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Neue Ausstellung eröffnet: Von Medienmacht, Rotstift und Zensur zwischen 1945 und 1990

Neue Ausstellung eröffnet: Von Medienmacht, Rotstift und Zensur zwischen 1945 und 1990

"Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR" - die Eröffnung dieser Wanderausstellung lockte Donnerstagabend bereits 50 Besucher und Akteure ins Foyer des Verlagsgebäudes der Leipziger Volkszeitung.

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Im LVZ-Foyer wurde die Ausstellung "Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR" eröffnet.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig hatte die staatliche Medienkontrolle 1945 bis 1990 in Ostdeutschland ein Stück weit aufgearbeitet.

Womit es wohl auch in einer nicht ganz unaktuellen Debatte gelandet sein dürfte: "Gerade im Zuge der Leipziger Legida-Demonstrationen äußern deren Anhänger ja auch immer wieder Kritik am Mediensystem der Bundesrepublik. Die Medien - als Lügen- oder Systempresse diffamiert - brächten staatsgelenkte Nachrichten, wären alle der gleichen Meinung, oder alle Zeitungen müssten bei bestimmten Ereignissen erst einmal im ,ZK' - sprich dem Zentralkomitee der SED - nachfragen", so eingangs Ausstellungs-Autor Andreas Peter Pausch. Die Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit durch die SED sei indes allumfassend gewesen.

Die "Rotstift"-Schau zeige einmal mehr, dass die demagogische politische Kunst der SED-Diktatur darin bestand, den Beherrschten wesentliche Informationen vorzuenthalten und den Rotstift im Sinne ihrer Ideologie anzusetzen. Aufbereitet auf Säulen und übergroßen Leporellos, belegen zig nach Zeitabschnitten geordnete Dokumente, Fotos und Texte, wie zunächst nach Kriegsende die Sowjetische Militärverwaltung die Kontrolle über die Medienpolitik übernahm und ab 1947 schrittweise die SED getreu dem Slogan "Unsere Presse - die schärfste Waffe der Partei" Zeitung, Rundfunk und Fernsehen instrumentalisierte.

Erinnert wird etwa an den Wegfall von Fach- und Publikumszeitschriften 1962; an TV-Propaganda-"Highlights" wie "Der schwarze Kanal". Die Schau erinnert, wie Brecht 1953 die Druckgenehmigungspraxis des Amtes für Literatur kritisierte; wie später Erich Loests Buch "Es geht seinen Gang" Opfer der Zensur wurde und erst 1981 im Westen erschien; wie die Stasi illegale Radiosender in den Fokus nahm. Und, wie Bürgerrechtler Stephan Bickhardt am Abend verwies, "welche Eingriffe sich überdies auch kirchliche Medien gefallen lassen mussten". Ebenso dokumentiert wurde, wie sich die Menschheit hierzulande - auch infolge des Einfuhrverbots westlicher Presse - beispielsweise den "Hetzsender Rias" in die eigenen vier Wände holte. Bis sich letztlich, gen Ende der DDR, vielfältigste Bewegungen für Presse- und Meinungsfreiheit formierten. Vertiefend zu all dem können Interessierte zudem an einer interaktiven Station Videos zu Facetten wie den Piratensender Kanal X, zu Radio Glasnost, zu illegalen Untergrundschriften abrufen.

Die Vernissage belebten überdies drei gestandene Medienakteure, die ihre Erfahrungen zum Thema beisteuerten: Journalist Peter Wensierski (ARD-Magazin Kontraste, ab 1993 Deutschlandredaktion Der Spiegel), der zu DDR-Zeiten auch den Dialog zur Opposition förderte, sowie Sportjournalist Thomas Purschke (taz, Der Spiegel), der "jene ideologische journalistische Prägung von damals auch heute noch nicht aus ostdeutschen Blättern getilgt" sieht. Dem stimmte Journalistin Barbara Tewes zu, deren beruflicher Werdegang sich in der Schau auch wiederfindet. Gezeigt wird etwa die vernichtende Abschlussbeurteilung ihres Volontariats 1974 bei der "Union" in Dresden: Man attestierte ihr mangelndes Bemühen als Parteijournalistin, empfahl sie "in die Produktion". Später war sie für Deutschlandfunk, Bayerischen Rundfunk und 1991 bis 1993 gar als Pressesprecherin in Sachsens Innenministerium tätig.

Bis 13. Mai ist die Schau im Foyer des LVZ-Verlagsgebäudes, Peterssteinweg 19, zu sehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2015

Angelika Raulien

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