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Milde Magie: Leipziger Jazzquartett Nautilus feiert ihr Debütalbum in der Philippuskirche

Geburt bei „Reihe 2“ Milde Magie: Leipziger Jazzquartett Nautilus feiert ihr Debütalbum in der Philippuskirche

Die „Reihe 2“ der Nato ist eine Institution geworden. Bassist Robert Lucaciu und Schlagzeuger Philipp Scholz laden Gäste ein, um mit ihnen zu improvisieren. Immer wieder hat das zu erstaunlichen Ergebnissen geführt. Nun liegt das erste Dokument solcher Begegnungen auf Tonträger vor: „Infrablue“ des Quartetts Nautilus erscheint beim Londoner Label Two Rivers Records.

Nautilus auf der Bühne: Philipp Scholz, Hayden Chisholm, Robert Lucaciu und Jürgen Friedrich (von links).

Quelle: Peter Tümmers

Leipzig. Die in schönem Understatement betitelte „Reihe 2“ der Nato ist eine Institution geworden. Bassist Robert Lucaciu und Schlagzeuger Philipp Scholz, gut bekannt in der Leipziger Szene aufgrund diverser Aktivitäten, laden sich dann Gäste ein, um mit ihnen gemeinsam zu improvisieren. Immer wieder hat das zu sehr erstaunlichen Ergebnissen geführt. Nun liegt das erste Dokument solcher Begegnungen auch auf Tonträger vor: „Infrablue“ des Quartetts Nautilus erscheint beim Londoner Label Two Rivers Records.

Schon umgehend nach dem ersten Konzert der beiden im Winter 2013 mit dem neuseeländischen Altsaxofonisten Hayden Chisholm und dem Mannheim/Kölner Kompositions- und Klavierprofessor Jürgen Friedrich war allen Beteiligten klar, dass hier eine Band von längerer Dauer geboren worden war. Es folgte ein weiterer Leipzig-Auftritt im Juni vorigen Jahres und eine erste Deutschlandtournee, während der das subtile Zusammenspiel des Quartetts immer mehr an Perfektion gewann. Die CD nun dokumentiert, welch berückende Qualität die milden Interaktionen inzwischen erreicht haben.

Chisholm ist ein Saxofonist des leisen, mikrotonalen Spiels, das er in weit ausholenden Bögen entfalten kann. Von Nils Wogram bis David Sylvian, Burnt Friedman bis John Taylor reichen seine Engagements. Das vorige Jahr über war er „Improviser in Residency“ im für sein Jazzfestival bekannten niederrheinischen Moers. Als Jürgen Friedrich im Jahr 2012 seine „Monosuite“ für Streichorchester und Jazzquintett produzierte, war Chisholm die einzige Bläserstimme. Der Jazz lebt von solchen Verbindungslinien, an denen entlang unterschiedliche Individualstimmen zueinander finden.

Geschmeidiger Nuancenpointillismus

Das ist auch die Absicht von Lucaciu und Scholz mit ihrer Reihe 2. Die Nautilus-CD nun ist dennoch eine Überraschung, denn selten hört man derart unikäre, sich selbst bewusste Musik in einem so magisch-milden Zusammenspiel. Chisholms Ton scheint vom Cool Jazz zu kommen und erinnert an Lee Konitz, doch denkt er den Gestus weiter in freie und avantgardistischere Zusammenhänge. In diesem dichten Bandgefüge nun hat er einen idealen Ort gefunden. Nichts ist hier laut oder auftrumpfend, alles hingegen ist ausgewogen, klug gewichtet und souverän, ohne dass deswegen die Spontaneität auf der Strecke bleiben würde.

Zarte und dichte Klanggespinste entwickeln sich, wenn Friedrich wie traumverloren mit Chisholm in Dialog tritt, Scholz und Lucaciu sensibel nuanciert grundieren oder gelegentlich weiter nach vorn treten. Dies ist kein Jazz der kraftmeiernden Muskelspielerein, es ist das engstens verzahnte Projekt einer Band. Vollkommen gleichberechtigt wächst eine ebenso schöne wie ungewöhnliche Musik. Ihr nun auf der CD folgen zu können, die am Sonntag in der Philippuskirche ihre Premiere haben wird, ist ein faszinierendes Erlebnis. Klangimpressionismus, geschmeidiger Nuancenpointillismus, ein ungeschwätziger Arbeitsprozess, in dem einfühlsam gemeinsame Ergebnisse realisiert werden, die von irisierender Schönheit sind.

Konzert von Nautilus am Sonntag, 20 Uhr, Philippuskirche (Aurelienstraße 54). Offizieller Veröffentlichungstermin der CD „Infrablue“ (Two Rivers Records) am 13. Mai

Von Ulrich Steinmetzger

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