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Neuer Chef Jean-Christophe Tailpied: „Sprache liegt mir sehr am Herzen“

Französisches Institut Leipzig Neuer Chef Jean-Christophe Tailpied: „Sprache liegt mir sehr am Herzen“

Jean-Christophe Tailpied ist der neue Direktor des Institut français Leipzig und Dresden. Seit Anfang September ist er ins pralle Leipziger Kulturleben eingetaucht. Nun steckt er mitten im Kulturherbst-Strudel, der stark französisch geprägt ist.

Jean-Christophe Tailpied ist der neue Chef des französischen Instituts in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig.

Zum Einarbeiten und Aklimatisieren blieb keine Zeit. Es ging gleich los, kaum dass er seinen Einsatzort in Fortaleza im Nordosten Brasiliens verlassen und den Koffer in Sachsen ausgepackt hatte. Vier Jahre unter südamerikanischer Sonne seien auch genug, meint der stolze Normanne, der in Caen geboren wurde. Es tue gut, der Heimat wieder etwas näher zu sein, auch weil seine Frau Eneida und sein Sohn Frédéric vorerst in der Normandie geblieben sind, damit der Zwölfjährige dort die Schule besuchen kann.

Die Umstellung sei groß, von Südamerika nach Europa, „das ist eine ganz andere Welt“. Aber der Spachbegeisterte ist ja längst hier wie dort Zuhause. Der studierte Germanist beherrscht sowohl Deutsch als auch Portugiesich perfekt. „Sprache liegt mir sehr am Herzen“, unterstreicht der Franzose, der viele Jahre als Deutschlehrer gearbeitet hat. Seine berufliche Wende kam 1995, nachdem er in Dresden ein Jahr lang Französisch als Fremdsprache unterrichtet hatte. Nun also wieder Sachsen, aber mit Wohnsitz Leipzig. Tailpied schätzt die Lebendigkeit der Frankophilie in dieser Stadt. „Ich sehe, dass in Leipzig die französische Kultur zu Hause ist.“ In Fortaleza, der „kleinen Stadt“ am Atlantik mit drei Millionen Einwohnern, sei dagegen das Interesse an Sprachkursen besonders groß bei Studenten, die in frankophonen Ländern studieren wollen. Am Institut français in Leipzig und Dresden bestehe das Interesse mehr aus kulturellen Gründen.

Für Tailpied war es schon früh wichtig, Deutsch zu lernen. Das habe er seinem Großvater zu verdanken, der in deutscher Kriegsgefangenschaft war und seinem Enkel auf den Weg gab: „Wenn wir uns verstanden hätten, hätten wir uns nicht bekämpft.“ Sprache als Mittel der Verständigung. Der Großvater habe großen Wert darauf gelegt, „dass ich Deutsch als Fremdsprache lerne“, sagt der Normanne, der in Deauville aufgewachsen ist. In den Sommerferien ging es in den 1970er Jahren regelmäßig zu einer Gastfamilie in den Westharz. „Das war wie meine zweite Familie.“ In den 1980er Jahren habe er als Student einmal kurz die Leipziger Messe besucht.

In Klein-Paris gibt es also noch viel zu entdecken für den Neuankömmling, der sich auf ein eingespieltes Team verlassen kann. „Marie-Pierre Liebenberg hat alles im Griff, sie ist unentbehrlich im Institut, sonst würde nicht so viel passieren“, lobt Tailpied die Direktionsassistentin. Er selbst werde sein Bestes tun, um das fortzusetzen, was besteht und funktioniert. „Vieles ist schon unternommen worden.“ Gern würde er aber noch intensiver mit anderen Institutionen aus europäischen Ländern zusammenarbeiten, mit dem Polnischen Institut zum Beispiel, sagt er. Es gehe ihm darum, französischsprachige, deutsche, polnische und weitere europäische Autoren, Musiker und Künstler zusammenzubringen, „um uns näher kennen zu lernen“. Er überlege auch, „ob wir etwas zur Gastronomie veranstalten sollten“. In Kooperation mit Restaurants könne er sich thematische Abende mit Essen, Weinprobe und Präsentation einer französischen Region vorstellen. Zum Vortrag gesellt sich der Wein und „die Imagination der Köche“, wie es der Genießer Jean-Christophe Tailpied formuliert. Dabei legt er Wert auf einfache Speisen guter Qualität.

Vorerst heißt es jedoch, all die namhaften französischsprachigen Autoren und Philosophen beim Leipziger literarischen Herbst zu begleiten und im November bei den französischen Filmtagen präsent zu sein. Das werden ziemlich lange Tage und Nächte für den neuen Direktor.

Von Marianne H.-Stars

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