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Neuer Blick auf Eva Strittmatters Gedichte

Bild-Band Neuer Blick auf Eva Strittmatters Gedichte

Ihr erster Gedichtband ist 1973 erschienen, als Eva Strittmatter 2011 starb, war sie eine der eine der meistgelesenen Lyrikerinnen des Landes. Fast vier Jahre nach ihrem Tod wirft der Maler Hans-Jürgen Gaudeck einen neuen Blick auf ausgewählte Verse.

Hans-Jürgen Gaudecks Aquarell (Ausschnitt) zu Eva Strittmatters Gedicht „Traum I“.

Quelle: Steffen Verlag

Leipzig. Es geht auch einzeln. Die Verse auf der einen Seite. Oder ausschließlich die Bilder gegenüber. Doch besser ist es zu zweit. Besser heißt nicht einfach schön, heißt nicht glücklich, schon gar nicht heiter. Es bedeutet das Zusammenkommen der Wünsche, die aus Worten wachsen, aus Farben wuchern, die sich aus Träumen tasten und hinter Linien verlieren.

Hier trifft Dichterin auf Maler, Eva Strittmatter auf Hans-Jürgen Gaudeck. Der hat für den Steffen Verlag schon „Perlen der Ostsee“ illustriert, Theodor Fontanes Reiseschilderungen oder Rainer Maria Rilkes poetische Botschaften. Vor allem Lyrik ist Inspiration für seine Aquarelle – nun also Strittmatter:„Und Liebe liebt niemals vergebens“. Manchmal, etwa zu „Mohn“ oder „Rittersporn“, bezieht sich Gaudeck unmittelbar auf das Geschriebene, dann wieder nimmt er Stimmungen auf und führt sie in eigene Bildsprache.

Die Dichterin Eva Strittmatter, aufgenommen 1997 in Berlin

Die Dichterin Eva Strittmatter, aufgenommen 1997 in Berlin. In jenem Jahr erschien ihr Gedichtband „Der Schöne (Obsession)“.

Quelle: dpa

„Einmal, als ich vorüberging/ An ihm, hat er meine Hand eingefangen/ Und sie an sein Gesicht gelegt ...“ scheibt sie, zu sehen sind zwei unter einem gelben Himmel. Was werden könnte, sieht man nicht, und herauslesen kann es nur jeder für sich. Dann ist es ein „Abendwind“, in dem das Warten Weite hat, sind „1001 Nacht“ lange her, ist „Eis“ in „dir und in mir“. Natur und Sehnen – immer wieder steht eins für das andere, um Abwesenheit spürbar zu machen, Unbehaustheit. Auch „Der Schöne“ tritt auf, jene verzweifelte Liebe, „Obsession“ der späten Jahre, die sie lyrisch verarbeitet hat. In den Wind geschrien und geschrieben.

Ab 3. Januar sind die Aquarelle in Neuruppin zu sehen. Dort wurde Eva Strittmatter am 8. Februar 1930 geboren, sie starb am 3. Januar 2011 in Berlin. Gelebt hat sie viele Jahre im brandenburgischen Schulzenhof, geliebt hat sie immer in einer Unruhe des Herzens. Nur wenn sie liebe, fühle sie sich frei, hat sie gesagt. Wobei sie in den Landschaften und Jahreszeiten fand, was sie bei den Menschen, den Männern suchte, bei ihrem Mann Erwin Strittmatter (1912–1994). Das Schreiben sah sie als Versuch, „durch Poesie Kräfte und Gegenkräfte ins Gleichgewicht zu bringen“.

Eva Strittmatter, Hans-Jürgen Gaudeck (Illustration)

Eva Strittmatter, Hans-Jürgen Gaudeck (Illustration): Und Liebe liebt niemals vergebens. Steffen Verlag; 96 Seiten (46 Aquarelle), 16.95 Euro

Quelle: Steffen Verlag

Mit ihrem Gedichtband „Ich mach ein Lied aus Stille“ (1973) hatte Strittmatter die Herzen einer rasch wachsenden Lesergemeinde erobert. Zunächst vor allem deren weiblichen und ostdeutschen Teil, bevor sie zu einer der meistgelesenen Lyrikerinnen des vereinten Landes wurde. Die hier gedruckten Gedichte stammen aus einem im Aufbau Verlag erschienen Sammelband. Neu sind sie in der Zusammenstellung, natürlich im Zusammenspiel mit den Aquarellen, und sowieso können sie immer wieder anders gelesen werden, haben sich Jahre und Erfahrungen zwischen die Lektüren gelegt. Jedenfalls können Worte wie Bilder Bestätigung sein, sogar Trost. Oder doch einfach nur schön.

Eva Strittmatter, Hans-Jürgen Gaudeck (Illustration): Und Liebe liebt niemals vergebens. Steffen Verlag; 96 Seiten (46 Aquarelle), 16.95 Euro

Ausstellung „Man müsste doch malen können“: 3. Januar bis 28. Februar, geöffnet Di bis Fr von 11 bis 16 Uhr, Sa und So 10 bis 16 Uhr, an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr; Museum Neuruppin, August-Bebel-Straße 14/15, Eintritt: 5/3 Euro

Von Janina Fleischer

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