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Natur, geformt nach der Vereinsordnung: Das Kleingarten-Theaterstück "Utopie eigene Sparte"

Natur, geformt nach der Vereinsordnung: Das Kleingarten-Theaterstück "Utopie eigene Sparte"

Performance in Parzelle 183. Kleinkunst im Kleingarten. "Utopie eigene Sparte" nennt Regisseurin Romy Kuhn ihre theatrale Laubenpieper-Erkundung. Ein Stück in und über Schrebergärten.

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Spießigkeit ist die neue Coolness: Detlef Vitzthum und Jana Rath in Parzelle 183 des Schleußiger Kleingärtnervereins "An der Dammstraße".

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Am Donnerstag war Premiere im Kleingärtnerverein "An der Dammstraße".

Und dort steht man dann vor besagter Parzelle am Zaun und blickt auf Rasen, Rabatte, Bungalow und Bäumchen. Quadratmeter, die die Welt bedeuten. Zumindest für den echten Laubenpieper, der hier bald in Person Detlef Vitzthums auftritt. Der ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Kleingärtner und weiß so aus unmittelbarer Erfahrung, wovon er spricht. Ob das auch für Jana Rath gilt, ist schwer zu sagen. Ein wenig fremd wirkt sie schon, die Tänzerin und Choreographin, wie sie sich da so durchs Terrain bewegt.

In der Typologie des Biedersinns nimmt sich der Schrebergarten als Prachtexemplar aus. Natur, geformt nach der Vereinsordnung. Ein sehr deutsches Paradies, das vielen schon zugleich als Amsel beflötetes Abbild der Hölle erschien. Doch diese Wahrnehmung ändert sich: In Zeiten der Globalisierung und Beschleunigung, gibt es den Gegenreflex. Es ist einer der Regression. Und einer, der zugleich das Kunststück schafft, diese als modern und hip aufscheinen zu lassen. Spießigkeit ist die neue Coolness. Und wenn schon die Werbung derlei laut trötet, weiß man, wie en vogue das inzwischen wieder ist.

Das Problem an Kuhns Inszenierung nun ist, dass sie diese Aspekte nicht wirklich anreißt, geschweige kritisch vertieft. Das heißt nicht, dass es darum ginge, den Gedanken des Schrebergartens oder gar die Schrebergärtner als solche zu diskreditieren. Das wäre Blödsinn, auch unlauter und mithin langweilig. Aber Theater ist, um mal im Bild zu bleiben, nicht Rasenmähen, sondern nach Wurzeln graben.

"Utopie eigene Sparte" hat da ganz offensichtlich andere Intentionen. Ist Dokumentartheater im Habitus des ZDF-Fernsehgartens. Und mit dessen Substanz im Grunde auch. Putzige Unterhaltung mit Schlager vom Band, Smetanas Wolga-Wogen und hübsch skurrilen Tanzeinlagen. Mit kleinen Spielszenen samt Exkursen zu Ameisen oder Wildkaninchenplage oder jenen Querelen zwischen Laubenpieper Alt (Vitzthum) und Jung (Rath), die im Fernsehgarten-Jargon gern "heiter" genannt werden. Passend dazu Romy Kuhn, die sozusagen als Andrea Kiewel ohne Gewichtsprobleme die Moderatorin des Ganzen gibt, Statistiken und Anekdoten reicht und natürlich auch mal die Kapitel "Drittes Reich" und "DDR" streift. Da hat man keine Berührungsängste, da greift man auch mal beherzt ins Mistbeet. Die Heiterkeit trübt das nicht.

Einmal nur ist das anders, gibt es in dieser Performance den Spatenstich der tiefer geht: Wenn Vitzthum, der Alte, sich der Eltern erinnert. Deren Glück im Garten, dem kleinen Refugium, in dem das große Unglück der Welt nichts verloren hat. Dieser Welt den Rücken kehrend, gebückt übers Blumenbeet - Vitzthum bringt in seinem Monolog etwas zum Schwingen von dieser Sehnsucht. Und der Fernsehgarten wird für Momente tolles Theater.

"Utopie eigene Sparte", wieder heute (Samstag), 19.30 Uhr, morgen, 16 Uhr, 13. Juli, 19.30 Uhr, 17. August, 16 und 20 Uhr, Kleingärtnerverein an der Dammstraße, Parzelle 183, Eintritt frei

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.06.2013

Steffen Georgi

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