Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Mendelssohn-Preis für Weizsäcker, Lüpertz und Hampson

Mendelssohn-Preis für Weizsäcker, Lüpertz und Hampson

Im Rahmen einer großen Galas erhielten am Samstagabend im Gewandhaus Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der Bariton Thomas Hampson und der Maler Markus Lüpertz den Mendelssohn-Preis der Stadt Leipzig.

Voriger Artikel
Neuer Pomp im Kaufhaus Held in Leipzig-Lindenau – Design- und Modeausstellung
Nächster Artikel
So intim wie noch nie: Erika Pluhar und ihr Roman "Die öffentliche Frau"

Im Geiste Mendelssohns: Gewandhaus-Ehrendirigent Kurt Masur, die Preisträger Markus Lüpertz, Richard von Weizsäcker und Thomas Hampson sowie Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (v.l.).

Quelle: Gert Mothes

Da spielt die neunjährige Laetitia Hahn Klavier, da dirigiert wenig später der 86-jährige Kurt Masur sein Gewandhausorchester. Und wie da das rheinische Wunderkind mit staunenswerter musikalischer Reife, gestalterischer Intelligenz, wunderbar weichem Anschlag und bemerkenswerter Stilsicherheit Mendelssohns Rondo capriccioso spielt und den Kopfsatz aus Mozarts F-Dur-Sonate KV 332 zugibt und der greise Ehrendirigent mit dem Gewandhausorchester Schumanns Zweite in warme Seelenklänge gießt, wird spürbar, was Musik, was Kunst bedeuten kann: Die Seele kann sie nähren, das ganze Leben prägen, umfassen, aufladen mit Menschlichkeit.

 Das ist die Botschaft Felix Mendelssohn Bartholdys, dem, sagt Oberbürgermeister Burkhard Jung, "die Stadt Leipzig so viel zu verdanken hat - und die ganze Musikwelt". Richard von Weizsäcker sieht in dessen Leben und Werk nicht weniger verwirklicht als das "Humanitätsideal der ganze Welt". Und weil auch er, der mittlerweile 93-jährige Altbundespräsident, sein stets auf Ausgleich, auf Annäherung, auf gegenseitiges Verständnis zielendes politisches Wirken in den Dienst dieses Humanitätsideals gestellt hat, ist er ein denkbar würdiger Träger dieses Preises.

 Die Verleihung nutzt er für eine bewegende Liebeserklärung an Leipzig: Diese Stadt sei nicht gefördert worden, sondern "hat sich selbst auf den Weg gebracht. Leipzig ist ein Vorbild, wie eine Stadt sein soll. Es hat uns allen vorgemacht, was es bedeutet, wenn wir Musik, Kultur und gemeinsames Leben in einer Form miteinander praktizieren, die uns alle einbezieht. Das hat mir an Leipzig immer ungeheuer imponiert." Und so glaubt man dem großen alten Mann, der bereits so viele Preise und Auszeichnungen erhalten hat, aufs Wort, wenn er mit der Hand aufs Pult schlägt, während er ausruft "Wie schön, wieder in Leipzig zu sein!", und dass diese Auszeichnung für ihn etwas ganz Besonderes sei.

 Es werden viele große Worte gesprochen an diesem Abend, und sie kommen offenkundig allesamt von Herzen: Für den US-amerikanischen Welt-Bariton Thomas Hampson, 58, ist es bereits eine Ehre, "auf der Bühne zu stehen mit zwei Titanen der humanistischen Tradition unserer Welt und vor allem Deutschlands, mit Kurt Masur und Richard von Weizsäcker". Er bricht in seiner kurzen Dankesrede, die er auf Englisch hält, eine Lanze für die deutsche Kulturtradition, die "ein tiefer Beweis von Bildung ist, ein deutsches Wort, für das es keine Übersetzung gibt, und die sich so umfassend widerspiegelt in dem, was Mendelssohn aus seinen einzigartigen Talenten gemacht hat."

 Der Düsseldorfer Malerfürst Markus Lüpertz, 72, räumt dagegen ein, dass für ihn "Preise etwas sehr Verdächtiges sind", weil Künstler immer "Krieger gegen die Zeit" seien und Auszeichnungen bedeuten könnten, dass man etwas falsch gemacht habe. Darum habe er bereits viele ausgeschlagen in seinem Leben. Den Leipziger Mendelssohn-Preis indes habe er ohne zu zögern angenommen, weil er "ein Künstlerpreis" sei.

 Lüpertz bekommt ihn in Würdigung seines eigenen universellen Künstlertums, wie Jung aus der Urkunde vorliest. Und wie universell das ist, beweist der Preisträger unmittelbar danach am Klavier in der Kölner All-Star-Jazzband TTT. Berstend vor musikalischer Energie berserkert sich der Kunst-Professor am Flügel im Grunde nur zwei Akkorde von der Seele, an denen die sensationellen Musiker-Kollegen sich flächig gemeinsam oder in kostbaren Soli abarbeiten. Auch dies transportiert in seiner unmittelbaren Wirkungsmacht den Geist Mendelssohns.

 Begonnen hat die Gala weihe- und würdevoll mit dessen Geistlichen Liedern MWV B 33, von Annette Markert (Mezzosopan), Michael Schönheit an der Orgel und dem herrlich weich klingenden Gewandhauschor unter der Leitung von Jörg Genslein in inniger Sinnlichkeit vorgetragen. Diese Würde beherrscht den langen Abend, der im Mendelssohn-Saal mit einem fabelhaften Gala-Diner endet, das der Berliner Sternekoch Tim Raue serviert.

 Dennoch bleiben auch Fragen: Warum beispielsweise steht während der ersten Halbzeit so viel Orchester-Zubehör unschön auf der Bühne herum? Warum bekommt von den drei Preisträgern nur einer, von Weizsäcker nämlich, eine Laudatio? Warum hat sich der erstaunlich unsortiert drauflos quasselnde Laudator Arendt Oetker auf die nicht nennenswert vorbereitet? Warum haben die Ausgezeichneten keine Möglichkeit, die gewichtige Preis-Statue abzustellen, derweil sie neben Kurt und Tomoko Masur auf unattraktiven Stühlen am Bühnenrand wie bestellt und nicht abgeholt den Fortgang der Ereignisse beobachten? Das alles wirkt improvisiert bis provisorisch, obwohl dies doch die bereits siebte Verleihung des Leipziger Mendelssohn-Preises ist.

 Doch vielleicht spiegelt auch das seinen Charakter wieder. Um Inhalte geht es hier, nicht um Äußerlichkeiten. Was ebenso fürs Leipziger  Mendelssohn-Haus gilt, dessen Umbau in ein würdiges Museum der Erlös des Abends zugute kommt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.09.2013

Peter Korfmacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Leipziger Opernball 2017

    Schwungvoll im Dreivierteltakt: Der Leipziger Opernball „Moskauer Nächte“ lädt am 4. November aufs Parkett. Hier finden Sie Infos und Fotos zum Event. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

"Stasi – Macht und Banalität": Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" gibt Einblicke in den SED-Überwachungsstaat. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr