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Neue Band mit einem Hauch von ((tam))

Freitag in der Moritzbastei Neue Band mit einem Hauch von ((tam))

Die Leipziger Band TOTL XS CTRL (sprich: Total Excess Control) gibt am Freitag ihr lang erwartetes Konzert in der Moritzbastei Leipzig. Vier der sechs Bandmitglieder gehören zur inzwischen schon legendären Leipziger Band Think About Mutation, die in den 90ern für Furore sorgte.

Am Freitag in der Moritzbastei, danach wartet der Rest der Welt: TOTL XS CRTL mit Rajko, Flammy, Heavyette, Stewa, Steffen und Joey (v. l.).
 

Quelle: Stefan Waldek

Leipzig.  Joey A. Vaising hält sich nicht mit Kleinigkeiten auf. Wenn er am Freitag mit seiner Band TOTL XS CTRL auf die Bühne der Moritzbastei steigt, dann beinahe in Orchester-Größe. Sechs Musiker und drei Laptops für den Sound und die Filme an der Leinwand. Da wird nicht gekleckert.

Und zwar aus Tradition. Vier der sechs Männer standen vor gut 20 Jahren kurz vor dem Durchbruch im Rockzirkus. Für die Jüngeren: Think About Mutation taten seinerzeit Unerhörtes, kreuzten Techno mit Metal, hatten einen Major Deal, nahmen ein Album in Los Angeles auf, steuerten den Titelsong zu einem Video-Game-Besteller bei, waren 1993 Support von Depeche Mode bei deren Leipzig-Konzert. Nun ist der Rumpf der Band, die sich einst mit hübschen Klammern ((tam)) kürzelte, wieder beisammen.

Vor drei Jahren: Vaising holt erst Bassist Rajko Gohlke, dann Keyboarder Gräfe zum Projekt; bei einem Bier in der Gluthitze eines Metal-Festivals wird das Ex-((tam))-Quartett komplett – Heavyette schnallt eine nagelneue, monstertiefe Acht-Saiten-Gitarre um.

Sind das jetzt ((tam))2.0? Schwer zu sagen. Einerseits ist da immer noch die Mix-Idee: brachiale Metal-Gitarren und ultramoderne Elektrosounds. Andererseits wäre eine schnöde ((tam))-Reunion alles Mögliche, aber nicht neu oder gar bahnbrechend. Also taucht Vaising vorab in die Welt der Konzerte und Elektro-Clubs ab und sucht nach dem neuen heißen Scheiß. Ganz tief unten wird er fündig. „Wir arbeiten viel mit Sub-Bässen, die machen die Songs unglaublich fett.“ In den Bereichen, die das Ohr gerade noch, die Magengrube aber umso deutlicher wahrnimmt, hat sich in den letzten Jahren viel getan – neue Technologien von der Klangerzeugung bis zum Liveequipment.

Und da sind noch die beiden Nicht-((tam))-Musiker. Drummer Flammy gehört praktisch zur Familie, kennt die Arbeit mit Vaising von Sonic Boom Foundation. Sänger Stewa ist Anfang des Jahrtausends mit Boiled Kilt über die europäischen Metal-Bühnen gefegt. Bei den ersten Tracks auf dem Youtube-Channel von TOTL XS CTRL macht Stewa mächtig Betrieb. Das klingt mehr nach Metal als ((tam)) mit Donis (seinerzeit stets auf der Suche nach der großen Hook).

Geblieben ist die Liebe zum Detail. Hier gurgelt ein Synthie, da wabert eine Streicherfläche aus dem Nichts – unendliche Welten mitten im Inferno. Zwei Dutzend Songs wachsen in drei Jahren in Vaisings Studio, die besten 14 schaffen es ins Line Up. An den Tracks basteln die Musiker virtuell, bis alle zufrieden sind. Das geht heute so: Alle nutzen die gleiche Software, spielen Spuren ein und schicken sich den jeweiligen Projektstand zu. Schöne neue Rock’n’Roll-Welt. Selbst geprobt wird (halb-)virtuell. Wer nicht in den Proberaum kommen kann, wird kurzerhand von der Festplatte zugespielt.

„Anders ginge das gar nicht“, erklärt Vaising. Die Musiker sind häufig unabkömmlich. Knorkator, Rummelsnuff, Myra, Sonic Boom Foundation – zu oft ist einer mit einer anderen Truppe im Studio, auf der Bühne oder auch im Proberaum. „Wir arbeiten ein bisschen wie ein Orchester“, beschreibt Vaising das Procedere – ausgearbeitet und geübt wird zu Hause, bei Proben geht’s um das perfekte Zusammenspiel.“ Band 2.0.

Das ist nix für den Karrierestart. „Ganz am Anfang haben wir überall gespielt, wo es eine Steckdose gab.“ Heute braucht’s einen Tonmagier (Stefan) für den komplexen Sound, einen Manager (Marcell), Platz für Musiker, Beamer, Leinwand … Da helfen alte Größe und Weggefährten aus den letzten Jahrzehnten. Nach dem Bühnendebüt als Special Guest der Szene-Urgesteine von Disillusion im Werk 2 geht’s nun in die MB. Da spielen TOTL XS CTRL mit The World Domination (Vaising: „Der Gitarrist hat ein Studio, den kennen wir schon ewig“) und Sympathy For The Devil um den Ex-Frontman von Full Speed Ahead („guter Kumpel“). Dann sind zwei der wichtigsten Leipziger Clubs bespielt, und TOTL XS CTRL muss raus in die Welt. Großes tun.

Freitag, 20 Uhr, Moritzbastei: TOTL XS CTRL, The World Domination, Sympathy For The Devil, Karten im Vorverkauf für 12 Euro.

Von Uwe Schimunek

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