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Meister des erzählten Spannungskinos: Regisseur Curtis Hanson ist tot

Kino Meister des erzählten Spannungskinos: Regisseur Curtis Hanson ist tot

1987 verbeugte sich Curtis Hanson mit „Das Schlafzimmerfenster“ tief vor Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“, später hätte „L.A. Confidential“ gereicht, ihn unsterblich zu machen. Hanson war der Regisseur von „Die Hand an der Wiege“, „Am wilden Fluss“ und „8 Miles“. Nun ist er mit 71 Jahren gestorben.

Regisseur Curtis Hanson 2009 beim Festival of New Latin American Cinema in Havanna.

Quelle: dpa

Leipzig. Dieser eine Film hätte bereits gereicht, ihn unsterblich zu machen: „L.A. Confidential“. Curtis Hanson gelang 1997 endlich etwas, an dem einige vor und nach ihm scheiterten: einen Krimi von James Ellroy zu verfilmen. Wie dieser Regisseur aus Reno (Nevada), der seine Lehrjahre wie die Männer der französischen nouvelle vague als Filmkritiker verbrachte, das L.A. der 50er auferstehen ließ, in den Dschungel aus korrupten Polizisten, Gewalt, windigem Boulevard-Reporter, einem Idealisten, der seine Werte bewahren will, und einer geheimnisvoller Blondine eindrang, das war ganz hohe Kinokunst. „L.A. Confidential“ blieb die einzige wirklich gelungene Auferstehung des Film Noir im neueren Hollywood.

Ein Zufall war dieses Meisterwerk allerdings durchaus nicht. Bereits 1987 verbeugte sich Curtis Hanson mit „Das Schlafzimmerfenster“ tief vor Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ – und erzählte von einem Mann, der eine Affäre mit der Frau seines Chefs hat. Als die nach einem Sex-Treff nachts eine Vergewaltigung beobachtet, geht er für sie zur Polizei, verfängt sich aber, da er nichts gesehen hat, in den Schlingen seiner ungewissen Aussagen Ein Kinohit auch in der späten DDR.

Glänzend verstand es Curtis Hanson, Spannung über Charaktere, die Alltäglichkeit mit Abgründen verbanden, zu erzählen, also menschliches Drama als fatale Verstrickung. Dafür brauchte er keine knalligen Effekte. Dazu brauchte er nur Atmosphäre. Eine Tugend, die weitgehend verloren gegangen ist. Wer seinen Psycho-Thriller „Die Hand an der Wiege“ (Witwe eines Gynäkologen, der Patientinnen missbrauchte, rächt sich an Anklägerin) oder den Bootsfahrt-Krimi „Am wilden Fluss“ sieht, kann nur über die straffe, genaue, auf den Punkt gebrachte Inszenierung staunen. Aus dieser Gruppe von Filmen fallen „Die WonderBoys“ um einen in die Jahre geratenen Literaturdozenten, dem nach einem ersten Erfolg einfach kein Nachfolgebuch gelingen will, das sanftelnde Familien-Melodram „In den Schuhen meiner Schwester“ und die Rapper-Biografie „8 Miles“ heraus. Vor allem dieses Eminem-Drama sah aus wie ein Abgesang auf einen einstigen Meisterregisseur. Statt dem sozialkritischen Blick gab es nur noch gesuchte Gossen-Rauheit und ausgewalzte Kraftmeierei im Reim.

Vor vier Jahren zog sich Curtis Hanson, verheiratet mit der australischen Produzentin Rebecca Yeldham („Die Reise des jungen Che“, „Drachenläufer“), nach seiner Alzheimer-Diagnose vom Film zurück. Am Dienstag wurde er 71-jährig, nach einem ärztlichen Notruf, tot in seinem Haus in Hollywood aufgefunden.

Von Norbert Wehrstedt

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