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Neuer Falcones: Vom Kampf der Mauren gegen Krone und Kirche

Neuer Falcones: Vom Kampf der Mauren gegen Krone und Kirche

Wer im Königlichen Polo-Club von 1897 am Rande Barcelonas ein Pferd im Stall hat, gehört zur gesellschaftlichen Elite der katalanischen Hauptstadt. Ildefonso Falcones de Sierra kommt täglich über Mittag vorbei, um seine zehn Jahre alte deutsche Stute Santa Gloria zu trainieren.

München/Barcelona. „Spanische Pferde bestechen durch Anmut, Stolz und Eleganz. Mir kommt es mehr auf Qualitäten wie Kraft und Ausdauer an“, erklärt der Wirtschaftsanwalt und frühere Leistungsspringreiter. Auch in Falcones’ neuem Roman „Die Pfeiler des Glaubens“, der in der muslimischen Vergangenheit Spaniens angesiedelt ist, spielen edle Pferde eine besondere Rolle. Das Buch erscheint am 23. September in Deutschland.

Mit seinem Erstling „Die Kathedrale des Meeres“ über den Bau von Barcelonas Hafenkirche Santa María del Mar im 14. Jahrhundert, gelang Falcones 2006 ein Treffer, der sich in 46 Ländern mehr als vier Millionen Mal verkaufte. Der 51-Jährige gilt damit als Spaniens populärster Verfasser historischer Romane. Auch das zweite Werk mit seinen fast 1000 Seiten wird international bereits von Fans des Genres verschlungen.

Stilistisch alles andere als anspruchsvoll, punktet es mit den typischen Merkmalen: jede Menge schlicht konzipierter Figuren, die ständig Abenteuer und blutige Kämpfe erleben, dazu pralle Liebes- und Sexaffären und das alles in einem Rahmen, der durchaus Wissenswertes über eine Epoche, hier die Zeit um 1600, zu vermitteln vermag.

Falcones Ziel, Leser mit leichter Lektüre zu entspannen, verbindet der Autor („ich schreibe, weil ich es mag“) diesmal mit einem Thema europäischer Kulturgeschichte, das aufgrund der aktuellen Islam- Debatte bemerkenswert ist: In „Die Pfeiler des Glaubens“ geht es um den auf beiden Seiten grausam betriebenen Aufstand der Morisken gegen die Christen 1568 im granadischen Alpujarras-Gebirge sowie um deren Deportation nach Nordafrika 1609 bis 1611 - also vor genau 400 Jahren.

Morisken hießen die verarmten, zwangsgetauften Nachkommen jener Mauren, die fast 800 Jahre lang Al-Andalus dominiert hatten. Obwohl ihnen König und Kirche nach der Rückeroberung Granadas 1492 Religionsfreiheit zugesichert hatten, wurden sie - das bezeugen die Quellen - drangsaliert und ausgebeutet. Ihr Zentrum bildete zu der Zeit Córdoba. Über die Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 ist bei uns vieles bekannt. „Jedoch wird öffentlich kaum diskutiert, dass gut 100 Jahre später auch die gesamte muslimische Gemeinschaft ausgewiesen wurde“, sagt Falcones. Anhand der Lebensreise seines Helden Hernando, Ergebnis der Vergewaltigung einer armen Moriskin durch einen Priester, schildert er Brutalität und Arglist, mit denen Neuchristen und Altchristen einander bekriegten.

Dabei erinnert der Romanautor aber auch an den historisch belegten, vergeblichen Versuch von Morisken, für eine Annäherung beider Religionen zu sorgen: mit gefälschten Reliquien und sogenannten Bleibüchern über die Bedeutung der Jungfrau Maria - Moslems kennen sie als Maryam. Bei allem schrecklichen Treiben auf beiden Seiten gehört Falcones’ Sympathie den Mauren: „Morisken waren Spanier, lebten seit Jahrhunderten hier. Sie hatten das Recht, ihren Glauben und ihre Kultur zu pflegen“, meint der Jurist, der als Student zur Franco-Ära selbst für Freiheit und Liebe auf die Straße ging.

Der Katholischen Kirche wirft der vierfache Familienvater, der sich selbst als gläubig bezeichnet, vor, damals skrupellos und bigott alle Bereiche des Lebens reglementiert zu haben. „Heute scheint es mir allerdings eher umgekehrt zu sein. Ich glaube, die Christen haben sich zur Freiheit entwickelt. Und der Islam wirkt festgefahren in mittelalterlichen Positionen.“

Ildefonso Falcones: Die Pfeiler des Glaubens

C. Bertelsmann Verlag, München

928 Seiten

Euro 24,99

ISBN 978-3-570-10045-5

Ulrike Cordes, dpa

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