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Nicht nur Beifall, sondern Jubel: BabY BoOmer in der Leipziger Nato

Konzert Nicht nur Beifall, sondern Jubel: BabY BoOmer in der Leipziger Nato

Lange schon ist das Quartett beieinander, nun endlich gibt eine erste CD Bilanz und Ausblick. Am Sonntagabend hat die Leipziger Supergroup BabY BoOmer in der Nato ihr Debütalbum live zelebriert.

Ein enorm gut eingespielter Organismus: Florian Kästner, Robert Lucaciu, Werner Neumann und Philipp Scholz (von links).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er sei so froh, mit diesen Jungs zu spielen, sagt Werner Neumann, und seinem Gesicht sieht man an, dass dies keine der gängigen Floskeln ist. Bassist Robert Lucaciu, Schlagzeuger Philipp Scholz und Keyboarder Florian Kästner könnten seine Söhne sein. Als Mann vom Jahrgang 64 stammt Neumann aus der teutonischen Generation der Baby-Boomer, als Lehrender an diversen Hochschulen und aktueller Gitarrenprofessor der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ hat er sich um die nächste Generation verdient gemacht. Mit BabY BoOmer erntet der Vielbeschäftigte die Früchte solcher Arbeit. Lange schon ist das Quartett beieinander, nun endlich gibt eine erste CD Bilanz und Ausblick.

Entstanden ist eine kurzweilige Lehrstunde, mehr noch: tatsächlich ein künftiges Referenzwerk dafür, wo die Gitarre im Jazz von heute steht. Dazu braucht es mehr als einen guten Gitarristen wie Neumann, der immer wieder abhebt zu wundervollen Gedankenflügen, durch die eine Geschichte von Joe Pass, John Abercrombie bis Pat Metheny plus diverse Rockheroen irrlichtert. Neumann ist viel zu gut, um sie schlicht zu zitieren, vielmehr amalgamisiert er das Verinnerlichte zu etwas Eigenem, ohne dabei blenden, dröhnen oder mit Virtuosität überrumpeln zu müssen. So behält das alles seine abgezockte Beiläufigkeit und vergisst den Humor nicht. Leipzig hat eine neue alte Superband.

BabY BoOmer ist ein enorm gut eingespielter Organismus und jeder der Beteiligten ein fintenreicher Diener an diesem großen, sehr großen Ganzen. Lucaciu kann vom zuverlässigen Walking Bass bis zum Unvorhersehbaren alles, Scholz ist mal heftiger Antreiber, dann wieder sensibler Kommentator und Akzentverschieber, und wenn sich beide in der von Florian Kästner geschriebenen Zugabe „No Legida“ zum Duo-Diskurs treffen, ergibt auch das etwas zum Einrahmen. Kästner speist in die kurzweiligen Ereignisse vom Fender Rhodes her nicht einfach das gängige Tastendräuen der seligen 70er-Jahre, sondern zaubert einen wunderbaren Teppich oder brilliert in flirrenden Melodielinien.

Man muss sich den Hörer als glücklichen Menschen vorstellen

Gleichberechtigt sind sie alle und treffen sich auf Augenhöhe bei diesem grandiosen Geben und Nehmen. Genau darum geht es, wenn in jüngster Zeit die Gitarre ihre Renaissance im Jazz erlebt und vom patinabeladenen Jazzrockrand wieder ins Zentrum rückt. Die BabY-BoOmer-Stücke entwickeln sich im Offenen und müssen nicht simplen Schemen von gestern folgen, jeder Nostalgieverdacht zerstäubt vor dieser fantasievollen Fortbewegung durch freie Felder.

Die Nato ist knackevoll an diesem Sonntagabend, die Audienz hat ein für Jazzkonzerte erstaunlich niedriges Durchschnittsalter, die Stimmung ist großartig, denn geradezu vom Start weg springt über, dass hier nicht einfach nur ein Quartett seine endlich erste CD auf den Weg bringt. Hier werden enorm schlüssige Resultate eines langen und spaßvollen Arbeitsprozesses hingebreitet, die aufhorchen lassen und gleichermaßen in Kopf und Beine gehen. Man muss sich den BabY-BoOmer-Hörer als glücklichen Menschen vorstellen. Hinterher gibt es nicht nur Beifall, sondern Jubel.

Nachdrücklich belegt dieses Konzert, was an der Leipziger Hochschule geleistet wird, wie fruchtbringend die enge Zusammenarbeit mit dem agilen Jazzclub der Stadt als Veranstalter und Vernetzer hilft, dies nach außen zu tragen, wie die Musikstadt dabei ist, sich mit ihren Clubs deutschlandweit zur Jazzmetropole zu mausern. Gar nicht zufällig ist die CD beim Kölner Label Klaeng erschienen, denn am Rhein passieren gerade vergleichbare Entwicklungen innerhalb der Jazzszene.

Von Ulrich Steinmetzger

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