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Nena und Band lassen auf der Leipziger Parkbühne musikalische Luftballons steigen

Konzert Nena und Band lassen auf der Leipziger Parkbühne musikalische Luftballons steigen

Zu einer Zeitreise zurück in die Gefilde der Erinnerung luden Nena und Band auf der Leipziger Parkbühne. Zu „99 Luftballons“ schwebten Ballons mit der Aufschrift „Love“ übers Publikum. „Nur geträumt“ sang die 57-Jährige wie es sich gehört: mädchenhaft rotzig.

Nicht nur geträumt: Nena und Band auf der Parkbühne.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Sinniges sinnieren über Sein und Zeit: „Vielleicht ist es zu früh, vielleicht ist es zu spät, vielleicht ist es genau jetzt.“ Nun ja, zumindest der Moment als diese Zeilen aus den Boxen der Parkbühne schallten, lässt sich relativ genau bestimmen: Es war Freitag, 11. August, gegen 20.25 Uhr. Und in Anbetracht des Altersdurchschnitts des zahlreich erschienenen Publikums, wohl wirklich der Beginn einer kleinen Zeitreise zurück in die Gefilde der Erinnerung. Für ordentlichen Wind sorgten Nena und Band mit altbekannten Hits und dem sportivem Elan engagierter Fitness-Animateure.

Denn gleich zu Beginn und dann wieder und wieder, wird von der Bühne herab aufgefordert, die Arme hochzureißen, auf dass man damit diese ja immer etwas hüftsteif schwankenden Links-Rechts-Bewegungen einer rhythmischen Sportgymnastik vollführe, die irgendwie Voraussetzung auch für das sein müssen, was Nena umtreibt: „Lasst uns das Leben feiern! Ich will euch hören!“ ruft sie dem Publikum zu. Später folgt ein „Lasst die Sau raus! Lasst den ganzen Scheiß raus!“ samt „Leipzig flippt total aus!“. Bevor es tatsächlich soweit ist (auch, wenn die Gefahr nicht wirklich drohte), wird dann doch lieber noch eine Verschnaufpause verordnet. Wortwörtlich eine „Schweigeminute“ ist es, die man zur Konzerthalbzeit einlegt. Wofür war die jetzt gleich wieder? Sorry, vergessen. Den Weltfrieden? Oder die Liebe? Besseres Wetter? Oder den Traum von der ewigen Jugend?

Schon seltsam. Aber reden wir hier nicht länger über Plattitüden und schon gar nicht übers Alter, sondern mal über alterslose Songs. Nach dem Konzert-Opener „Genau jetzt!“ vom 2015er-Album „Oldschool“, folgt da nämlich umgehend „Nur geträumt“ von 1982. Und es ist exemplarisch: Wo beim neueren Stück unter der Soundschminke des Zeitgeistes die popmusikalische Vergreisung greint, ist die 35 Jahre alte Nummer von einer Frische und Unbekümmertheit, die eben wirklich nur guten Popsongs eigen ist. Und das hat nichts damit zu tun, dass einschlägige Jugenderinnerungen eventuell das Gehör mit Sentimentalität korrumpieren.

„Nur geträumt“ ist von dieser schnörkellosen Wave-Geradlinigkeit der frühen 80er imprägniert und textlich wie auch im Gesangsstil von jener dazu passend mädchenhaft rotzigen „Mir doch egal, was ihr davon haltet“-Attitüde, die Nena in diesem Maß tatsächlich nur auf ihrem Debütalbum hatte. Das „Leben feiern“ vollzieht sich hier zwischen bräsigem Faschings-Techno-Beats („Oldschool Baby“, entstanden in Allianz mit DJ WestBam) und immer wieder unmittelbar eingängigen Melodien. Zwischen so einigem Geschwätz und dem hübschen Trotz einer Zeile wie „Niemand kann mir sagen, was hier das Beste ist/ das hab ich auch noch nie vermisst…“.

Die Frage ist nur: Mag man genau das noch glauben? In Zeiten einschlägiger Casting-Shows, samt geballter Ratgeber-Kompetenz der dort jeweils versammelten Juroren (zu denen ja auch Nena schon gehörte), weiß doch immer irgendwer in Ausführlichkeit „was das Beste ist“. Pop, ein Business für dauerlabernde Marktstrategen und Star-Imitatoren. Entsprechend klingt dann halt auch inzwischen die Musik. Irgendwie „breit aufgestellt“, ohne Ecken und Kanten, dafür ordentlich produziert und insgesamt nach fleißigen Einser-Schülern. Gilt gerade auch für musizierende Juroren.

Nena inklusive. Mit ihrer sechsköpfigen Band plus zwei Backgroundsängerinnen und einem Sänger, der als Sidekick gelegentlich in jener Soul-Stimmlage knödeln darf, die man vorrangig in Deutschland als soulig empfindet, ist man schon mal personell breit aufgestellt. Was das darüber hinaus heißt, lässt sich dann gerade an den „99 Luftballons“, dem allseits erwarteten Höhepunkt des Konzertabends, bestens hören.

Schnörkelig gerahmt vom Refrain aus „We Are The World“ und „Hey Jude“, breitet Nena ihren größten Hit in aller Mitsing-Ausführlichkeit aus. Dazu schweben Ballons mit der Aufschrift „Love“ übers Publikum. Mit Helium gefüllte Liebesbotschaften. Helium übrigens ist ein Edelgas. Eigenschaften: farb- und geruchlos. Geschmacksneutral und ungiftig. Und ja, Spaß haben kann man damit unter Umständen auch. Passt doch.

Von Steffen Georgi

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