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Neuer Kantor der Leipziger Propstei-Kirche: "Mit fehlte irgendwann die Orgel"

Neuer Kantor der Leipziger Propstei-Kirche: "Mit fehlte irgendwann die Orgel"

Seit September ist Stephan Rommelspacher als Nachfolger Kurt Grahls Kantor der Katholischen Propstei-Kirche in Leipzig. Morgen stellt er sich in einem Konzert mit Mozarts Requiem und Bachs Kantate "Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" in der Thomaskirche der breiten Leipziger Öffentlichkeit vor.

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Stephan Rommelspacherm (*1959 in Friedrichshafen) begann seine musikalische Ausbildung am Musikgymnasium den Regensburger Domspatzen.

Quelle: dommusik

Peter Korfmacher sprach mit dem 54-Jährigen

Frage: Sie hatten eine ziemlich exponierte Position als überaus erfolgreicher Domkapellmeister in Trier - was also hat Sie in die finstere mitteldeutsche Diaspora verschlagen?

Stephan Rommelspacher: Ach, so finster ist die Diaspora gar nicht. Und ich finde es spannend, hatte einfach noch mal Lust, etwas Neues anzufangen. In Trier war ich am Ende doch sehr mit administrativen Aufgaben beschäftigt. Als ich in Trier anfing, gab es nur einen Chor. Das finde ich für eine Kathedrale indiskutabel wenig. Also habe ich das Chor-Angebot weiter aufgefächert, wir haben eine Grundschule gebaut, um den sängerischen Nachschub zu gewährleisten, haben Strukturen geschaffen, die sich bewährten. Aber am Schluss hat die Verwaltung rund 80 Prozent meiner Arbeitszeit verschlungen, auch weil in die Einrichtung einer Geschäftsführerstelle für die Dom-Musik kein Weg hineinführte. Nach elf Jahren wollte ich also endlich wieder Musik machen. Und: An Domen sind die Musiker zwangsläufig Spezialisten - mir fehlte irgendwann die Orgel.

Ist das einer der Gründe für das,was man ja durchaus auch als Karriere-Rückschritt bezeichnen könnte? Denn in der Papierform ist ein Domkapellmeister ja mehr als ein Kirchenmusikdirektor ...

So könnte man das sehen, aber das ist für mich nicht entscheidend.

Sondern?

Ich freue mich in Leipzig auf eine enorm spannende Aufgabe. Die neue Propstei steht ja total im Fokus, auch überregional. Es vergeht keine Woche, dass man nichts von diesem Projekt in den Medien hört oder liest. Und in diesem Umfeld kann ich etwas ganz Neues aufbauen.

Worauf bauen Sie dabei auf?

Mein Vorgänger Kurt Grahl hat in den vergangenen in der Propstei sehr verdienstvolle Arbeit geleistet. Aber mit der neuen Kirche am neuen Standort sind die Aufgaben natürlich auch für die Kirchenmusik ganz andere. Derzeit gibt es dafür noch keinen gesicherten Etat, es fehlen Instrumente, es fehlen Noten, es fehlen Strukturen.

2017 ist Katholikentag in Leipzig -viel Arbeit für Sie ...

Oh ja. Ich hätte das nicht gebraucht. Aber immerhin hat man im Bistum verstanden, dass dies nicht ohne Unterstützung nur von mir alleine zu leisten ist.

Die neue Kirche steht in exponierter Innenstadtlage und soll auch als Konzert-Ort etabliert werden. Wie soll das aussehen? Zumal die Konkurrenz ja außergewöhnlich groß ist in der Musikstadt Leipzig.

Ich glaube, dass dieser sehr moderne Raum, der gerade durch seine Modernität enorm viele Nutzungsmöglichkeiten bietet, es ermöglicht, ja dringend notwendig macht, ein eigenes Profil zu entwickeln. Kein anderes Wort hört man im Zusammenhang mit dem Nebauprojekt so oft wie das von der "offenen Kirche". Das muss auch die Kirchenmusik prägen, im Gottesdienst wie im Konzert. Ich möchte auf Crossover setzen, den Kontakt zu anderen Künsten suchen. Dabei hilft natürlich die zentrale Lage: Hier kommt alles zusammen, die Hochschule und die Musikschule, die HGB, auch das Gewandhaus sind ja nur einen Katzensprung entfernt, alles Möglichkeiten, sich möglichst breit aufzustellen. Also: Wir werden hier sicher nicht versuchen, die maßgebliche Leipziger Oratorien-Kirche zu werden, das machen andere schon sehr gut. Ich finde, in unserer Kirche muss auch das Neue, das Experimentelle, muss auch der Jazz einen Platz finden. Und das will auch der Bischof. Und darum hat auch er eingesehen: Ganz ohne Etat geht es einfach nicht. Um die Durststrecke zu überbrücken, bin ich gerade noch in Trier gewesen und habe mir den Kofferraum vollgeknallt mit bischöflichem Riesling - damit ich mich wenigstens symbolisch bei den Musikern bedanken kann.

Aber nur für Gotteslohn und Bischofsriesling werden die Beteiligten am Mozart-Requiem nicht mitmachen - oder?

Nein. Ich habe das Gefühl, sehr schnell in der Szene aufgenommen worden zu sein. Die Kollegen sind außergewöhnlich kooperativ, informieren, helfen, geben Tips. Dennoch: Die Gagen, die hier gezahlt werden, sind zwar niedriger, als ich es aas Trier kenne, aber wir brauchen für das Konzert rund 900 zahlende Gäste.

Wie ist der Propstei-Chor aufgestellt?

In der Interimszeit war der Chor auf gut 40 Mitglieder geschrumpft, jetzt sind wir wieder 60 - mit dem typischen leichten Männer-Defizit. Aber es vergeht keine Probe ohne Neuzugang, dazu gibt es nun einen Jugendchor mit 25 Leuten, und irgendwann wird es auch so etwas wie einen Kammerchor oder ein Vokal-Ensemble geben. Vielleicht auf Projektbasis. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Samstag, 20 Uhr, Thomaskirche Leipzig: Mozarts: Requiem, Bach: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust; Gesine Adler, Marie Henriette Reinhold, Tobias Hunger, Steven Klose, Michaela Hasselt (Orgel), Chor und Orchester der Propsteigemeinde St. Trinitatis, Leitung: Stephan Rommelspacher. Restkarten (15/10 Euro) gibt's an der Abendkasse.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.11.2013

Peter Korfmacher

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