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Neues vom "Green Hill": Wagner-Musical erntet großen Jubel in der Leipziger Muko

Neues vom "Green Hill": Wagner-Musical erntet großen Jubel in der Leipziger Muko

Der "Ring des Nibelungen" als Musical? Das geht wohl nur dann gut, wenn man die Klänge Richard Wagners weitgehend links liegen lässt und die Handlung auf ihr grobes Gerüst zurückführt.

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Spaßig: "Wagners Ding mit dem Ring" in der Muko, hier mit Milko Milev als Wotan, also Dabbelju-Dabbelju, der Fricka (Angela Mehling) auf Händen trägt.

Quelle: Andreas Doering

So jedenfalls lösen es Ulrich Michael Heissig und Thomas Zaufke in ihrem spaßigen "Wagners Ding mit dem Ring", das am Samstag seine Uraufführung in der Musikalischen Komödie Leipzig erlebte - und heftigen Jubel erntete.

Im Rheingold ist es die Göttin Erda, die Wotan düster dräuend vor den Gefahren des Rings warnt. Solch Pathos ist diesem Musical fremd, und so meldet sich Erda Erdmann aus Lindenau anstelle der Göttin zu Wort. Auf ihrem Stammplatz auf dem Balkon gibt die Stammabonnentin der Musikalischen Komödie ihren Senf zum Bühnengeschehen dazu und leitet die Taten der Götter in die richtige Bahn.

Es ist eine typische Szene für dieses "Ding mit dem Ring", das Wagners Tetralogie im Modus des Uneigentlichen, Ironischen vorführt. Die Rahmenhandlung schafft den Vorwand für das zügige Abhandeln der Mythos-Story: Autor des Stücks, so erfahren wir, ist der Instrumentenbauer Traugott Wagner, ein wenig bekannter Cousin Richards, der nach Amerika ausgewandert ist und dort die Stadt New Bayreuth inklusive "Green Hill" mit Festspiel-, pardon: Musicalhaus aufgebaut hat.

Doch leider sind auf der Reise der Truppe aus Kentucky nach Leipzig ein paar Requisiten verlorengegangen - eine gute Entschuldigung für die manchmal etwas rudimentäre Inszenierung (Ricarda Regina Ludigkeit), die mehr den Charme des Handgemachten ausstrahlt als echtes Broadwayflair.

Und doch, die Geschichte der vier Wagner-Abende ist vollständig da. Auch wenn manches arg verwinkelte Detail der Schere zum Opfer gefallen ist, so zeichnet das Libretto von Ulrich Michael Heissig in seinen pointierten Versen die Handlung doch erstaunlich minutiös nach. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass aus Walküren Cowgirls und aus Wotan ein "Götterpräsident" wird.

Die Musik entführt vom ersten Moment an nach Amerika. Thomas Zaufke hat auf einen süffigen Musicalsound zurückgegriffen, und mehr als eine seiner Melodien bleibt auf dem Nachhauseweg im Ohr hängen. Der Bezug zum wagnerschen Original beschränkt sich auf Anspielungen und Zitate.

Das Orchester der Musikalischen Komödie erzeugt einen zumeist edlen Glamoursound, auch wenn man sich bisweilen noch ein paar mehr Streicher wünschen würde - der schmale Graben gibt das offenbar nicht her, zumal einiges an Blas- und Schlagwerk Platz finden muss. Bestens ist auch der Eindruck, den Chor und Extrachor der Muko (Einstudierung Mathias Drechsler) in Gesang und Choreographie hinterlassen. Am Dirigentenpult leitet Stefan Diederich mit Umsicht und Verve das Ensemble und holt das Beste aus der Partitur hervor.

Wenig Wünsche lassen auch die Solopartien, zumal der Hauptrollen offen: Mit Witz und kraftvollem Gesang trägt Milko Milev als Wotan respektive Dabbelju-Dabbelju den Abend. Christian Alexander Müller bringt als Siegfried alias Siggi gehörig Glanz in die Bude. In unverkennbarem Musicalidiom singt Julia Gámez Martin ihre betörende Brünnhilde. Solide sind die zahlreichen Nebenrollen besetzt, genannt seien Andreas Rainer (Mime) und Sabine Töpfer (Sieglinde und Gutrune).

Kurzum: Es stimmt so ziemlich alles an diesem Abend, entsprechend einhellig ist das Publikumsurteil. Dieses Musical ist ein wohltuender Kontrast zur oft bierernsten Wagner-Pflege, die gerade im 200. Geburtsjahr des Komponisten an der Tagesordnung ist. Beispiel für den konsequenten Unernst: Die eilig wegerzählte Götterdämmerung wird kurzerhand zum Alptraum Brünnhildes erklärt, auf dass man zum genretypischen Happy End kommen kann.

Auch tut es gut, dass Heissig und Zaufke mehr als nur eine Prise Trash in die Suppe gerührt haben und dass das Bühnenpersonal mit jeder Menge Slapstick und Albernheit agiert - auch wenn das Lachen bei mancher Übertreibung etwas ächzend ausfällt. Tagesaktuelle Bezüge leisten die Macher sich kaum; Vereinzeltes, wie Frickas zur Merkel-Raute geformten Hände, bleibt zu isoliert, um als wohlplatziert gelten zu können.

Als rührend muss man die Pädagogik bezeichnen, die bei aller ironischen Brechung hinter dem Ganzen steht. Was die Intention ist, macht der Schlusschor mit klaren Worten deutlich: Wir sollen das Original anschauen. Ein bisschen mehr Frechheit, ein bisschen weniger Respekt vor Wagner dürfte es schon sein. Dazu hätte vielleicht auch noch mehr Mut bei der Raffung der Handlung gehört. Es täte gut, würden Heissig und Zaufke die - im Vergleich mit vielen anderen Musicals allerdings nicht zahlreichen! - Teile streichen, die in Text wie Musik das Niveau nicht halten, wie das aus Plattitüden gestrickte Duett "Eine Frau". Dennoch: Eine kurzweiligere Einführung in die Ring-Handlung ist kaum denkbar.

Weitere Vorstellungen: 27.10., 2.11., 3.11., 5.11., 26.11., 27.11., 25.1., 26.1., 1.3., 2.3., 5.4. und 6.4. Karten unter Tel. 0341 1261261, Informationen auf www.oper-leipzig.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2013

Benedikt Leßmann

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