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Michael Wollny, Egolaut und Co sammeln 2200 Euro für Flüchtlinge in Leipzig

Benefizkonzert Michael Wollny, Egolaut und Co sammeln 2200 Euro für Flüchtlinge in Leipzig

Beim Benefizkonzert „Miteinander durch Musik“ sind am Donnerstag im UT Connewitz 2200 Euro für Flüchtlinge in Leipzig zusammengekommen. Die Musikstadt Leipzig hat sich mit Michael Wollny und Professoren-Kollegen, der Band Egolaut, June Cocó und anderen von ihrer besten Seite gezeigt.

June Cocó im UT Connewitz.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Patriotismus ist nicht so das Ding der gut 250 Menschen im Saal. Aus verständlichen Gründen. Denn wer sich heutzutage Patriot nennt, will eigentlich in erster Linie ausgrenzen. Die Überschrift des Benefizabends am Donnerstag im UT Connewitz lautete aber: „Miteinander durch Musik“.

Und doch durchzieht eine Form des Patriotismus den Abend. Und zwar eine, die es erstaunlicherweise noch immer schafft, frei von Rassismus zu bleiben: ein Lokalpatriotismus, der sich über die Kultur einer Stadt definiert – was den offenen Umgang mit Menschen aller Couleur einschließt. Oder, wie es Antonio Lucaciu am Ende eines Dreieinhalbstunden-Programms der Menge kurz vor Mitternacht entgegenruft: „Es ist schön in Leipzig! Es ist schön, dass wir so ein Gemeinschaftsgefühl haben!“

Lucacius neue Band Egolaut hat es da soeben mit einem fulminanten Auftritt geschafft, in einer eh bereits hochkarätigen Konzertnacht noch einen draufzusetzen. Die erst dieses Jahr gegründete Leipziger Gruppe um das mehrfach preisgekrönte Duo Sascha Stiehler/Lucaciu demonstriert im UT alles, was in einer gerechten Welt unweigerlich eine steile Pop-Karriere zur Folge hätte: einnehmende Melodien, ausgefallene (aber nicht notwendigerweise komplizierte) Arrangements, viel Humor, mitreißendes Spiel. Technisch versiert an ihren Instrumenten sind die fünf studierten Jazzer sowieso.

Wer hier anonym einen Hasskommentar drunter schreibt, träumt heute Nacht von tollwütigen Einhörnern

Mitverantwortlich dafür ist jene „betagte Boyband“ aus einstigen Lehrern der Egolaut-Leute, die der moderierende Jazzsänger Juan Garcia drei Stunden zuvor ankündigte (nachdem bereits Nachwuchstalent Leonard Ottolien mit Band vielversprechenden Eindruck hinterlassen hatte). Streng genommen eine Sensation, deretwegen Jazzliebhaber irgendeiner anderen Stadt ihr Glück kaum fassen würden: Eine Woche, bevor sich der wegweisende Pianist Michael Wollny in Hamburg seinen mittlerweile achten Musikpreis „Echo“ abholt, darf man ihn inmitten des morbiden Charmes des alten Lichtspielhauses beim entspannten Improvisieren mit den Leipziger Professoren-Kollegen erleben. Und die sind ja Weißgott auch nicht irgendwer.

Saxofonist Johannes Enders, Gitarrist Werner Neumann, Pianist Ralf Schrabbe, Schlagzeuger Heinrich Köbberling sowie (einziger Nicht-Professor) Kontrabassist Matthias Eichhorn und der quirlige Wollny beherrschen das Spiel zwischen laut und leise, aufbrausend und träumerisch, vertrackt und vertraut so bemerkenswert und zugleich unterhaltsam, dass man sich schlicht nicht satthören mag. Der popularmusikalische Impuls, der zurzeit von der Leipziger Hochschule für Musik und Theater ausgeht – wenn der mal kein Anlass für Lokalpatriotismus ist!

Wie Egolaut haben June Cocó und Band ebenso ihre Wurzeln in der HMT. Und auch ihren Auftritt zeichnet dieselbe Mischung aus beeindruckendem Handwerk, Melodiegespür und charismatischem Entertainment aus. Darüber hinaus ist Cocó noch bezaubernd charmant. „Na ja, na ja, na ja“, kommt sie ins Stottern, als sie ihr berückendes Flüchtlingslied „Battlefield“ erklären möchte. Sie beschließt, doch lieber „den Song für sich selbst sprechen zu lassen“.

Wer hier anonym einen Hasskommentar drunter schreibt, kriegt auf der Nase einen Pickel

Da ist Sebastian Krumbiegel geübter, nicht nur Lieder, sondern auch Ansagen mit Botschaft zu machen. Der Abend zeige mal wieder, „dass wir eine wache Stadt sind, dass wir uns um Sachen kümmern“, übt sich der Prinzen-Sänger im Lokalpatriotismus. Freilich nicht ohne Wasser in den Wein zu schütten – und unter anderem sein kluges Lied vom „Rechten, rechten Platz“ vom Courage-Festival kürzlich zu singen, der in Sachsen „schon lange nicht mehr leer“ sei.

Zum Courage-Konzert hatte auch das Cello-Geige-Schlagzeug-Trio Stilbruch eine Einladung, konnte sie aber wegen einer vertraglichen Verpflichtung in Stollberg nicht annehmen. Bevor die Band ihren energetischen, irrwitzigen, poetischen, buchstäblichen Klassikrock durch die Lautsprecher jagt, erzählt Sänger und Cellist Sebastian Maul von diesem Ausflug ins Erzgebirge. Vorm eigentlichen Auftritt habe man im örtlichen Flüchtlingsheim spielen wollen, durfte aber nicht. „Der Bürgermeister von Stollberg ist“, so Maul, „wie sagt man? Genau: Patriot.“ Der Musiker stimmt lieber in den lokalpatriotischen Chor ein: „In Leipzig geht es uns in jeder Hinsicht noch gut.“

So gut immerhin, dass der Abend 2259,10 Euro für zwei Initiativen einspielt. Der Leipziger Flüchtlingsrat will von seinem Anteil unter anderem „Herrenhosen in den Größen S und M und Schuhe 39 bis 41“ kaufen, verrät dessen Abgesandter Christoph Graebel. Lars Seniuk wiederum, Begründer des Vereins „Miteinander durch Musik“, investiert das Geld passenderweise in Instrumente für ein Leipziger Flüchtlingsheim: Der Sound dieser Stadt – so rasch soll er nicht verklingen.

Von Mathias Wöbking

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