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Nostalgie auf Klappstühlen: Christopher Cross im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Parkbühne Nostalgie auf Klappstühlen: Christopher Cross im Leipziger Clara-Zetkin-Park

Am Sonntag spielte Soft-Rocker Christopher Cross im Clara-Zetkin-Park. Er war zu Beginn der 80er als junger Musiker sehr erfolgreich, erhält aber seit dem Anbruch des MTV-Zeitalters nicht mehr die Beachtung, die er eigentlich verdient hätte. Hier ist er aber offenbar umgeben von treuen Fans.

Die Musik ist der Star: Christopher Cross mit Band Sonntagabend auf der Bühne im Leipziger Clara-Zetkin-Park.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Lange Reihen von schwarzen Klappstühlen stehen vor der Parkbühne, wo sonst die Zuschauer stehen. Als die Plätze gefunden sind, setzen sich die Menschen und schauen gespannt Richtung Rampenlicht. Der ursprünglich fürs Vorprogramm geplante Künstler John Parr musste absagen. Wer ihn wohl ersetzt? Niemand. Erst betritt seine Band die Bühne, dann Christopher Cross selbst, gemeinsam mit seinen Backgroundsängerinnen. Dem Publikum scheint das nur Recht zu sein.

Am Sonntag spielte Soft-Rocker Christopher Cross im Clara-Zetkin-Park. Er war zu Beginn der 80er als junger Musiker sehr erfolgreich, erhält aber seit dem Anbruch des MTV-Zeitalters nicht mehr die Beachtung, die er eigentlich verdient hätte. Hier ist er aber offenbar umgeben von treuen Fans. Cross präsentiert an diesem Abend eine gesunde Mischung aus seinen alten Hits und aus neuem Material. Schon der zweite Song, „Never Be The Same“, zeigt, dass live mehr Druck hinter seiner Musik ist und sie satter wirkt als aus der Konserve. Seine sanfte Stimme ist live durchaus voluminös und erreicht die Höhen noch bestens. Das Saxophon sorgt für das richtige 80er-Jahre-Gefühl. Auch ansonsten erscheint alles sehr Oldschool, mit den Backgroundsängerinnen, großartigen Bühnenmusikern und dem Verzicht auf große Effekte. Hier steht die Musik im Vordergrund.

Das Saxophon sorgt fürs 80er-Jahre-Gefühl

Besonders der Pianist zeigt immer wieder sein beachtliches Können und beginnt ein Intro. Der Beifall sitzt sowieso recht locker, und fällt besonders laut aus, als das Publikum merkt, dass das Intro in den Hit „Sailing“ übergeht. Ein Pärchen tanzt eng umschlungen am Rande. Cross wirkt sehr stolz auf seine Musiker, übrigens zurecht. Er selbst hat eine ruhige, fast bedächtige Bühnenpräsenz, ist aber trotzdem charismatisch. Dann kündigt er einen brandneuen Song an, den er für seine ehemalige Mentorin Joni Mitchell geschrieben hat, „Roberta“. Wie der Geburtsname der ikonischen Sängerin. Cross schöpft aus einem Repertoire aus klassischen Rock-Balladen mit Elementen aus Blues, Jazz und Pop.

Es mag ein Ausdruck seines Anspruchs an sich selbst sein, dass er sich nicht damit zufrieden gibt, seine beliebtesten Hits zu spielen. Einige davon hat Cross überarbeitet, um sie „ins Jahr 2016 zu bringen“, wie er gern sagt. Mit „Think of Laura“ greift wieder die Nostalgie beim Publikum. Es ist eine gelungene Unplugged-Version des Songs, nur der Mann und seine Gitarre. Ebenfalls abgewandelt – frisch am Abend davor – aber schön kommt „Say You’ll Be Mine“ daher. Die neue Live-Variante ist sehr gefühlvoll, nur mit Cross selbst, der Gitarre und den beiden Sängerinnen. Auch „All Right“ hat eine leichte Modernisierung erfahren.

Während die Stimmung bei „Arthur’s Theme“ noch andächtig ist, kann sich bei den ersten Tönen zu „Ride Like the Wind“ – der Song, mit dem der Höhenflug begann – keiner mehr auf den Stühlen halten. Der voluminöse Bühnensound zahlt sich richtig aus, es wird getanzt, geklatscht und mitgefiebert. Zum Schluss wird es noch mal besinnlich: Die Zuschauer singen kräftig mit bei John Lennons „Imagine“. Darauf folgt nach knapp zwei Stunden Programm ein langer stehender Applaus – und das sicherlich nicht, weil sowieso längst alle auf den Beinen waren.

Von Miriam Heinbuch

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