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Nach wie vor erstklassig zum Schwitzen und Toben: Lagwagon in Leipzig

Werk 2 Nach wie vor erstklassig zum Schwitzen und Toben: Lagwagon in Leipzig

Den zugleich hart asphaltigen wie sehr relaxt sonnensatten Skate-Punk-Sound beherrschen Lagwagon noch immer erstklassig. Am Dienstag gastierte die lässige Band aus Kalifornien in der solide besuchten Halle D des Werk 2.

Wie die Orgelpfeifen: Chris Flippin, Joe Raposo und Joey Cape (von links) am Dienstag in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Wie die Zeit vergeht – und sich manches doch nie ändert. Am Dienstag gastierten in der solide besuchten Halle D des Werk 2 die Krachmacher von Lagwagon. Jene Jungs also, die einst, im letzten Jahrzehnt des alten Jahrhunderts war das, entschieden mithalfen, eine gewisse kalifornische Lässigkeit in den Punk zu bringen. Und wem damals schon Deutsch-Punk zu bräsig war oder die britische Variante auf Dauer zu dreckig depressiv wurde, der durfte dankbar sein für diesen Sunny-Side-Garagen- Sound von der US-Westküste.

Im Kontext war das, wie ein Bier in sich rein gluckern zu lassen, das mal nicht schal und lauwarm, sondern frisch und kalt ist. Denn auch, wenn diese Musik gern brodelt, so tut sie das doch in jenem zugleich hart asphaltigen wie sehr relaxt sonnensatten Skate-Punk-Sound, der tatsächlich immer noch bestens funktioniert. Und den Lagwagon erstklassig beherrschen.

Kindsköpfige Santa-Barbara-County-Unbekümmertheit

Da kann die Zeit vergehen, wie sie will, und sich unter Bandleader Joey Capes T-Shirt dezent die Plauze wölben. Das Kumpelhafte im Erscheinungsbild mag das verstärken, das erstklassige Frontmann-Charisma indes keinesfalls schmälern. Kurze, freundliche Interaktionen mit dem Publikum, ein paar Worte hier, ein Bierprosten dort, dann kurzes Taktvorgeben und los geht’s. „Move the Car“, „Alien 8“, „May 16“ – die Songs explodieren zwischen rasantem Tempo und effektvollen Rhythmus-Verschleppungen. Ein Hoch und Runter aus Beschleunigen und Abbremsen, Steigungen nehmen und ins Tal brettern. Ja: Move the Car! Vom ersten Moment an wogt, pogt, wippt es dazu vor der Bühne.

Auf der es nach wie vor auch seinen optischen Witz hat, wie Chris Flippin, ein Hüne, in dessen Pranken seine Gitarre wie aufs Format einer Ukulele geschrumpft wirkt, und Bassist Joe Raposo – sehr klein, ziemlich exaltiert, ausgesprochen energiegeladen – interagieren. Rich Kids on LSD hieß die Band, in der beide schon in den 80ern zusammen musizierten. Was hier auch deshalb erwähnt sei, weil so ein Bandname einfach erwähnt werden muss.

Und weil es zeigt, wie die Zeit vergeht, wie lange man sich inzwischen kennt. Und immer noch klar kommt miteinander. Lagwagon haben sich erfolgreich einiges von dieser immer auch etwas kindsköpfigen, sonnigen Santa-Barbara-County-Unbekümmertheit bewahrt. Sind, wie es mal geschrieben stand, die wahrhaftig „letzten authentischen Skate-Punk-Vertreter der ersten Stunde“. Musik zum Schwitzen und Toben. Zum Kopfwippen und Biernippen – kaltem und frischen, versteht sich.

Von Steffen Georgi

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