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Neujahrssingen im Anker Leipzig: Franz Uhlig wird für zwei Tage zu Alice Cooper

Neujahrssingen im Anker Leipzig: Franz Uhlig wird für zwei Tage zu Alice Cooper

Wenn Leipziger Restaurantbetreiber, Wirte, Kneipiers und Kulturmacher von der Bar auf die Bühne wechseln und die Menükarte gegen das Mikrofon tauschen, dann steht es wieder ins Haus: Das Neujahrssingen der Gastronomen.

Leipzig. Auch Medienmenschen dürfen am Freitag und Sonnabend im Anker mitmischen; die Vertretung für die LVZ übernimmt voll Tatendrang Verlagskaufmann Franz Uhlig.

Mit Grusel-Look statt seriöser Brille mimt der 25-Jährige dann Alice Cooper. Die Szene-Redaktion der LVZ war bei einer Vorab-Verwandlung dabei.

Den schwarzen Nagellack hat er selbst mitgebracht. „Den habe ich aufgehoben, er stammt noch aus meiner Grufti-Phase", sagt Franz Uhlig und lacht. Zur Kostümprobe für die siebte Ausgabe des alljährlichen gastrophonischen Events hat der Kollege aus der Anzeigenabteilung sein schlimmstes Metal-Shirt und die dicke Lederkluft hervorgekramt, die Rocker-Handschuhe und das schwarze Make-Up steuert Neujahrssingen-Produzentin Maike Beilschmidt bei, in deren Wohnung das Umstyling stattfindet.

Symbolträchtig lodert dort schon ein infernales Flämmchen, wenn auch nur aus der Ethanol-Feuerschale. Direkt daneben setzt sich Franz Uhlig auf einen der Küchen-Barhocker, legt die Hände entspannt in den Schoß und lässt sich, Kreis um Kreis, finstere Furchen um die Augen schminken, die Wimpern mit Mascara verdunkeln und die langen Haare toupieren. Oberlippen- und Kinnbart allerdings sind unantastbar, merkt er an. Lang sei mit der Freundin über eine mögliche Rasur im Sinne des Outfits debattiert worden, am Ende stand das Veto der Angebeteten. „Das ist eine Sache des Hausfriedens."

Seit sieben Jahren arbeitet der Verlagskaufmann bei der LVZ, Akquise und Verkauf sind sein täglich Brot. Ab übermorgen darf getrost eine weitere Aufgabe in sein Arbeitszeugnis aufgenommen werden. „Vertretung des Hauses in düsterer Maskerade und böser Pose" könnte da in etwa stehen. Für die Hommage an Schockrocker Alice Cooper muss das kaufmännische Erscheinungsbild – dick gerahmte Brille, strenger Seitenscheitel, akkurater Kragen, Nadelstreifen-Sakko – dann zwei Abende lang zurückstehen. Wenngleich Uhlig außerhalb des Berufsalltags nicht weit entfernt von Metal-Look und -attitüde ist, steht er doch in zwei Bands an der Gitarre. Psychedelic Rock und Death Metal schicken die durch die Boxen, beide Projekte entstehen aber gerade erst, merkt er an. Auf der Bühne im Anker hat er trotzdem schon gerockt, vor ein paar Jahren, noch in anderer Formation. Viel Publikum gab es damals allerdings nicht.

Volles Haus an beiden Tagen

Das wird sich am Wochenende ändern: Ein volles Haus wird an beiden Tagen erwartet, zum ersten Mal findet das Neujahrssingen aufgrund der großen Nachfrage zweimal statt. Aus gutem Grund, denn das Programm ist auch 2013 wunderbar vielseitig – sowohl in Titel- als auch Teilnehmerauswahl. So viel darf verraten werden: Das Spizz, die Moritzbastei, die Mega Bar, das Plan B, die Vodkaria, das Horns Erben, die Nato, das Tonelli’s, die Häuser Geyser, Beyer und Volks sowie die schreibenden Kollegen von Kreuzer und Kippe schmeißen sich in Schale und geben Titel von Skunk Anansie, The Boss Hoss und Fury in the Slaughterhouse über Pink und Lou Bega bis hin zu den Toten Hosen und Fantastischen Vier zum Besten.

Paratox und Backgroundchor fürs perfekte Szene-Ereignis

„Es ist aber gar nicht so einfach, jedes Jahr wieder neue Leute auf die Bühne zu bekommen, viele trauen sich erst nicht", sagt Maike Beilschmidt, die das Neujahrssingen gemeinsam mit dem 2009 tödlich verunglückten Entertainer und Kultur-Tausendsassa Paul Fröhlich ins Leben gerufen hatte. „Dabei stand doch jeder von uns als Teenager mal mit der Dose Haarspray vor dem Spiegel und hat seinen Lieblingssong gesungen. Und die meisten Gastronomen sind am Ende völlig überzeugt, die kommen nach ihrem Auftritt zu mir und sagen: Das war das Geilste, was ich je gemacht habe." Dank professioneller Licht- und Tontechnik, Profi-Band (seit Jahren grandios: Paratox) und Background-Chor ist die Show eben keine simple Nachsing-Veranstaltung, sondern ein Szene-Ereignis.

Franz Uhlig sieht dem Spektakel gelassen entgegen – er kenne kein Lampenfieber, sagt er, „das ist bei mir eher eine Bühnensucht". Zwar sei es neu für ihn, ausschließlich das Mikrofon zu bedienen, aber es gehe ja ums Posen. Und das habe er bereits drauf, bestätigen Kollegen, die den 25-Jährigen bei der LVZ-Weihnachtsfeier an der Karaoke-Maschine erlebt haben. „Nach Abba stand da Alice Cooper auf der Liste. Ich dachte mir: Das hat eine E-Gitarre, das singe ich." Die simpelsten Maximen sind oft die besten, eine gleichwertige geht raus an das Publikum: Zujubeln, mitrocken!

Das Neujahrssingen am Samstag ist ausverkauft, für Freitag gibt‘s noch Karten im Culton (Peterssteinweg 7), Telefon 0341 141618; Einlass jeweils 20 Uhr im Anker, Renftstraße 1.

Tobias Ossyra

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