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Mendelssohn-Haus wird interaktiv: Dirigieren für Jedermann - Erweiterung für 1,5 Mio. Euro

Mendelssohn-Haus wird interaktiv: Dirigieren für Jedermann - Erweiterung für 1,5 Mio. Euro

Das Leipziger Mendelssohn-Haus bekommt eine Frischzellenkur. Für rund 1,5 Millionen Euro wird die Ausstellung im einstigen Wohnhaus des bedeutenden Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-47) auf internationales Niveau gehoben.

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Das Mendelsssohn-Haus in Leipzig: Bis 2014 wird die Ausstellung erweitert.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Großzügig und interaktiv will sich das Haus 2014 präsentieren und so mehr und jüngeres Publikum anziehen. Stiftungsvorstand Jürgen Ernst stellt erstmals das Konzept fürs 21. Jahrhundert im Detail vor.

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Leipzig. Das Mendelssohn-Haus nähert sich dem Tag X: Am 3. Februar wird das Museum für den ehemaligen Gewandhaus-Kapellmeister und Komponisten der Romantik nach einem Dreivierteljahr Umbauarbeiten neu eröffnet. Für rund 1,5 Millionen Euro wurde die Ausstellung erweitert. Höhepunkte sind eine eigens gefertigte Paternostervitrine und ein Raum, der Laien spielerisch zum Dirigieren einlädt.

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Rund 40.000 Gäste strömen pro Jahr in der Goldschmidtstraße 12, die meisten aus der Generation 50 Plus. Rund vierzig Prozent kommen aus dem Ausland. „Mit den Wohnräumen im ersten Obergeschoss zeigen wir die heile Welt des 19. Jahrhunderts“, sagt Ernst. Schöne Möbel, kluge Texte und jeden Sonntag ein Konzert im historischen Musiksalon - das hat fünfzehn Jahre lang ganz gut funktioniert. Man müsse sich aber mit Museen wie dem Händel-Haus in Halle oder der Mozart-Ausstellung in Wien messen, und auch mit dem bald völlig neu konzipierten Richard-Wagner-Museum in Bayreuth. "Unser Angebot ist nicht mehr zeitgemäß", weiß Museumsdirektor Jürgen Ernst.

Erster Durchbruch - das großzügige Entree

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Museumsdirektor Jürgen Ernst: "Wir sind eine dynamische Baustelle".

Quelle: André Kempner

Die Bücherregale sind verschwunden, die Gänge im Erdgeschoss des Leipziger  Mendelssohn-Hauses wüst und leer. Das Kreischen einer Schleifmaschine dreht sich ins Gehör. Musik in den Ohren von Museumsdirektor Jürgen Ernst. Alle Vorzeichen stimmen für die Partitur des Umbaus: Die Immobilie ist schuldenfrei, die Mietverträge mit der Universität für die Räume im Parterre der Goldschmidtstraße 12 ausgelaufen. Dort entsteht dieser Tage ein großzügiges Entree.

Bauarbeiter haben einen Durchbruch ins historische Mauerwerk gestemmt. "Kasse, Shop und auch ein Bereich, in dem man verschnaufen und einen Kaffee trinken kann", sagt Ernst und zeigt vom Gang in den leeren Raum. Bisher kamen die Gäste durch die Hintertür direkt ins denkmalgeschützte Holztreppenhaus, um sich in der ersten Etage in einem kleinen Gang vor der Kasse zu drängeln. Künftig führt der Weg ins Haus durch das Portal an der Stirnseite ins Museum.

Effektorium: Dirigieren für Jedermann

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Ideenskizze Effektorium.

Quelle: Betron Schwarz Frey

Auf spielerische Weise können sich die Besucher dann Schritt für Schritt der Musik des Komponisten der Romantik nähern, "mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts", sagt Ernst. "Klassik darf nicht schwer sein. Wir brauchen etwas Lebendiges, Leichtes – ohne oberflächlich zu wirken." Der Clou: Dirigieren für Jedermann im Effektorium.

Direkt unter dem historischen Musiksalon aus dem 19. Jahrhundert wird der Besucher bald einen Raum mit 16 LED-Panelen finden, die Töne als Lichtsignale sichtbar machen. Kugellautsprecher krönen die Installation. Davor lädt das Dirigentenpult ein, den digitalen Klangkörper zum Leben zu erwecken: Aus einem „Notenbuch“ wählt der Besucher ein Musikstück, klopft aufs Pult, und schon füllt sich der Raum mit reinem Mendelssohn-Klang.

 

„Der Dirigent kann die ‚Musiker’ lauter spielen lassen, oder Instrumentengruppen hervorheben – vielleicht mal nur die Klarinetten spielen lassen“, gerät Ernst ins Schwärmen. Rhythmus, Harmonie und Form werden hör- und sichtbar, durch das eigene Erleben sogar fühlbar. Das Büro „Bertron Schwarz Frey“ nennt das den „Mendelssohn-Effekt“, die Steigerung emotionaler Intelligenz.

Paternoster-Vitrine und digitale Musikbibliothek

Mit dem Büro „Bertron Schwarz Frey“ hat sich die Mendelssohn-Stiftung Profis für das Gestaltungskonzept an die Seite geholt, die auch an der Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin mitgewirkt haben, und frischen Wind in das Naturkundemuseum der Hauptstadt brachten. Dort hat sich bereits die "Paternoster-Vitrine" bewährt. Das Ausstellungsmöbel wird nun auch für Leipzig gebaut, denn darin kann die Stiftung endlich bisher nicht gezeigte Autographe oder Aquarelle des ehemaligen Gewandhauskapellmeisters Mendelssohn vor den Augen der Besucher rotieren lassen.

Eine digitale Musikbibliothek, bei der die Besucher per Tablet-PC im Werkverzeichnis durch Sinfonien, Oratorien oder Ouvertüren stöbern kann, vervollständigt die neue Mendelssohn-Welt in dem Haus, das schon heute als Kulturstätte von nationaler Bedeutung gilt. "Wir sind im Blaubuch der Bundesregierung vertreten", betont Ernst, und das findet er den Verdiensten Mendelssohns gerade angemessen.

Mendelssohn-Denkmal als 3-D-Laserprojektion

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Die Ausstellung der historischen Räume im ersten Stock wird nur behutsam überarbeitet.

Quelle: Dirk Knofe

1843 gründete Mendelssohn in Leipzig die erste Musikhochschule Deutschlands, und im Gewandhaus machte er geltend, dass jedes Konzert durch einen Dirigenten geführt wird. Ein Prinzip, das international Aufmerksamkeit erregte, "und das muss man der Welt immer mal wieder sagen", findet Ernst.

Zu den Dingen, die gesagt werden müssen, gehört auch die dunkle Seite der Geschichte, die unerhörte Diskriminierung Mendelssohns wegen seiner jüdischen Herkunft. In Leipzig wurde sein Denkmal 1936 von den Nazis abgerissen, erst 2008 gegenüber der Thomaskirche wieder aufgebaut. Und nun findet das Denkmal als Hologramm, als dreidimensionale Laserprojektion, Platz im umgebauten Erdgeschoss.

Um dem Komponisten seinen angemessenen Platz im internationalen Konzert der Personen-Museen zu geben, hat die Stiftung nicht nur Ideen gesammelt, sondern auch für die Finanzierung geworben. Leipzig steuert eine halbe Million Euro zur Modernisierung der Ausstellung bei. Den Löwenanteil von 750.000 Euro trägt der Bund, die Stiftung muss den Rest als Eigenanteil aufbringen. Die Erlöse von Festkonzerten fließen zum Beispiel in den Topf, und das Haus behält den Ausstellungsbetrieb und die Salon-Konzerte auch während des Umbaus bei. Es hämmert, es staubt, es wird. "Wir sind eine dynamische Baustelle", schmunzelt Ernst.

Evelyn ter Vehn

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