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Neue Austellung des Grafikers, Malers und Bildhauers Reinhard Minkewitz

Neue Austellung des Grafikers, Malers und Bildhauers Reinhard Minkewitz

Neben thematisch zusammengestellten Gruppenausstellungen und Arbeitspositionen des Nachwuchses zeigt die auf Leipziger Kunst spezialisierte Kunsthalle der Sparkasse immer wieder auch Personalausstellungen einzelner Künstler, die als herausragend in der lokalen Kunstlandschaft angesehen werden.

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Das Relief "Schwarzer Block" von Reinhard Minkewitz in der Kunsthalle.

Quelle: André Kempner

Gegenwärtig betrifft das den Grafiker, Maler und Bildhauer Reinhard Minkewitz.

Ganz aus der Zeit gefallen scheint die Kunst von Minkewitz zu sein. Kore und Eros gehören zu seinem Personal, Dädalos und sein Sohn. Weder um Schuldenschnitte noch um Gyrosteller geht es ihm, wenn er Griechenland thematisiert. Doch im Unterschied zu vielen Zeitgenossen in der späten DDR nutzt der 1957 Geborene die so herrlich vielseitig ausdeutbaren antiken Sagen nicht als Transportmittel für gesellschaftliche Zustände im eigenen Lande. Romantische Sehnsüchte in einer reinen Form wie bei Kollegen vor zwei Jahrhunderten sind offenbar Antriebskraft für seine Bildfindungen.

Zwar hat Reinhard Minkewitz an der HGB studiert. Doch die kantigen Charaktere seines dortigen Lehrers Rolf Kuhrt schimmern viel seltener durch als der zartere Strich Gerhard Kettners, bei dem er von 1987 bis 1989 in Dresden Meisterschüler war. Obwohl er seit langem ganz in Leipzig verwurzelt ist, hat die Arbeitsweise etwas sehr Dresdnerisches.

Die vollmundige Behauptung des Pressetextes zur Ausstellung, Druckgrafik und Zeichnung in Leipzig sei unweigerlich mit seinem Namen verbunden, darf man ruhig etwas relativieren. Dass dies aber seine wichtigsten Metiers sind, wird klar demonstriert. Malerei und Reliefplastik sind in der Kunsthalle eher Abrundung, im Mittelpunkt stehen drei Mappenwerke mit Drucken - Hymettosblau, Mirabellendämmerung und Perserschutt.

Zumindest die ersten beiden Titel klingen sehr poetisch, tatsächlich dienen Gedichte, vorrangig des in die USA emigrierten Russen Joseph Brodsky, als Stichwortgeber für Minkewitz. Nimmt man aber die Blätter für sich, ohne auf die Titel zu achten, sind die Bezüge sowohl zur Lyrik als auch zu mediterranen Antike verzichtbar. Die Darstellungen menschlicher Körper bei Minkewitz, sein liebstes Sujet, bedürfen eigentlich nicht des mythologischen Aufhängers. Man sieht es den überwiegend nackten Figuren nicht an, welche Gottheit, welchen Helden sie spielen. Typische Attribute fehlen ebenso wie ein spezifisches Umfeld.

Unentschiedenheit ist ein auffälliges Merkmal. Das betrifft ein Changieren zwischen Geschlechtern, eine Zuordnung fällt häufig schwer. Aber auch die Andeutung fundierter Kenntnisse zur Anatomie und deren Verwischen oder Aufbrechen sind solch ein Zwischenzustand.

Reinhard Minkewitz nutzt Geschichte, erzählt aber keine Geschichten. Damit fällt er auf in Leipzig. Linie und Farbe, die ewigen Grundzutaten der Bildkunst, reichen ihm. Die Kunst ist ganz bei sich selbst, ohne Beimischungen. Dieser Ästhetizismus ist eben eher im Elbtal Tradition. Das betrifft auch seine Bilder mit Wellen, die an den Strand schlagen. Selbst die Ebenen mit antiken Marmorblöcken, malerisch verstreut, sind freigeräumt von den dramatischen Ereignissen, die hier mal stattfanden.

Das titelgebende Hymettosblau bezieht auf einen attischen Berg, der dort gebrochene Marmor soll einen blaugrauen Ton haben. Doch das Wort ist weniger sachliche Beschreibung einer Farbe, als wiederum poetische Metapher, einem Text von Erhart Kästner entlehnt. Und aus dem Perserschutt, jenen Rückständen der Verwüstungen auf der Akropolis in den Kämpfen des Jahres 480 vor Christus, schält Minkewitz zwar Teile eines sagenhaften Hahnenpferdes, auch Fragmente menschlicher Statuen heraus, doch die Verknüpfung mit der Ikarus-Legende zeigt ein weiteres Mal, dass es dem Künstler nicht auf historische Genauigkeit ankommt.

Eine Werkschau in der nicht gerade kleinen Kunsthalle ist für den Auserwählten zweifellos eine Ehrung. Schade deshalb, dass Reinhard Minkewitz bei der Vernissage am Freitag dem Publikum nicht persönlich vorgestellt wurde. Statt dessen gab es hausinterne Huldigungen sowie eine Rede der Kuratorin Barbara John, deren ausschweifende kunstwissenschaftliche Phraseologie viele der zahlreich erschienenen Besucher dazu verleitete, sich mit anderen Dingen als dem Zuhören zu beschäftigen. Zum Beispiel nach dem spezifischen Blauton des Hymettos suchen.

 

 

Reinhard Minkewitz - Hymettosblau: bis 18. August, Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr; Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, Otto-Schill-Str. 4a

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2013

Jens Kassner

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