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Nils Landgren, Micha Acher und Co. mit Leipziger Studierenden auf der Bühne

Musikhochschule Nils Landgren, Micha Acher und Co. mit Leipziger Studierenden auf der Bühne

Es ist so etwas wie Leipzigs unauffälligstes Jazzfestival. Dabei war die Dichte der Jazz-Hochkaräter, die am Freitag und Samstag beim Jazzfest der Leipziger Hochschule für Musik und Theater mit dem Profi-Nachwuchs auftraten, enorm hoch: Neben den großen Namen im Professoren-Kollegium gehörten etwa Nils Landgren und Micha Acher zum Programm.

Star und Studierende: Posaunist Nils Landgren mit fünf jungen Kollegen, darunter die einzige weibliche Nachwuchs-Musikerin des Abends.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Es ist so etwas wie Leipzigs unauffälligstes Jazzfestival – das an sich ist schon eine Art Alleinstellungsmerkmal im Reigen der hiesigen Musikevents, die sonst vor allem eins benötigen: Aufmerksamkeit. Und Wochenendkonzerte noch deutlich vor abends um acht starten zu lassen, traut sich sonst kaum jemand, schon gar nicht unter kommerziell dominierten Veranstaltungsbedingungen.

Das Jazzfest der Musikhochschule – Hochschule für Musik und Theater, Fachrichtung Jazz/Popularmusik heißt es ganz amtlich – tickt ein bisschen anders. Es hat die, inzwischen bewiesen, sehr gute Grundidee, gestandene bis sehr gute Namen des vornehmlich europäischen Jazz mit den Leipziger Studierenden und Lehrenden gemeinsam auftreten zu lassen. Jeweils drei Ensembles stehen am Freitag und Samstag auf der Bühne. Auch die ist so etwas wie ein Geheimtipp, normale Jazzkonzertgänger bekommen den großen Konzertsaal der Hochschule sonst kaum zu Gesicht und vor allem Gehör, was wirklich schade ist.

Bevor am Samstag die HMT-Bigband unter Rolf von Nordenskjöld das bemerkenswerte Mini-Festival beschließen wird, sind am Freitag die bekannteren Stars zu Gange. Micha Acher sorgte mit seiner Stammband The Notwist erst im letzten Dezember für drei ausverkaufte und frenetisch gefeierte Konzerte im UT Connewitz. Dass er im Nebenjob noch jede Menge eher dem Jazz denn dem Indie-Pop verschriebene Projekte betreibt, hat sich inzwischen herumgesprochen.

Glücksgriff Nils Landgren

In Leipzig gibt er mit seiner wirklich sehr großen Tuba und acht Studierenden das durchgehende Schema des Abends vor: „Wir spielen Traditional und Modern Jazz“, wird Gesangsprofessorin Evelyn Fischer später anmerken, und das trifft es eigentlich am Besten für die nicht so recht in einem klassischen Jazz-Stil verortbare Musik aller drei Bands, deren Aufgabe es vor allem ist, zu demonstrieren, was die angehenden Profis drauf haben. Jeder Studierende erhält die ausführliche Gelegenheit zum Solo, immer freundlichst beklatscht im komplett ausverkauften, leider vollends bestuhlten Saal. Das wundert nicht, die allermeisten der 400 Besucher hier sind ganz augenscheinlich Hochschulangehörige – oder deren Angehörige. Die durchweg überzeugenden Leistungen schmälert das nicht, es wird ohne Wenn und Aber geliefert in dieser Nachwuchs-Leistungsschau, die schon deshalb ein bisschen an eine Vorlesung erinnert, weil Getränke im Saal natürlich nicht erlaubt sind und sich außerhalb der knappen Pausen niemand traut, einfach mal rauszugehen für ein Glas Wein.

Dass es am Ende, nachdem die siebenköpfige Professoren-Band gediegen-abgeklärt ihres Amtes gewaltet hat, nicht zu steif wird, dafür sorgt Glücksgriff Nils Landgren. „Könnt ihr noch?“, fragt Moderator und Professor Michael Wollny schon kurz nach zehn, und das ist fast schon wieder süß in seiner etwas koketten Hochschullehrer-Elfenbeinturmhaftigkeit. Danach gibt es mit Landgren, den man ruhigen Gewissens einen zeitgenössischen Jazzstar nennen darf, noch einen gehörigen Zacken mehr Spaß am Musizieren an sich und weniger ausbilderischen Bierernst.

Solo Sonja

Der Posaunist freut sich sichtlich über die nicht alltägliche Aufgabe, spornt seine sieben Mitmusiker, die er erst am Vortag kennengelernt hat, immer wieder an, tänzelt beseelt durch das Bühnen-Setup, dirigiert mit Verve, singt und spielt seine berühmte rote Posaune. Das ist einigermaßen furios in Szene gesetzt, macht enorm gute Laune und lässt den Saal dann auch endlich ordentlich toben. Dazu trägt die äußerst zugängliche Songauswahl bei, die mit einigen schmissigen Bigband-tauglichen klassischen Jazz-Stücken von Nat Adderley ebenso aufwartet wie mit einer überraschend feinsinnigen Coverversion des ultraachtziger Mr.-Mister-Pop-Schmachtfetzens „Broken Wings“.

Alles in Allem ist das ein äußerst unterhaltsamer, aufschlussreicher, kurzweiliger Abend mit allerdings einem schweren Makel: Ungefähr ein Viertel der Studierenden im Fachbereich sind Frauen. Auf der Bühne stand zumindest am Freitag nur eine einzige von ihnen – Posaunistin Sonja. Das ist auch für ein immer noch traditionell männerdominiertes Genre wie Jazz schlicht nicht akzeptabel.

Von Jörg Augsburg

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