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Mutter, Parteisoldatin, DDR-First-Lady: Lotte Ulbricht im Portrait

TV-Doku Mutter, Parteisoldatin, DDR-First-Lady: Lotte Ulbricht im Portrait

Einsam und verbittert stirbt Lotte Ulbricht im März 2002. Ihren Mann Walter Ulbricht, Spitzenpolitiker in der DDR, hat sie um fast 30 Jahre überlebt. Nun gibt ein Film Einblicke in das Privatleben der einstigen Politikergattin.

Walter Ulbricht und Gattin Lotte (vorn) nach der Besichtigung der neu eröffneten Gaststätte "Teepott" am Warnemünder Leuchtturm am 8. Juli 1968. (Archivbild)

Quelle: dpa

Berlin. Kalt, rabiat, herrschsüchtig - das sagt eine Tochter über ihre Mutter. Am Ende ihres Lebens sind beide einsam und voller Bitterkeit. Das Dokudrama „Zwischen Parteidisziplin und Mutterrolle“ beleuchtet die Rolle der strammen Parteifunktionärin Lotte Ulbricht und ihr ambivalentes Verhältnis zur Adoptivtochter Beate.

Der Streifen wird am 2. August (20.15 Uhr) im MDR Fernsehen ausgestrahlt. Mehr als zehn Jahre nach ihrem Tod - Lotte Ulbricht starb im März 2002 im Alter von 98 Jahren - gibt der Film bislang unbekannte Einblicke in das Leben der Witwe des früheren DDR-Staats- und SED-Chefs Walter Ulbricht. Sein Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, ging als Täuschung der Weltöffentlichkeit in die Geschichte ein.

Als graue Eminenz, die ihren Mann an der Spitze der DDR steuerte und auch durch Krisen manövrierte, wird Lotte Ulbricht gezeichnet - als strenge, eiserne SED-Funktionärin, die alles im Griff hat - nur die eigene Familie nicht. Historiker Stefan Wolle sagt in dem Dokudrama:
„Sie war sehr präsent - sie war eine Ikone negativer Art“. Der Film sucht im Werdegang von Lotte Ulbricht nach Erklärungen.

Die als Lotte Kühn geborene Berlinerin, die mit 18 Jahren in die KPD eintrat, habe in der Partei vor allem gelernt: absolute Disziplin, heißt es. In einer Szene des Films, der zwischen Dokumentation und Spielfilm pendelt, bellt Lotte im Moskauer Exil in einer Diskussion:
„Kein Aber, Genosse“. Jahre später wird sie ihre kleine Tochter wegen ein paar Minuten Verspätung mit Stubenarrest bestrafen - „Zu spät ist zu spät.“ Lotte war während der Nazi-Zeit ebenso wie ihr späterer Mann Walter in die Sowjetunion emigriert. Dort funkte es zwischen beiden. Die Jahre des stalinistischen Terrors hätten ihre Beziehung noch gestärkt, lautet ein Filmkommentar.

1945 kehrt das noch nicht verheiratete Paar in den Osten Deutschlands zurück. Ihr politischer Aufstieg beginnt. Für eigene Kinder ist es für Lotte bereits zu spät. So adoptiert sie 1946 in Dresden die Tochter einer sowjetischen Zwangsarbeiterin, die bei einem Bombenangriff ums Leben kam. Wohl wegen der Beziehungen von Walter Ulbricht sei die Vermittlung zustande gekommen. Autor Steffen Jindra hat eine bislang unbekannte Akte ausgebuddelt: Danach hatte die Zweijährige bereits Adoptiveltern, sie wurde ihnen weggenommen.

Aus der kleinen Maria wird Beate, die sich zu einer sozialistischen Persönlichkeit entwickeln soll. 1953 zeigen sich die Ulbrichts erstmals im DDR-Fernsehen als Bilderbuch-Familie: Die Eltern spielen lachend Tischtennis, die Neunjährige taucht am Gartentisch die Feder ins Tintenfass und erledigt ihre Hausaufgaben.

Doch Beate passt nicht in das Schema der Funktionärin, macht der Film deutlich. In der Schule wird das Kind gemobbt wegen seiner Eltern, zu Hause lastet der unheimliche Erwartungsdruck der Adoptivmutter. Die Tochter kommt in ein Internat in der Sowjetunion und macht dort ihren Schulabschluss. Dass sich Beate in einen Italiener verliebt, ist für Lotte Ulbricht schwer zu ertragen. Die Tochter muss nach Berlin zurück.

Eine Journalistin hat die Ulbricht-Tochter nach dem Mauerfall in Ost-Berlin ausfindig gemacht und die arbeitslose, alkoholkranke Frau im August 1991 interviewt. In den präsentierten Mitschnitten gibt sie zu Protokoll: „Ich hatte zu essen, zu trinken, anzuziehen, aber im goldenen Käfig war keine Liebe.“ Oder über ihre Mutter: „Sie hat mir zu viel angetan, weil sie eben die Macht hatte.“ Drei Monate später wurde die 47-jährige Beate tot in ihrer Wohnung gefunden.

Adoptivvater Walter war bereits 1973 im Alter von 80 Jahren gestorben. Seinen Nachfolger Erich Honecker soll Lotte Ulbricht gehasst haben, da er das politische Erbe ihres Mannes verspielt habe. Ausgerechnet der politische Ziehsohn Ulbrichts hatte dessen Sturz zusammen mit Moskau 1971 eingefädelt. Ulbricht, der seit 1960 nicht nur an der Spitze der SED stand, sondern auch Staatschef war, wird im Film aber nur am Rande gestreift.

Nach der Entmachtung ihres Mannes wird es still um Lotte Ulbricht. Die einstige Funktionärin lebt zurückgezogen in Berlin-Pankow. Nach dem Mauerfall wehrt das einstige Energiebündel mit dem Krückstock Versuche der Presse ab, mit ihr ins Gespräch zu kommen. Noch 2001 sagt sie: „Ich habe niemandem etwas mitzuteilen.“

Jutta Schütz

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