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Mike And The Mechanics

Konzert im Haus Auensee Mike And The Mechanics

Eine ganze Weile waren sie weg vom Fenster, inzwischen gehen Mike And The Mechanics wieder auf Tournee. Beim Konzert am Samstag im ausverkauften Haus Auensee spielte die Band von Genesis-Gitarrist Mike Rutherford die eigenen Hits und ein paar Genesis-Stücke. Und zum Schluss wagt sich Rutherford (65) sogar an einen ganz großen Gitarristen...

Besuch in Leipzig: Mike And The Mechanics spielten vor vollem Haus.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es kommt in der Rockgeschichte nicht gerade häufig vor, dass ausgerechnet der Gitarrist einer megaerfolgreichen Band ein Nebenprojekt startet, weil er das Gefühl hat, zu sehr im Schatten des (auch singenden) Schlagzeugers zu stehen (Phil Collins). Und dann beginnt eben dieser Gitarrist das Konzert seines Projekts am Samstagabend im ausverkauften Haus Auensee auch noch am Bass. Doch Mike Rutherford, bekannt als Saitenverantwortlicher von Genesis, wechselt beim zweiten Song im Auensee-Konzert seiner Band Mike And The Mechanics dann doch zur Gitarre.

Die Band ist für einige veritable Hits und dafür bekannt, dass Rutherford immer ausgewählt gute Sänger castete. Nach dem Auslaufen der Hit-Phase in den 80ern und 90ern sowie dem Abschied des Ausnahmevokalisten Paul Carrack schien das Projekt am Ende. Doch Rutherford startete noch einmal durch. In seiner gegenwärtigen Band wechseln sich der überzeugende weiße Tim Howar und der unglaublich gute schwarze Andrew Roachford am Mikro ab und geben dem Abend die Würze.

Das Septett beginnt routiniert. Der Sound ist rund, kaum ein Wackler; die Männer verstehen ihr Handwerk, und das erlebnishungrige Publikum lässt sich willig zu rhythmischer Klatscherei animieren. Doch auch, wenn das Set von Beginn an mit durchaus bekannten Stücken wie „Another Cup Of Coffee“ oder „Beggar On A Beach Of Gold“ durchsetzt ist, fehlt der große Atem.

Das ist gut gemacht, routiniert gespielt, aber Rutherford muss sich an anderen Maßstäben messen lassen. Bezeichnend, dass der Knoten erst platzt, als sie – eine knappe Dreiviertelstunde ist schon vergangen – die Genesis-Nummer „Land Of Confusion“ in einer erfrischend expressiven Version anziehen. Nach einer furiosen Performance der begnadeten tiefschwarzen Soul-Röhre Roachfords, zweifellos der musikalische Höhepunkt des Abends, wie er sein überzeugendster Akteur ist, lässt dann ein weiteres Genesis-Stück endgültig die Herrschaften in den ersten Sitzreihen ihres wahrscheinlich teuer erkauften Privilegs verlustig gehen, weil alle aufstehen.

Das unsterbliche Hammer-Riff zu „I Can’t Dance“ zelebriert Rutherford ausgiebig und zu Recht: Es ist von ihm. Danach wird’s emotional richtig dicht. Aus dem wunderschönen „The Living Years“ holen sie alles raus und machen es zum Höhepunkt der Innerlichkeit dieses Konzerts.

Auf dem Fuße folgt ihr größter Hit, ein Popsong ohne, na ja, allzu großen Belang, doch trotzdem ausgiebigst ausgewalzt und abgefeiert: „All I Need Is A Miracle“. In der ersten Zugabe (Mike And The Mechanics waren nach wenig mehr als seiner Stunde von der Bühne gegangen), das eigentlich viel schönere „Over My Shoulder“ – Roachford ist wieder eine Klasse für sich. Ihr etwas platter, aber nicht unerfolgreicher Versuch, auch mal einen Südkurven-Mitsinger zu landen, Ton geworden im Song „From the Westside To The East Side“, wird schließlich zum lang ausgedehnten Finale.

Jeder der sieben darf noch mal kurz brillieren. Rutherford selbst, frenetisch gefeiert, zitiert launig und mit ordentlich Chuzpe „Purple Haze“ von Jimi Hendrix. Es sei ihm verziehen. Die Menge jedenfalls ist zufrieden.

Von Lars Schmidt

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