißt Ihr Bühnenprogramm. Was erwartet die Zuschauer?

Meret Becker:

Das Programm ist ein Sneak-Pre-Listening, eine Vorschau auf mein Album, ähnlich wie beim Film - das Album selbst wird erst im Frühjahr veröffentlicht. Ich spiele live mit meinem Gitarristen Buddy Sacher. Zu hören gibt es lauter sehr traurige Liebeslieder, überwiegend auf Englisch. Ich mache gerne Konzept-Alben, wie ich das nenne. Und diesmal geht es ziemlich klassisch um die Liebe und den Moment, wenn sie abhanden kommt. Und ich erzähle einen vom Pferd, was wiederum ziemlich heiter ist (lacht).

Wie ist das gemeint?

Die Songs sind einem Cowboy gewidmet. Über Cowboys gibt es viel zu erzählen, auch vom Pferd.

Einem bestimmten Cowboy?

Klar, es gab und gibt immer irgendjemanden, der einen verlässt, oder man ist selbst der, der geht.

Gab es einen konkreten Anlass?

Es scheint mir einfach komplett zu sein, eben "done". Das Album ist sehr im Hier und Jetzt, was untypisch für mich ist. Eigentlich mag ich lieber die Momente, in denen es surreal wird, Träume zum Beispiel. Das finde ich spannend. Auf diesem Album und bei diesem Bühnenprogramm bin ich mehr Sängerin und Musikerin im klassischen Sinne, ich erzähle weniger Bilder als sonst.

Warum gehen Sie vor der Album-Veröffentlichung schon auf die Bühne?

Auf diese Weise nimmt die Platte allmählich Form an. Das ist eine Entwicklung, die ich mir gönne. Die Songs sind über Jahre gewachsen. Anfangs habe ich sie in Kneipen gespielt. Dann beschlossen wir, tatsächlich auf Tour zu gehen und die Stücke weiter auszubauen, mit dem Publikum, auf der Bühne.

Das ist Ihr drittes selbst geschriebenes Album. Welche Motivation steckt hinter Ihrem künstlerischen Schaffen, insbesondere der Musik?

Die Musik selbst. Sie lässt so viel zu, und man kann einfach loslassen. Außerdem erzähle ich unheimlich gerne Geschichten. Und ich mag den Austausch mit dem Publikum, mit den Zuschauern Gefühle zu teilen und sich mit ihnen zu verbinden. Das geht mit keiner Kunstform so gut wie mit Musik.

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich als Schauspielerin zu fremdgesteuert fühlen. Wieso stehen Sie trotzdem immer wieder vor der Kamera?

Das ist eine gute Frage, manchmal frage ich mich das auch (lacht und überlegt). Ich sehe mir selbst gerne Filme an. Ich verliebe mich ganz schnell in Figuren. Und dann ist da immer der Drang, selbst einen Charakter zu spielen.

Sie sind alleinerziehend, freischaffend - ist es letztlich auch eine finanzielle Frage?

Das ist sicherlich hilfreich und ein angenehmer Beigeschmack. Allerdings muss ich mich oft auch zwischen beiden Tätigkeiten entscheiden und Filmrollen absagen, um musizieren zu können, oder umgekehrt.

Wie viele Rollenangebote bekommen Sie das Jahr über?

Schwer zu sagen (überlegt). In diesem Jahr waren es um die sechs, sieben Angebote, von denen ich natürlich nicht alle mache. Es gibt Jahre, da kommen weniger Angebote. Aber es ist die Frage nach dem Was, nicht die Frage nach dem Wieviel.

Wann lehnen Sie eine Filmrolle ab?

Wenn das Drehbuch beknackt ist. Oder man sich mit Produzent oder Regisseur nicht versteht, was nicht oft vorkommt. Das stellt sich meist erst später raus (lacht). Oder einfach, wenn es zu viel wird.

Bei "Feuchtgebiete" stimmte alles?

Ja, das ist ein Film, bei dem ich stolz bin, mitgewirkt zu haben. In meinen Augen ist es ein Meisterwerk.

Sie schreiben nicht nur viele Ihrer Songtexte selbst, sondern haben inzwischen auch ein eigenes Drehbuch verfasst. Sie wollen offensichtlich immer mehr künstlerische Freiheit. Wenden Sie sich allmählich von der Schauspielerei ab?

Irgendwann schon. Noch bin ich nicht fertig mit ihr. Es gibt zum Beispiel noch einige Live-Performances, die ich gerne verfilmen würde. So lange ich noch das Gesicht und den Körper, die körperliche Fitness habe, will ich Filme machen. Danach kann ich mich zurückziehen und mich der Musik und dem Schreiben widmen - hoffentlich.

Was ist der nächste Film mit Ihnen, der ins Fernsehen oder Kino kommt?

Als nächstes, voraussichtlich im Frühjahr, kommt "Lügen" von Vanessa Jopp ins Kino. Das Besondere daran ist, dass es kein Drehbuch gab. Wir Schauspieler kannten nur unsere Figuren und mussten improvisieren.

Und wann können wir den ersten Film von Ihnen sehen?

Vorerst nicht. Mein Protagonist ist tot.

Otto Sander?

Ja. Und auch ein Produzent fehlt noch.

Otto Sander, der vor einigen Wochen den Folgen seines Krebsleidens erlag, war der Mann Ihrer Mutter Monika Hansen und Ihr Stiefvater. Was hat er Ihnen bedeutet? Und wie hat er Sie als Künstlerin geprägt?

Er war mein Vater. Und er war auf der Bühne einfach einer der Größten auf dem Feld. Ich habe das einatmen dürfen und ich nehme sein Erbe mit, das ich mit Verantwortung tragen will. Das bin ich ihm schuldig. Das Drehbuch, den Film will ich machen und ihm widmen.

Meret Becker: "Deins und Done", Donnerstag, 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (Karl-Heine-Straße 50), Eintritt 30/26 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.12.2013

Katharina Schultz

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