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Mit Streichern und Tuba feiert Die Kammer ihre neue Platte in Leipzig

Moritzbastei Mit Streichern und Tuba feiert Die Kammer ihre neue Platte in Leipzig

Es ist eine astreine Record-Release-Party. Das Singer/Songwriter-Kammerorchester „Die Kammer“ stammt zwar aus Hessen, feiert die Veröffentlichung des neuen Albums am Freitag aber in Leipzig – in der Moritzbastei. Nicht zufällig in der Stadt des Wave-Gotik-Treffens: Das Ensemble hat seine Wurzeln in der schwarzen Szene.

Eigentlich ein Singer/Songwriter-Kammerorchester: Max Testory (links vorne mit Ziegenbart), Matze Ambré (rechts daneben mit Locken) und die Kammer-Kollegen.

Quelle: PR

Leipzig. Ihr drittes Opus legt dieser Tage ein Oktett aus Hessen vor. Wobei die Gruppe ihre Werke nicht „Album“ sondern „Seasons“ betitelt. Auch sonst läuft Einiges anders bei dieser Band, die 2011 von dem Gitarristen Matthias „Matze“ Ambré und dem Sänger Marcus „Max“ Testory aus der Taufe gehoben wurde. Zunächst, dass sie keine richtige Band, sondern eigentlich ein Kammerorchester ist. Das aber spielt keine Klassik, sondern eher Folksongs und Bänkelsang, elegische Balladen und derbe Gassenhauer. Alles immer akustisch: Eigentlich habe wir es hier also mit einem Singer/Songwriter-Kammerorchester zu tun. Das bevorzugt klare Lied-Strukturen und lärmt nicht anarchisch herum. Aber dank der Unmenge an Klangkonstellationen, die sich aus einer sonoren Dunkelstimme, zwei Gitarren, Cello, Viola, Violine, Tuba, Bass und Schlagzeug entwickeln lassen, geht es hier alles andere als minimalistisch zu.

Am Ende bleibt akustische Musik immer eine Beschränkung, denn das Repertoire natürlicher Töne ist ja viel kleiner als das Spektrum dessen, was alles künstlich erzeugt werden kann. Max Testory kontert im tiefen Brustton der Überzeugung (der bei ihm die normale Stimmlage ist): „Ist es nicht tausendmal erfüllender, ein Werk von Hand zu formen, als es maschinell erzeugen zu lassen? Die Suche nach immer neuen akustischen Klangquellen hat auch etwas für sich. Es weckt den kindlichen Entdeckergeist in uns. Alleine das ist bereits Kopfkino ...“

Matze Ambré war früher bei der Band ASP, Testory der Kopf des „orchestre chambre de noir“, später „chamber“ (Ähnlichkeiten mit dem heutigen Namen sind natürlich rein zufällig). Das verschaffte ihnen einige Vorschusslorbeeren in der schwarzromantischen Szene. Eigentlich sind sie aber keine Dunkelkammer, bedienen jedenfalls keines der verbreiteten Grufti-Klischees. Trotzdem werden ihre Konzerte vor allem von mehr oder weniger deutlich als solche erkennbaren Gothics besucht.

Sinistre Genießer

Max Testory hat da eine eigene Sicht: „Gegenwärtig besteht ein Bild der ,Schwarzen’ Szene, das eigentlich nur einen kleinen Ausschnitt repräsentiert. Es gibt aber offensichtlich immer noch jene sinistren Genießer, die Vielseitigkeit und Andersartigkeit suchen und schätzen. Wir sind biographisch seit langem mit der Gothic-Szene verbunden. Dabei meinen wir ausdrücklich jene, die wir aus unseren frühen Jahren kennen. Eine weltoffene, friedliche, kunstbegeisterte, philosophische schwarze Szene.“

Neben den samtweichen Streichern unterm warmen Organ Testorys ist „Die Kammer“ sofort an der Tuba zu erkennen, die unter den meisten Liedern tief und rhythmisch pulsiert. Das ist ja nun tatsächlich äußerst selten im Pop. Bei der Suche nach Vergleichbarem läuft schnell das bayerische Spaß-Blas-Kommando „La Brass Banda“ übern Weg. Deren Tieftöner umschrieb jüngst seine eigentlichen künstlerischen Beweggründe mit: „Tubist wird man nicht aus hehren Gründen. Tubist wird man, weil man für ein anspruchsvolles Instrument keinen Ehrgeiz hat. Oder weil man nicht üben will, aber trotz­dem auf die Biermarken beim Volksfest spechtet ...“

Inniges Gefühl aus einem dicken Blasrohr

„Matze“ Ambré wehrt an dieser Stelle energisch ab: Keinesfalls wollen sie mit jener Kapelle verwechselt werden (nicht mal verglichen!), und ihre Tuba als Gaudi-Tröte verballhornt sehen: „Die Tuba spielt in unseren Arrangements in der Tat anspruchsvolle Lines, oft in Bereichen, wo so mancher Tubist gar nicht erst hinkommt!“, ist ihm wichtig zu unterstreichen.

Der solcherart gelobte Dirk Klinkhammer winkt lächelnd ab: „Ich wäre ja Schlagzeuger geworden, aber da ist man nach dem Konzert-Abbau immer der letzte an der Frittenbude.“ Schönes Understatement – dabei holt der Mann mehr inniges Gefühl aus seinem dicken Blasrohr als andere aus einem Cello.

Fast überflüssig hinzuzufügen, dass diese Art des hautnahen, authentischen Musizierens vor allem im Konzert ihre besondere Magie entfaltet. Am Tage der Albumveröffentlichung spielt die Kammer in der Tonne: eine echte Record-Release-Party in der MB.

Die Kammer, davor Delva, Freitag, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9), Abendkasse 22 Euro. „Season III: Solace In Insanity“ erscheint am 5. Februar bei Delicious Releases/Membran.

Von Lars Schmidt

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