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Nadina Maria Schmidt präsentiert Lyrik-Album

Leipziger Singer-Songwriterin Nadina Maria Schmidt präsentiert Lyrik-Album

Singer-Songwriterin Nadine Maria Schmidt hat ein neues Album: Auf „Ich bin der Regen“ vertont sie mit ihrer Band und Gastmusikern Lyrik aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Am 21. Mai präsentiert die 35-jährige Leipzigerin das Werk im Neuen Schauspiel Leipzig. Wir sprachen zuvor mit ihr.

Ausdrucksstarke Stimme, ausdrucksstarke Lieder: Nadine Maria Schmidt.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Singer-Songwriterin Nadine Maria Schmidt hat ein neues Album: Auf „Ich bin der Regen“ vertont sie mit ihrer Band und Gastmusikern Lyrik aus dem 20. und 21. Jahrhundert, unter anderem von Eichendorff, Rilke, Mörike, Lasker-Schüler und Ringelnatz. Am 21. Mai präsentiert die 35-jährige Leipzigerin das Werk im Neuen Schauspiel Leipzig. Wir sprachen zuvor mit ihr.

Hast Du ein positives Verhältnis zum Regen?

Ja. Auf jeden Fall. Ich verbinde mit Regen wohltuende Reinigung; er ist das wesentliche Element für Wachstum. Und ohne den Regen zu kennen, könnten wir die Sonne vielleicht gar nicht so intensiv genießen, wie es die Gesichter der Menschen gerade jetzt im Frühling wieder so schön zeigen.

Warum hast Du diesmal Gedichte vertont?

Ich wollte von mir selbst und eigenen Texten Urlaub machen. Ich wollte gern vermeiden, mich zu wiederholen. Zudem war es für mich an der Zeit, „Fremdes“ in meinen Liedern zuzulassen und so die Schönheit der Texte anderer Autor und Autorinnen hervorzuheben. Ich liebe Lyrik.

Nach welchen Kriterien hast Du die Gedichte ausgesucht – nach musikalischem Potenzial, nach innerer Verwandtschaft?

Weder noch. Tatsächlich habe ich die Auswahl fast komplett dem Zufall überlassen. Ich habe mir verschiedene Gedichtbände genommen, mit geschlossenen Augen eine Seite aufgeschlagen, mit dem Finger auf ein Gedicht gezeigt und es gleich, ohne es gelesen oder verstanden zu haben, vertont. Und verrückterweise hatte fast jedes Gedicht etwas mit mir und meinem derzeitigen Leben zu tun. Es war manchmal schon unheimlich.

Durch Texte von Selma Meerbaum-Eisinger, Else Lasker-Schüler und sowie den Briefwechsel von Sophie Scholl mit Fritz Hartnagel tauchen mehrfach Texte von Menschen auf, deren Schicksale eng mit dem Nationalsozialismus verbunden sind. Das soll Zufall sein?

Ich bin genauso verblüfft darüber. Aber ich glaube eigentlich auch nicht an Zufälle. „Denk es, o Seele“ von Mörike beispielsweise handelt davon, dass der Tod uns jeden Tag einholen kann. Als ich das Gedicht vertont hatte, fragte ich mich, was genau das mit meinem derzeitigen Leben zu tun habe. Ein paar Tage später erhielt ich die Nachricht, dass genau an diesem Tag eine mir sehr nahestehende Person ihr Kind verloren hat. Das ging und geht mir immer noch sehr nah.

Ein paar Werke hast Du dezent verändert: Das besagte „Denk es, o Seele!“ zum Beispiel hat eine weitere Strophe. Wer sind die schwarzen Männlein?

Das sind die Sargträger. Klingt zwar düster, ist es aber gar nicht so sehr. Viel mehr fordert uns das Gedicht auf, bewusster mit dem Leben umzugehen und es wertzuschätzen. Ich kann auch wieder gar nicht sagen, warum ich das verändert habe. Ich habe es einfach getan.

Warum fehlt in Lasker-Schülers „Mein blaues Klavier“ die Strophe „Ach liebe Engel, öffnet mir“?

Es mag komisch klingen, aber ich bringe manche Worte wie „Engel“ nicht über meine Lippen. Ich habe gar nichts gegen das Wort an sich, aber ich bekomme dann richtig körperliche Gegenreaktionen. Deshalb musste ich es weglassen. So hat sich aber der Sinn auch nochmal „zufällig“ verschoben. Nun beweine ich die „blaue Tote“ und sehe die Dichterin selbst vorm inneren Auge.

Du hast Nominierungen für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik bekommen, außerdem den Förderpreis der Liederbestenliste 2016, warst in der „Zeit“ und anderen Medien gut vertreten. Da kann man glatt von Ruhm sprechen. Glaubst Du, dass Dich die große Aufmerksamkeit verändert hat und inwiefern?

Wenn, dann hoffentlich zum Positiven. Wir verändern uns jeden Tag mit jeder neuen Erfahrung. Was ich aber bestimmt sagen kann: Ich bin sehr dankbar für die Wertschätzung von außen. Das gibt mir immer wieder Auftrieb, Mut und Kraft weiterzumachen. Und ich weiß, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Genau wie all die wunderbaren Menschen, die dieses Projekt unterstützen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle.

Die Liedermacher-Schiene ist nicht gerade die bevorzugte, wenn es im Musikgeschäft um Karriere geht. Spielt das für Dich eine Rolle?

Nein. Ich hab da auch keine Wahl. Ich mach das, was aus mir herauskommt. Mal ist es ein Liedchen, mal höre ich ein Großarrangement. Auf den Alben verwirkliche ich die Musik so, wie ich sie auch gern live spielen würde. Dabei habe ich das große Glück, mit wundervollen eigenständigen Musikern arbeiten zu dürfen, die sich mit ihrer Individualität einbringen. So finden auch Jazz, Klassik, Chansoneskes und manchmal auch Rockiges ihren Weg in die Songs.

Wie strategisch denkst Du, wenn Du ein Album planst? Hat man den breiten Geschmack im Hinterkopf?

Musikalisch kommt komplett alles aus dem Bauch und lebt vom Emotionalen, das kann und will ich nicht steuern. Alles andere würde sich nicht richtig anfühlen. In Sachen Planung, Werbung und Organisation denke ich dagegen schon sehr klar und sortiert.

Du hast Deutsch als Fremdsprache studiert – bundesweit werden Deutschlehrer benötigt. Würde Dich das reizen?

Ich fühle mich dem Lehrerberuf leider nicht gewachsen. Die Musik fühlt sich richtiger an.

Das Thema Flucht treibt Dich um, wie man an den Liedern „Aluna“ oder „Aleyna – Kinder von Idomeni“ sieht. Was bewirken solche Stücke im Idealfall?

Ich habe mit diesen Liedern viel Intensives erlebt. Positives, aber auch Negatives. Anlässlich des Songs „Aluna – Meine Mutter war ein Flüchtling“ hat mir jemand mal geschrieben, dass der Song ihn zu Tränen gerührt und sich sein Blick auf die Thematik verändert hat. Das hat dann zu Tränen gerührt. Immer wieder weinen Menschen bei den Liedern. Weinen ist ja letztendlich wie Regen. Eine wohltuende Reinigung. Vor kurzem hat jemand unter dem Video den Kommentar geschrieben: „Vielen Dank aus Syrien“.

Gibt es noch oder wieder Kontakt zu jener Ärztin, die Dir wegen der Knötchen auf den Stimmbändern dringend vom Singen abgeraten hat?

Haha, nein. Aber ich muss ihr dankbar sein. Vielleicht hätte ich sonst gar nicht so viel Kraft entwickeln können, es dennoch zu wollen.



Interview

Release-Konzert am 21. Mai, 20 Uhr, Neues Schauspiel Leipzig; außerdem am 26. Mai im Mühlkeller. www.nadinemariaschmidt.de.

Von Mark Daniel

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