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Mit Muddi, Vaddi und Monchi

Feine Sahne Fischfilet sind die heimlichen Headliner am zweiten Highfield-Tag Mit Muddi, Vaddi und Monchi

35 000 Fans von Rockmusik und Hip Hop haben am Wochenende beim Highfield-Festival gefeiert. Zur 20. Ausgabe kamen rund 40 nationale und internationale Bands und Solokünstler an den Störmthaler See bei Großpösna. Das Festival war wieder ausverkauft.

Monchi von Feine Sahne Fischfilet

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig, .

Vor der Green Stage ist bereits vor den ersten Akkorden von „Für diese eine Nacht“ vom aktuellen Album „Bleiben oder gehen“ kein Durchkommen mehr und der vom schweren Unwetter vom Vortag, noch schlammige Boden wird ein weiteres Mal ordentlich durchgeknetet. Da hatte Clueso den Festivalgängern mit einem frenetisch gefeierten Spontan-Auftritt trotz der Konzertabsage die Nacht gerettet. Wie es sich für Monchi gehört, gibt es nun auch beim Highfield vor jedem Song eine deftige Ansage, in diesem Fall: „Das nächste Ding geht raus an alle geilen Sachsen, die es noch geben mag, die nicht bei Pegida mitlaufen, die sich dem Rechtsruck in Deutschland entgegenstellen.“ Der Ton ist gesetzt, grüne und violette Bengalos sorgen für Atmosphäre.

Doch die Nordlichter können auch anders: Nach den „Geschichten aus Jarmen“, Monchis Heimatdorf, bedankt sich der Leadsänger ausdrücklich bei „Muddi“ und „Vaddi“, die immer für ihn da waren und zu ihm standen.Und nun kommen Herr und Frau Gorkow tatsächlich auf die Bühne und Monchi stimmt ein Tänzchen mit seiner Erzeugerin an. Bruder und Schwester sind, wie die Zuschauer erfahren, auch auf dem Highfield, und Herr Gorkow ergreift schließlich das Mikro, um der Menge noch viel Spaß auf dem Festival zu wünschen. Das Einzige, was nun noch fehlt. ist eine Runde Stagediven von Monchi, zu der es nicht überraschend auch kommt, wobei der Hansa-Rostock-Fan aber nur ein paar Meter erreicht. Mit „Wir sehen uns an der Ostsee“ verabschiedet sich Monchi – und wer möchte die Einladung ausschlagen?

Es gibt natürlich auch noch „richtige“ Headliner am Highfield-Sonnabend, Thees Uhlmann & Band kann man wohl dazu zählen. Auch der frühere Tomte-Sänger erwähnt eine Anekdote zu seiner Frau Mama – welche Welten Uhlmann und Monchi trennen, erläutert die Episode aber ganz gut, denn bei Uhlmann ist es eine Geschichte über das Sudoku-Spielen zu Weihnachten mit seiner Mutter. Statt Frau Uhlmann steht ein ganzes Orchester auf der grünen Bühne, mit drei Gitarristen, Bläsern und einem Keyboard, an dem die „wundervolle“ (O-Ton Uhlmann) Julia Hügel sitzt. Aber auch wenn es der Hamburger mit seinem gepflegten Poprock sicher nie in einen Verfassungsschutzbericht schaffen wird – die beiden Bands verbindet mehr als denkt. Uhlmann ist nämlich Fan von Feine Sahne Fischfilet und und kündigt am Ende seines Auftritts an, mit den Jungs später noch ordentlich einen bechern zu gehen.

Ein wahres Feuerwerk – und zwar im wörtlichen Sinne – brennen im Anschluss SDP ab. Die Jungs von der „bunten Seite der Macht“ halten sich nicht mit politischen Slogans oder vielschichtigen Melodien auf, stattdessen setzen Vincent Stein und Dag-Alexis Kopplin auf Spaß. Dazu werden zwei Sanitäter auf die Bühne gerufen, um zu bestätigen, dass Mund-zu-Mund-Beatmung bei einem Notfall die wichtigste Maßnahme ist. Und prompt versuchen sich die beiden an der Beatmung einer Gummipuppe – zu „Can you feel the love tonight“ von Elton John. Die Menge, nun wieder so zahlreich wie bei Feine Sahne Fischfilet, goutiert diesen Pennälerhumor offensichtlich.

Die Schotten von Biffy Clyro überraschen danach mit ihren formidablen Deutsch-Kenntnissen. Frontmann Simon Neil, der aussieht wie ein stark tätowierter Jesus, fragt etwa „Wie geht es Ihnen heute Abend“. Der an den Foo Fighters angelegte Progressive Rock geht zwar ordentlich nach vorn – letztlich sind Biffy Clyro aber nur das Vorspiel für das, was nebenan auf der der Blue Stage folgen wird: Kraftklub.

Die Chemnitzer ziehen offenbar so sehr, dass schon vor Beginn ihres Konzerts die am Rand stehenden Dixie-Klos bevölkert sind. Ihnen widmet Sänger Felix Brummer auch passenderweise den zweiten Song „Mein Leben“. Im Hintergrund tanzen derweil knapp 50 Jungs und Mädels einstudierte Choreografien, was man halt so hat als mittlerweile arrivierter Punkrocker.

Etwas Widerständigkeit haben sich Brummer und Co. aber erhalten, so erfährt das Publikum, dass er Probleme mit einem rechten Chemnitzer Stadtrat hat, weil er ihn „Vollidiot“ genannt hatte. Den Höhepunkt des Abends gibt’s, als Casper noch kurz vor seinem Auftritt auf der Green Stage rüberkommt und bei „Songs für Liam“ mitrappt. Brummer wird sich später dadurch revanchieren, indem er bei „Ganz schön okay“ ebenfalls erscheint und seine Rapqualitäten demonstriert. Man kennt und schätzt sich eben inzwischen in der Rock/Hip-Hop-Community.

Bei Casper Soloparts fällt sein großer Bewegungsradius auf. Mal steht der Bielefelder mit der Reibeisenstimme auf einer Empore über dem Rest der Band, dann taucht er plötzlich inmitten der Besucher auf einem Podest auf. Höflich ist er trotz früher harter Stücke („Mittelfinger hoch!“) auch und bedankt sich zum Ende hin mehrfach mit „vielen, vielen lieben Dank“ beim Publikum.

Das kann schließlich diesmal trocken und beseelt zu den Zelten zurückwanken und auf den letzten Festivaltag freuen, der ganz im Zeichen einer Band aus Düsseldorf stehen dürfte: den Toten Hosen.

Von Christian Dittmar

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