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„Mit Geld fällt das Reichsein leichter“: Suters zweiter Allmen-Krimi spielt an der Ostsee

„Mit Geld fällt das Reichsein leichter“: Suters zweiter Allmen-Krimi spielt an der Ostsee

Im Januar erst ist Martin Suters Roman „Allmen und die Libellen“ erschienen – Auftakt zu einer neuen Krimireihe. Und schon legt der Schweizer Bestseller-Autor den zweiten Band nach: „Allmen und der Rosa Diamant“.

Leipzig. Für seinen Helden heißt das: Schöne Stunden an der Ostsee. Für die Leser: Spannung im Strandkorb oder Lesesessel.

Im Hotel Grand Duc machen die Ermittlungen mehr Spaß als in einem Armenviertel. Der Morgentee wird am Bett serviert, am Strand Champagner ausgeschenkt. Und das Meer ist an der Küste von Heiligendamm wie nirgendwo sonst: „dieser mächtige Gleichmut, diese verhaltene Verheißung, diese geheimnisvolle Symbiose zwischen Nord und Süd“. Genau die richtige Umgebung für Allmen, der sich eine Suite gönnt, um einen gewissen Artjom Sokolow zu observieren. Nebenbei bekommt er Aal nach einem Rezept aus der Camargue serviert, muss auf seine gewohnte Siesta nicht verzichten und lässt die Trinkgelder 100-Euro-weise fließen.

Fahndung nach Kunstwerken - bitte mit Butler

Der Kontrast der Ermittler-Charaktere gehört zum Besten an Suters Krimi: Johann Friedrich von Allmen – ein Snob neuer Schule. Er hat es vom Millionenerben zum Hochstapler gebracht, jetzt wartet er auf den internationalen Durchbruch seiner Agentur „Allmen International Inquiries“, Sitz in London, spezialisiert auf die Wiederbeschaffung wertvolle Kunstwerke, „The Art of Tracing Art“ lautet sein Slogan, die Kunst der Fahndung nach Kunst. Butler Carlos, einst Schuhputzer in Guatemala, ist Koch, umsichtiger Retter und schweigsamer Kompagnon, zuständig für Nachforschungen auf niedriger sozialer Stufe sowie alles, was mit moderner Technik zu tun hat.

Mit dem zwielichtigen Montgomery schneit ein lukrativer Auftrag ins Haus: In der Schweiz ist ein rosa Diamant für 45 Millionen Franken von einem anonymen Käufer ersteigert worden. Nun ist er verschwunden, der Diamant. Allmen soll ihn finden. Er nimmt den Auftrag an, nicht ohne den Vorschuss umgehend in Lebensqualität umzusetzen. Noch bevor er auch nur einen Finger krumm macht, stattet er seinem Maßschneider „einen Überraschungsbesuch ab und bestellte einen Dreiteiler aus wunderbarem Donegal“.

Mit dem Diamant ist auch der Verbindungsmann zu den mutmaßlichen Dieben verschwunden, wenn nicht sogar der Dieb selbst. Die Suche nach ihm führt Allmen zunächst in einen Nachtclub nach Schwarzegg und schließlich ins Grand Hotel nach Heiligendamm. Als dort zwei Amerikaner auftauchen, die ihm schon in seinem Schweizer Lieblingscafé Viennois aufgefallen waren, dazu noch zwei Engländer, die sich auffällig benehmen, wird Allmen klar, dass dieser Fall nicht nur so international ist, wie seine Agentur es zu sein vorgibt, sondern dass er nicht als einziger den Diamanten sucht. Auch, dass die Zeit verdammt knapp wird.

Der Tote im Hotel-Pool

Mit einem Toten im Hotel-Pool kommt Bewegung ins Versteckspiel und alles anders als gedacht. War zwischenzeitlich der Eindruck entstanden, Suter habe den Auftrag aus den Augen verloren und es sich mit Allmen in der Dekadenz gemütlich gemacht, zeigt er schließlich doch wieder, was er anderen voraushat: Souveränität als Erzähler. Die reicht von einer sicheren Hand beim Skizzieren des Personals, das er überschaubar hält – das Augenmerk gilt Allmen und, mit einigem Abstand, Carlos – bis zu den Handlungsfäden und -Strängen. Hier ist nichts grob zusammengezimmert. Alles fließt. Bis zum Finale, in dem es dann noch um IT-Business, Banken, Hedgefonds, Hochfrequenzhandel und den Millionen-Wert eines Ehrenwortes geht.

Zwar reicht „Allmen und der rosa Diamant“ wie schon sein Vorgänger nicht an die Suter-Klassiker „Lila Lila“, „Der Teufel von Mailand“ oder „Der letzte Weynfeldt“ heran, dazu fehlt es den Charakteren an Tiefe und dem Ton an Präzision, auch Bissigkeit, dennoch bereitet es Vergnügen, dem zunehmend liebenswerten Teilzeit-Privatier beim Snobben zuzuschauen, das ihn immer mal an den Rand eines Abgrunds führt. Allmen liest Cechov und Chatwin, spielt Klavier. Als er zum ersten Mal in seinem Leben Lebensmittel kaufen geht, wundert er sich „über den niedrigen Preis und hätte der Kassiererin aus alter Gewohnheit beinahe ein Trinkgeld gegeben“. Seine Philosophie: „Mit Geld fällt einem das Reichsein leichter.“

Was ihn und Carlos so sympathisch macht, ist die Unbeholfenheit im Umgang mit dem Bösen. Natürlich sind beide clever und gewitzt genug, für sich noch etwas herauszuschlagen. So ist’s auch ein modernes Märchen.

www.allmen-international.com

Janina Fleischer

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