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Nüchtern: Monster Magnet vor 800 Zuschauern im Werk 2

Nüchtern: Monster Magnet vor 800 Zuschauern im Werk 2

Was ist nur mit der guten, alten Rockshow los? Wo sind all die halbnackten Stripperinnen, brennenden Gitarren und übertrieben aufgedrehten Bassboxen hin? Was ist mit ellenlangen Intros, infernalischen Effekten und der gepflegten Publikumsbeschimpfung passiert? Stattdessen schlurfen fünf langhaarige Männer in den Mittfünzigern auf die Bühne, legen sich ihre Klampfen um und - spielen los.

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Statt langhaariger Bunnys nur ein langhaariger Metaller: Dave Wyndorf ließ am Dienstag den Showteil weg.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Beim Konzert am Dienstag im Werk 2 bevorzugen Monster Magnet die ganz kleine Geste. Gefühlte zwei Stunden dauert die Umbaupause nach dem Höllenlärm der japanischen Doom-Metal-Band Church of Misery, bis Dave Wyndorf und seine Mannen endlich die heilige Halle von Connewitz betreten. Doch was lange dauert, wird nicht unbedingt gut.

Eine weitere Ewigkeit zieht sich das Eingangsthema des ersten Songs "I Live Behind the Clouds" hin, bis nach fünf Minuten zum ersten Mal so etwas wie Stimmung aufkommt. Dann die erste Wyndorfsche Ansage: "We hope you wanna rock tonight". Schön. Und: "We are gonna play our new album 'Last patrol'." Kein Scherz? Nein, der Tourname ist heute Abend Programm. Monster Magnet werden tatsächlich ihr gesamtes neues Album herunterspielen. Vom ersten bis zum elften Song.

Das war beim letzten Besuch in Leipzig vor gut fünf Jahren noch ganz anders. Dave Wyndorf hatte gerade eine Überdosis Drogen überlebt und viele Besucher waren skeptisch, ob er überhaupt auftreten würde. Doch obwohl mittlerweile aufgedunsen wie eine Seekuh, lieferte Wyndorf einen Gig wie aus einem Guss, spielte alle großen Monster-Magnet-Hits und hatte am Ende das Publikum in seinem Wurstfingergriff. Da fiel es auch gar nicht weiter auf, dass von dem damals neuesten Album "4-Way Diablo" nicht ein Track gespielt wurde.

Dagegen muss, wer am Dienstagabend auf Klassiker wie "Dopes to Infinity", "Melt" oder "Space Lord" wartet, bis zur ersten und einzigen Zugabe ausharren. Nichts gegen das Promoten eines neuen Albums, aber seine alten Fans - und der Zuschauerschnitt liegt im Werk 2 bei geschätzten 45 Jahren - so zu verprellen, erscheint schon etwas arrogant. Da wirkt es auch kaum Wunder, dass bis zum Ende des ersten Konzertteils so gut wie kein Applaus aufbrandet. Einige der rund 800 Fans haben sich da schon in Richtung der eisigen Leipziger Winternacht verabschiedet.

Erst die Ansage zum Beginn der Zugabe reißt die unverzagt Gebliebenen aus ihrer Lethargie: "Sometimes it's time to do a record. And sometimes it's time to rock!", scheppert Wyndorf ins Mikro. Und nun gehen doch noch die Teufelsfinger hoch, wird vor der Bühne gepogt, und erste Freudenschreie hallen durchs Werk 2. Schließlich wird sogar eine vereinzelte Stage-Diverin gesichtet.

Beim abschließenden "Space Lord" zeigt sich, wie textsicher Monster-Magnet-Fans sein können - wenn sie denn gelassen werden. Doch als es am schönsten wird, ist es auch schon wieder vorbei. Kein Powertrip mehr und auch keine Silver Future. Auf dem Nachhauseweg herrscht ein Gefühl vor: Da wäre mehr drin gewesen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.01.2014

Christian Dittmar

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