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Mit und ohne Gebrauchsanleitung – Diplome in der HGB

Ausstellung Mit und ohne Gebrauchsanleitung – Diplome in der HGB

In der HGB sind die Diplomarbeiten des Sommersemesters 2017 zu sehen – eine Momentaufnahme im langen Prozess zwischen Grundstudium und Markterfolg. Es ist ein Blitzlicht, aber in einem entscheidenden Augenblick.

Skulptur & Spiel von Stephan Kopiczinski – zu sehen in der HGB-Ausstellung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vereinzelte Regentropfen können der Stimmung nichts anhaben. Das mit der Diplomvergabe verbundene Sommerfest ist einer der Höhepunkte im HGB-Kalender. Im Unterschied zum Interregnum des Vorjahres heißt es diesmal Willkommen und Abschied. Während die erfolgreich abschließenden Studierenden den Kokon verlassen, ist der neue Rektor Thomas Locher eingetroffen.

Noch ein Unterschied ist die einigermaßen harmonische Gewichtung zwischen den Fachbereichen, auch wenn das optisch nicht so auffällt. Trotzdem: Es scheint wieder Normalität eingezogen zu sein. Zu dieser Normalität gehört aber mittlerweile auch das Überschreiten von Spartengrenzen, die Lust am Vermischen und Verwischen. Wo Malerei draufsteht, muss nicht Malerei drin sein. Und so weiter.

Das merkt man schon beim Eintritt in die Galerie. Stephan Kopiczinski hat einen Schwarm von skurrilen Gestalten aufgebaut – Assemblagen aus diversen Materialien. Studiert hat er allerdings Fotografie in der Klasse Peter Pillers, des Professors, der mehr mit Karteikarten als mit dem Fotoapparat arbeitet. Aus dieser Klasse kommt auch Kristina Jurotschkin, die „Eine Art Schiff“ vorstellt. Das Wort Schiff wird aus schlanken Metallbuchstaben gebildet, dazu gehört eine von Science Fiction inspirierte Textmappe.

Bei der Bezeichnung Klasse für Malerei mit medienübergreifender Ausrichtung kann man schon erwarten, dass nicht Öl auf Leinwand präsentiert wird. Olga Monina zeigt stattdessen die Bilanzen ihrer fiktiven Bravo AG. Realer sind dagegen die Fakten, die Lea Kontak aus der Klasse für Systemdesign als Audiodatei zusammengestellt hat. Sie beziehen sich auf die Arbeit der Produzentengalerie B2, die Präsentation von Kunst wird also selbst zum Kunstwerk.

Spielarten der Moderne

Es mangelt nicht an Arbeiten, bei denen der Außenstehende sich fragt, ob das denn wirklich Kunst sei. Manche bewegen sich an der Schnittstelle zur Wissenschaft. So die Intervention von Anne Retsch im Grassi Museum für Völkerkunde, die sich kritisch mit dem kolonialen Erbe solch einer Einrichtung beschäftigt. Nah dran an der Forschung scheinen auch die Fotos von Alba Frenzel zu sein. Sie seziert das Innenleben gewöhnlicher Eier derart intensiv, dass man den Gegenstand nicht wiederererkennt. Und Steffen Kraska hat es geschafft, die winzigen Störungen im Glaskörper unseres Auges abzubilden.

Bei solchen Arbeiten ist es gut, Erklärungen in die Hand zu bekommen. Auch das ist ein Unterschied zum Vorjahr. Olga Vostretsova hat als Kuratorin ein informatives Heft zusammengestellt, das dank der Gestaltung durch Paul Ludwig Berzl und Jacob Schenck zur typografischen Spielwiese geworden ist.

Doch es finden sich auch Werke, die das Herz des traditionsorientierten Besuchers aufgehen lassen, sofern man zur Tradition auch die Spielarten der Moderne zählt. Céline Ducrot hat mit der Airbrush-Pistole Personen „In Balance“ gebracht. So nennt sich das ausgestellte Bild. Die benachbarten Keramikmodelle von Sprungtürmen von Varinka Schreurs kommen vertraut vor, in ihrer Schieflage aber nicht vertrauenswürdig. Solide Grafiken und Malereien von Pflanzen zeigt Soenke Thaden. Die Drucke von Malte Pätz haben zwar einen Recherche-Hintergrund, lassen sich aber problemlos auch einfach als Abstraktionen lesen.

Nur eine Momentaufnahme

Objekte der Buchkunst sind naturgemäß unscheinbarer als Installationen oder wandfüllende Bilder. Um diesem Understatement etwas entgegenzuwirken, hängen diesmal einige der Objekte frei im Raum. Bei Lukas Weidingers Broschüre „Teresa Rudolf“ aber darf und soll man auf die Leiter steigen, um Details der großformatigen, aber zarten Tuschezeichnung auf der zugehörigen Papierbahn erkennen zu können. Bei den diversen Videos hingegen liegt die Herausforderung der Rezeption eher darin, dass man sich Zeit nehmen muss.

Bezeichnend für den Moment der Diplomvergabe mag der von Fidschi Fischer aus dem vergänglichen Material Plastilin geformte Geldschein sein. Knete werden die Absolventen zukünftig brauchen, um zu bestehen. Vom Besucher der Ausstellung ist allerdings Kopfarbeit gefordert. Nicht allein, weil hier zumeist nur kleine Ausschnitte aus der Diplomarbeit gezeigt werden können, die Satelliten in diversen Galerien aber nur kurze Zeit rotieren.

So kann man Anna Georgius gezeigte Paintball-Waffe nur verstehen, wenn man um die Einbindung in eine psychologische Versuchsanordnung weiß. Vor allem muss man sich auf den Gedanken einlassen, dass es nur eine Momentaufnahme sein kann in einem langen Prozess zwischen Grundstudium und Markterfolg. Es ist ein Blitzlicht, aber in einem entscheidenden Augenblick.

Diplomausstellung: bis 12. August, Di–Fr 14–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr; Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstr. 11

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In der HGB sind die Diplomarbeiten des Sommersemesters 2017 zu sehen – eine Momentaufnahme im langen Prozess zwischen Grundstudium und Markterfolg. Es ist ein Blitzlicht, aber in einem entscheidenden Augenblick.

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Von Jens Kassner

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